Kommentar: Festspielhaus in Bonn - Die Millionenfrage

Kommentar : Festspielhaus in Bonn - Die Millionenfrage

Bonn geht es gut. Die Stadt ist besser ausgestattet als viele Kommunen gleicher Größenordnung in diesem Land. Sie verfügt über ein Netz öffentlicher Einrichtungen, um das sie landauf, landab beneidet wird.

Man kann das auch Überversorgung oder Überdimensionierung nennen. Diesen guten Status verdankt die Stadt dem Fleiß ihrer Bürger, na klar, und vielen, vielen Millionen, die über Jahrzehnte als Unterstützung der Bundeshaupt- und späteren Bundesstadt aus öffentlichen Haushalten, namentlich des Bundes, geflossen sind. Ein früherer Ministerpräsident des Landes hat das salopp mal so gesagt: Wüssten die Menschen in Duisburg-Rheinhausen, wie viel öffentliches Geld nach Bonn geht, er würde verprügelt.

Bonn geht es gut? Bonn geht es schlecht! Immer schlechter. "Seid umschlungen Millionen" war einmal. Bonn muss sich gesundschrumpfen, muss städtische Leistungen einschränken, Bäder und Büchereien schließen und und und.

Ganz ohne Festspielhaus heißt das: Die Stadt muss sich entscheiden. Sie muss sich von Liebgewordenem trennen, muss Prioritäten setzen. Das fällt ihr - wiederum ganz ohne Festspielhaus - enorm schwer. Was auch damit zu tun hat, dass man zu lange gewartet hat. Eine kontinuierliche Anpassung an die Realitäten wäre schonender gewesen als der radikale Sparkurs, der jetzt geboten ist.

Hätte, hätte, Fahrradkette, muss man auch hier wieder einen prominenten Bürger dieser Stadt (und begeisterten Musikliebhaber) zitieren. Und dann noch die WCCB-Pleite. Kann man es Bürgern verdenken, dass sie nach dieser Erfahrung skeptisch auf neue Großprojekte reagieren? Man kann es ihnen nicht nur nicht verdenken, man muss ihnen dankbar sein.

Für das Festspielhaus heißt das: Das Projekt begeistert - wenn auch nur einen Teil des Bonner Publikums. Das Projekt ist ein Leuchtturm - für Bonn, für Beethoven, für die Anziehungskraft dieser Stadt. Aber auch hier gilt: Es muss entschieden werden. Und zwar nicht mit dem rheinischen Grundgesetz unterm Arm: Et hätt noch immer jot jejange?! Die Zeit des Lavierens und Sich-in-die -Tasche-Lügens muss vorbei sein - übrigens auch im Interesse der Großsponsoren, die sich für das Festspielhaus stark machen. Man kann ihre Geduld auch überstrapazieren...

Dennoch ist unübersehbar: Die Skepsis wächst. Das Land weigert sich mitzumachen, gefährdet damit auch die Bundesmillionen. Die Alternative ist eindeutig: Ohne Betriebskostenzuschuss der Stadt, also rein privat finanziert, wäre das Festspielhaus eine Bereicherung der Stadt über Jahrzehnte - trotz der Zweifel von Beethovenfest-Chefin Nike Wagner und anderen.

Muss die Stadt den Betrieb dagegen erheblich mitfinanzieren, muss sie anderswo schließen. Kulturelle, nicht soziale Einrichtungen. Zugespitzt: Oper oder Festspielhaus. Beides geht nicht. Noch zugespitzter: Leuchtturm ja. Mogelpackung nein