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Kommentar zum Obdachlosen Werner W. : Die Stadt hat verstanden

Kommentar zum Obdachlosen Werner W. : Die Stadt hat verstanden

Der Obdachlose Werner W. war nach einem Einsatz des Ordnungsdienstes vom Platz unter der Südbrücke verschwunden. Bei allem Ärger über die Stadt muss man jedoch auch das Vorgehen im Anschluss anerkennen, kommentiert unser Autor.

Kurz und knapp: Liebe Stadt Bonn, das war Bockmist. Der rüde Umgang mit dem Obdachlosen Werner W. hat alles vermissen lassen, wodurch sich eine Kommune im Umgang mit ihren Mitmenschen auszeichnen könnte: Rücksicht, Verständnis und Fürsorge. Der Mann, der seit fast zehn Jahren auf der Beueler Seite unter der Südbrücke campiert, ist Teil der Stadtgesellschaft – auch dann, wenn er sich für eine andere Lebensform als die der Mehrheit entschieden hat.

Ob Arbeiter oder Professor – viele von uns kennen Werner W., weil er an einem vielfach frequentierten Engpass am Beueler Rheinufer sein Quartier aufgeschlagen hat. Nicht wenige besuchen ihn, bringen ihm Lebensmittel oder im Winter Decken und warme Kleidung. Werner W. ist eigentlich immer freundlich, bettelt nicht, stört niemanden. Das macht ihn sympathisch und beschert ihm diesen Zuspruch. In jüngster Zeit soll er sich verändert haben. Manche Passanten berichten von eigenartigen Rollenspielen bis hin zu verwirrten Auftritten. Mag sein, dass diese Äußerungen zutreffen. Dann wäre es erst recht an der Zeit, sich um ihn noch mehr zu kümmern.

Bei allem Ärger, den man beim unsensiblen Vorgehen der Stadt verspürt, muss man jedoch anerkennen, dass die Stadtverwaltung ihren Fehler sofort eingestanden hat. Keine wabernden Rechtfertigungsversuche, kein Verstecken hinter Verordnungen. Der zuständige Abteilungsleiter hat frank und frei zugegeben, dass der Vorfall unter der Südbrücke keine Glanzleistung der Stadtverwaltung war. Dieses Eingeständnis verdient Respekt und lässt hoffen, dass der städtische Umgang mit Obdachlosen künftig sensibler und der Situation angepasst abläuft.

Werner W. hat sich vermutlich eingeschüchtert zurückgezogen und campiert an anderer Stelle. Die Ankündigung der Stadt, er könne gerne zurück unter die Südbrücke, darf man als ehrliche Handreichung verstehen.