Kommentar zur Digitalisierung: Die schöne neue Welt

Kommentar zur Digitalisierung : Die schöne neue Welt

Die „vierte industrielle Revolution“ ist die größte Transformation der Industriegeschichte und wird an Energie und Geschwindigkeit alles bisher Dagewesene übertreffen. Es gilt aufzupassen, dass der Mensch dabei nicht vergessen wird, kommentiert Victor Francke.

Selbstfahrende Autos, Drohnen, die Waren aus der Luft bis zur Haustür transportieren, Roboter, die Pflegearbeiten übernehmen, im Haushalt putzen und staubsaugen, im Unternehmen einfache oder auch komplizierte Arbeiten verrichten, Lerninhalte, die nur noch digital vermittelt werden, Analyseprogramme, die alle Bereiche des Lebens durchleuchten, Telemedizin, die für hohe Lebenserwartungen sorgt: Die vierte industrielle Revolution ist auf dem Vormarsch. Und dies in einem Tempo, das rasanter ist als für viele vorstellbar.

Dabei leben wir bereits mitten drin in dieser, die Welt so dramatisch verändernden Zeit. Denn längst ist das Wissen um die Möglichkeiten, die sich mit dem Einsatz von künstlicher Intelligenz verbinden, bekannt. Der Mut, das Wissen auch umzusetzen und Einzug in unser tägliches Leben halten zu lassen, fehlt jedoch. Oder er wird von der Politik ausgebremst.

Noch steht die Ausschöpfung der Potenziale, die Google, Facebook, Amazon & Co. bislang bieten, an einem zaghaften Anfang. Noch beschränkt sich bei vielen die Digitalisierung auf die bloße Vorstellung, zu Hause ein „schnelles Internet“ zu haben. Wie aber wird das in zehn Jahren aussehen, wenn Wohlstandsbildung auf dem Einsatz von künstlicher Intelligenz basiert, wenn immer mehr Technik soziale Kontakte verdrängt, wenn Beruf, Studium, Schule oder Freizeit auf Displays in erster Linie in einer virtuellen Welt er- und gelebt werden?

Die „vierte industrielle Revolution“ ist die größte Transformation der Industriegeschichte und wird an Energie und Geschwindigkeit alles bisher Dagewesene übertreffen.

Die schöne neue Welt aus Bits und Bytes, aus Ratio-basierter Technik wird allerdings Folgen für das Sozialverhalten haben, auf Werte, auf Gefühle, auf das Miteinander. Es gilt aufzupassen, dass der Mensch nicht unter die Räder kommt.