1. Meinung
  2. Kommentare

Kommentar zum Deutschlandtakt der Bahn: Geld allein hilft nicht

Kommentar zum Deutschlandtakt der Bahn : Geld allein hilft nicht

Viel zu häufig fallen Züge der Deutschen Bahn aus, viel zu häufig kommen sie zu spät. Dies will Verkehrsminister Andreas Scheuer ändern. Das Problem: Geld ist dabei nicht alles, kommentiert unser Autor.

Was Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) mit dem sogenannten Deutschlandtakt vorhat, weckt Hoffnungen bei vielen genervten Bahnkunden. Viel zu häufig fallen Züge aus, viel zu häufig kommen sie zu spät. Besonders bei Hitze oder im Winter ist die Pünktlichkeit der Bahn oft nur ein Wunschtraum. Solange das zum Alltag von Millionen Zugreisenden gehört, dürfte die Zuversicht kaum vorhanden sein, dass in fünf Jahren alles anders sein soll. Dann nämlich will Scheuer auf den ersten Strecken die abgestimmte Taktung zwischen Fern- Regional- und Nahverkehr umgesetzt sehen.

Milliardeninvestitionen in die Infrastruktur sollen möglich machen, wozu die Schweiz als kleines Land aber großes Vorbild mehrere Jahrzehnte brauchte. Das Problem: Geld ist nicht alles. Besonders problematisch bei Infrastrukturprojekten sind die Genehmigungsverfahren. Und dass die in Deutschland rekordverdächtig lange dauern können, ist bekannt.

Ob es also mit steigenden Fahrgastzahlen, mehr Güterverkehr, einer aber nur schleppend vorangehenden Digitalisierung von Stellwerken und Weichen und einem Mangel an Planern und Schienenarbeitern wirklich gelingen kann, Deutschland an die Spitze der Eisenbahnangebote für den Personen- und Güterverkehr zu katapultieren, darf bezweifelt werden. Zu wünschen wäre es dem Land aber. Nicht zuletzt, weil die Bahn eine Schlüsselrolle in der Verkehrswende hin zu klimafreundlicher Mobilität spielen muss.

Für Menschen, die in ländlichen Regionen leben, wäre ein optimal aufeinander abgestimmtes Angebot von Bussen und Bahnen die einzig sinnvolle Alternative zum Auto. Bleiben sie enttäuscht von der Verkehrspolitik, sind auch die Klimaziele der Bundesregierung kaum zu erreichen.