Kommentar zur Weltklimakonferenz: Gesucht: Ein Ausweg

Kommentar zur Weltklimakonferenz : Gesucht: Ein Ausweg

Eine Weltregierung zur Erdklima-Rettung für wahrscheinlich zu halten, wäre naiv. Aber eine „Koalition der Klimawilligen“ hätte mit ihren Handelsbeziehungen ein Ass im Ärmel, das auszuspielen jedoch eigene Konsequenzen erfordere, kommentiert Wolfgang Wiedlich.

Wenn der Geist nicht zur Tat werden will, rettet sich eine Weltklima-Konferenz in die Unverbindlichkeit, um den Schein zu wahren. Beim Bohren dicker Bretter stieß der Verhandlungsprozess diesmal auf nationale Egoismen – hart wie Granit. Denn in Madrid wurde es ernst. Tricksicher und transparent sollten die Regeln sein, die ein weiteres Zumüllen der atmosphärischen Gasdeponie verhindern.

Schon vor Jahren wurden in den Hinterzimmern der Klimadiplomatie hässliche Fragen gestellt. Vereinfacht: Was zahlt die Gemeinschaft mir, wenn ich meinen Wald stehen lasse? Wenn ich unser gemeinsames Problem nicht weiter verschärfe, indem ich die CO2-Speicher anzünde? Eine Antwort gab es nicht. Die brasilianische Frage, um es einmal so zu nennen, kam jetzt in einem anderen Zusammenhang wie ein Bumerang zurück. Auch das 100-Milliarden-Dollar-Versprechen zur Reparatur bereits eingetretener Klimaschäden blieb nur ein Versprechen. Der schwerwiegende Vertrauensverlust jener Staaten, die kaum etwas zur globalen Erwärmung beigetragen haben, aber schon heute leiden, taucht indes im Madrider Papier nicht auf.

Schon vor Jahrzehnten haben kluge Menschen erkannt, dass der menschengemachte Klimawandel nicht mit einer Politik einzudämmen ist, die auf mehr als 195 nationalen Souveränitäten und dem Einstimmigkeitsprinzip basiert. Man sprach damals von „Weltinnenpolitik“. Eine Weltregierung zur Erdklima-Rettung für wahrscheinlich zu halten, wäre jedoch naiv, erst recht in einer Zeit, wo der Multilateralismus ums Überleben kämpft und immer mehr Autokraten, Populisten und sonstige Gestalten den Ton angeben. Es muss also einen anderen Weg und Nachteile für jene geben, die mit ihrem Egoismus die globale Zivilisation gefährden.

Das Völkerrecht wäre, weil eine Schnecke, angesichts des beschleunigten Klimawandels keine gute Idee. Aber eine „Koalition der Klimawilligen“ hat mit ihren Handelsbeziehungen ein Ass im Ärmel, das auszuspielen jedoch eigene Konsequenz erfordert, denn unangenehm wird es immer dann, wenn es konkret wird. Würde – zum Beispiel – die EU, die sich in Madrid als offensiver Klimaretter positionierte, auf Sojaschrot von abgeflämmten Regenwaldflächen verzichten und damit ihrer Massentierhaltung die Proteinbasis entziehen? Eine weitere Option wären CO2-Zölle auf Produkte der Unwilligen.  Irgendwann wären die Trumpisten dieser Welt isoliert.

Ansonsten wirkt das eherne Klimawandelgesetz: Das Versäumte in Vergangenheit und Gegenwart verschärft die Klimaschutz-Vollbremsung in der Zukunft. Und: Politische Kompromisse haben die Physik noch nie beeindruckt.