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Kommentar zu Donald Trump: Ein gefährlicher Präsident

Kommentar zu Donald Trump : Ein gefährlicher Präsident

Die US-Regierung dreht der Weltgesundheitsorganisation WHO den Geldhahn zu. Es ist nicht nur ein bizarres Kapitel aus dem Lehrbuch wahlkämpfender US-Präsidenten, was Donald Trump mit der WHO anstellt. Es ist auch eine Gefahr für die Weltgesundheit, meint unser Autor.

US-Präsidenten im Wahlkampfmodus stellen seit Langem in den Vordergrund, was ihnen nutzt, auch wenn es ihrer Nation auf Dauer schadet. Da werden Milliarden unters Volk gebracht oder sogar Militärschläge auf die Tagesordnung genommen, um das Image des hilfsbereiten und standhaften Vorkämpfers des Volkes zu pflegen. Für Donald Trump gilt diese Neigung ohnehin. In Wahlkampfzeiten scheint der Egoman in neue Dimensionen aufzubrechen. Bereits auf nationaler Ebene sind seine Entscheidungen bizarr, wenn er eine Verzögerung der Akuthilfe für seine Landsleute riskiert, damit die Notleidenden erstmals in der amerikanischen Geschichte den Namen des Präsidenten auf ihren Schecks finden.

Mit seinem untrüglichen Bauchgefühl hat er nun erkannt, dass sein Umgang mit den Corona-Gefahren am Anfang krachend falsch war. Bis Anfang März fuhr er eine Beschwichtigungskampagne. Nein, dieses „chinesische Virus“ stelle keine Bedrohung dar, die Amerikaner brauchten sich keine Sorgen zu machen. Und ja, er habe alles im Griff, versicherte er noch, als die Kurve der Zahl der Infizierten und Gestorbenen bereits in die Höhe schoss. Wenn er nun denjenigen „zur Rechenschaft ziehen“ will, der in seiner „grundlegenden Pflicht versagt“ und das Ausmaß der Gefahr zu Beginn zu sehr auf China beschränkt sah, dann müsste er zuerst bei sich anfangen.

Stattdessen wird er auf der Suche nach Schuldigen beinahe täglich neu fündig: Mal sind es die Medien mit ihren permanenten „Fake News“, dann die Gouverneure, die aus seiner Sicht alles falsch machten. Nun hat er die WHO, die Weltgesundheitsorganisation, als die eigentlich Schuldige an den Pranger gestellt und die Zahlungen für sie gestoppt. Das Manöver ist so durchsichtig wie hinterhältig und von dem Kalkül geprägt, dass der durchschnittliche Trump-Anhänger durchaus in der Lage ist zu erkennen, dass sein Idol da wohl Mist gebaut hat, um Schaden vom amerikanischen Volk fernzuhalten. Aber wenn er von der WHO halt falsche Informationen bekommen hat, tja...

Im Kern gibt es tatsächlich Kritikwürdiges im Vorgehen der WHO. Sie verzichtete darauf, die Angaben des autoritär gelenkten China zu hinterfragen und lobte unkritisch das Vorgehen Pekings. Und sie hielt noch Ende Februar an der Auffassung fest, dass Einschränkungen des Reiseverkehrs nicht nötig seien. Allerdings hatte WHO-Generalsekretär Tedros Adhanom Ghebreyesus Mitte Februar bei der Münchner Sicherheitskonferenz weltweit vernehmbar die Alarmglocken geläutet und sich darüber beklagt, nicht nur gegen das Virus, sondern auch gegen Falschmeldungen kämpfen zu müssen. Noch drei Wochen später hätte sich Trump davon durchaus angesprochen fühlen dürfen.

Trump ist zugute zu halten, dass er bereits Ende Januar einen Einreisestopp für Reisende aus China verhängte und damit zeitnah Konsequenzen daraus zog, dass die WHO am Vortag eine „gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite“ ausgerufen hatte. Allerdings bedeutet dieser Schritt, dass weltweit die Staaten zur Zusammenarbeit verpflichtet sind. Doch Trump sieht die Verpflichtung darin, genau diese Zusammenarbeit zu gefährden.

Gerade in Zeiten der Corona-Bedrohung der ohnehin unterfinanzierten WHO die Finanzmittel zu kürzen, bedeutet eine Gefahr für die Weltgesundheit. Es ist leicht nachzuvollziehen, dass auch die USA nur so sicher vor permanenten Bedrohungen durch Corona sind, wie die Pandemie weltweit zurückgedrängt werden kann. So lange es anderen Ländern nicht oder kaum gelingt, die Pandemie in den Griff zu bekommen, bleiben auch die USA nachhaltig gefährdet. Nur eine weltweite Zusammenarbeit führt dazu, dass in jedem einzelnen Land das Leben nachhaltig normalisiert werden kann. Trump ist im Begriff, beides zu vereiteln. Der peinliche ist zu einem gefährlichen Präsidenten geworden.