Kommentar: EU-Kommission fordert Frauenquote - Schlecht vorbereitet

Kommentar : EU-Kommission fordert Frauenquote - Schlecht vorbereitet

Aus dem Schlachtruf "Frauen an die Macht" wird wohl nichts. Vermutlich auch deshalb, weil der Streit vor dem Kommissionsvorschlag für eine Quote ergiebiger war als das Papier, das Kommissarin Viviane Reding am Mittwoch endlich vorstellen konnte.

Denn das Dokument strotzt nur so vor Ausnahmen, Einschränkungen und Rückverlagerung der Zuständigkeit in die Mitgliedstaaten. Die rechtliche Basis für den Vorstoß ist fraglich. Und die Frage, wie eine solche Quote eigentlich durchgesetzt werden kann, wenn Aufsichtsräte wie in Deutschland gewählt und nicht berufen werden, bleibt unbeantwortet.

Da braucht es nicht viel Fantasie um vorauszusagen, dass die Mitgliedstaaten den Vorschlag mit deutlicher Mehrheit zurückweisen dürften, bevor er anschließend im Europäischen Parlament vollends unter die Räder kommt. Es steht zu befürchten, dass die Kommission den Frauen keinen Gefallen getan hat, sondern ihre Integration in die Leitungsebenen der Konzerne sogar noch erschwert.

Das ist bedauerlich, weil die zugrundeliegenden Zahlen ja stimmen. 60 Prozent der Universitätsabsolventen sind weiblich, was sich auf den Führungsebenen - übrigens auch den europäischen - nicht widerspiegelt. Da Selbstverpflichtungen bisher nur bescheidene Erfolge gebracht haben, liegt die Einführung einer Quote als letztes Mittel auf der Hand.

Die aber müsste konsequenter und auch plausibler durchgezogen werden. Es macht nämlich keinen Sinn, Aufsichtsräte annähernd paritätisch ausstatten zu wollen, die Vorstände aber nicht anzutasten.

Um aber einen Fortschritt zu erreichen, wäre eine vorherige Abstimmung mit den Mitgliedstaaten besser gewesen, als eine Richtlinie, die am Ende eher symbolischen Charakter haben dürfte. Zumal bereits elf EU-Länder entsprechende Quoten zur Aufwertung weiblicher Führungskräfte eingeführt haben, ohne dass den Begünstigten das Etikett "Quotenfrau" umgehängt wurde.

Wenn Brüssel seinen richtigen Vorstoß also noch retten will, sollte man nachbessern. Dazu müssen Ausnahmen gestrichen (warum soll ein Betrieb, der weniger als zehn Prozent Frauen beschäftigt, keine Quote haben?) und der Geltungsbereich zumindest auf Vorstände und Geschäftsführungen ausgeweitet werden.

Das wäre möglich, ohne in den Verdacht einer Schieflage zu geraten, wenn bei gleicher Qualifikation - wie vorgesehen - das unterrepräsentierte Geschlecht den Vorrang bekommt. Ob solche Reparaturarbeiten im laufenden Verfahren möglich sind, darf allerdings bezweifelt werden.

Nicht nur in Brüssel, sondern auch in den Mitgliedstaaten ist bereits im Vorfeld zu viel Porzellan zerschlagen worden, um eine wirklich ideologiefreie Diskussion um eine bessere Beteiligung von Frauen an Führungspositionen noch sachbezogen führen zu können.

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