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Kommentar zu Amazon-Chef Jeff Bezos: Geld stinkt nicht

Kommentar zu Amazon-Chef Jeff Bezos : Geld stinkt nicht

Der Amazon-Chef Jeff Bezos will ein Teil seines Vermögens einsetzen, um die Erderwärmung zu bekämpfen. Von Beschäftigten hagelt es Kritik. GA-Redakteur Wolfgang Pichler kommentiert: Beim Kampf gegen die Weltkatastrophe muss jeder Cent recht sein.

Tätige Reue“ nennt es das Strafrecht, wenn ein Brandstifter es sich anders überlegt und während des Brandes die Feuerwehr ruft. Amazon-Weltherrscher Jeff Bezos scheint so etwas gerade zu versuchen: Zehn Milliarden Dollar will er in eine Stiftung zur Bekämpfung der Klimakrise einbringen.

Bislang ist Bezos’ Versandhaus-Imperium kein Hort von Umweltschutz und Philanthropie. Es vernichtet den wohnortnahen Einzelhandel, jagt Zehntausende von verbrennungsgetriebenen Pakettransportern auf die Straße, schmeißt wertvolle Güter in den Müll, überwacht seine Kunden per Aushorch-Dose und pflegt eine gewisse Kreativität bei den Arbeitsbedingungen in seinen Lagerhäusern. Und (Amazon-Beschäftigte weisen dieser Tage in einem kritischen Tweet darauf hin): Es hat ölindustrie-
nahe Think Tanks mitfinanziert, die den Klimawandel leugnen.

Doch gerade die Geldherrscher sind nicht blind. Sie haben entdeckt, dass die Klimakrise nicht „nur“ Menschen schädigt, sondern auch Bankkonten. Naturkatastrophen ruinieren die Infrastruktur; schlecht für ein globales Logistik-Unternehmen.

Da ist zu begrüßen, wenn ein Kapitalismus-Kaiser sein Privileg nutzt und (aus welchem Grund auch immer) groß und sichtbar zu handeln beginnt, während man sich in der Demokratie noch zankt, ob eine möglicherweise eventuell unter Umständen zu erhebende CO2-Abgabe nun paareurofuffzich betragen soll, und ob wir uns waschen können, ohne nass zu werden. Somit ist es egal, ob diese zehn Milliarden sich vielleicht ausnehmen, als spendete Al Capone großzügig an den „Weißen Ring“. Pecunia non olet (Geld stinkt nicht). Beim Kampf gegen die Weltkatastrophe muss jeder Cent recht sein – und käme er vom Teufel persönlich.