Kommentar zu Kardinal Marx: Gesicht der Kirche

Kommentar zu Kardinal Marx : Gesicht der Kirche

Reinhard Kardinal Marx hat seinen Rücktritt erklärt. Noch sind die Auswirkungen seines Schrittes auf die katholische Kirche in Deutschland nicht absehbar, kommentiert unser Autor.

Vor sieben Jahren war es eine lateinische Rede. Damals kündigte Papst Benedikt XVI. vor den Kardinälen in Rom seinen Amtsverzicht an. Reinhard Kardinal Marx genügte gestern ein einfaches Schreiben an seine Amtsbrüder, um anzukündigen, dass er nicht wieder als Vorsitzender der Bischofskonferenz zur Verfügung steht. Und doch sind die Auswirkungen seines Schrittes auf die katholische Kirche in Deutschland noch ähnlich wenig absehbar, wie es einst bei Benedikts Rücktritt auf der weltkirchlichen Ebene der Fall war.

Denn mit Marx geht das Gesicht der katholischen Kirche in Deutschland. Ein Reformer, ein Ökumeniker, aber auch ein Vorsitzender der Bischofskonferenz, der sich viel zu oft mit Auseinandersetzungen in den eigenen Reihen beschäftigen musste. Ein gutes Beispiel dafür ist der Streit um die Eucharistie-Zulassung evangelischer Ehepartner und die Korrespondenz mit Rom, die in diesem Zusammenhang zu verzeichnen war. Das nur als „kräftezehrend“ zu bezeichnen, dürfte wohl ein Euphemismus sein. Deswegen ist es durchaus bezeichnend, zu welchem Zeitpunkt Marx nun seine Ankündigung macht: Am Mittwoch wird das nachsynodale Schreiben von Papst Franziskus zur Amazonas-Synode erwartet. Und es wird für Diskussionen sorgen. Werden etwa die „viri probati“ in Ausnahmefällen erlaubt, wird eine Debatte zur Definition der Ausnahmefälle beginnen. Werden sie nicht erlaubt, werden all jene, die sich darauf Hoffnung machten, enttäuscht sein.

Der nächste Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz wird sich diesen Diskussionen stellen müssen. Vor allem aber wird er für neuen Zusammenhalt in der Kirche sorgen müssen. Es ist verständlich, wenn Reinhard Kardinal Marx nach sechs Jahren diesen Staffelstab nun weitergibt.