Kommentar: Der Westen, Russland und die Ukraine - Moskau vor der Tür

Kommentar : Der Westen, Russland und die Ukraine - Moskau vor der Tür

Bei einem seiner letzten Gipfeltreffen mit der EU-Führung zauberte Russlands Präsident Wladimir Putin einen fulminanten Plan aus der Tasche: Parallel zum damals bereits geplanten europäisch-amerikanischen Freihandelsabkommen schlug er eine gemeinsame Wirtschaftszone von der Atlantikküste bis an die russisch-chinesische Grenze vor.

Um die Dimension des politischen Fehlers, den Putin mit der Krim gemacht hat, ermessen zu können, muss man sich klarmachen, was Moskau damals hätte erreichen können und nun verloren hat: Europa wird mehr oder minder zügig den Freihandel mit Washington vereinbaren und dadurch auch noch in den Genuss von Gaslieferungen kommen.

Während Russland einmal mehr vor der Tür des ohnehin schon größten Verbrauchermarktes der Welt steht. Nicht Brüssel hat Moskau die Tür zugeschlagen, sondern der russische Präsident selbst. Der Rauswurf aus der Reihe der großen Industrienationen steht dafür als Symbol.

So haben die Vereinigten Staaten leichtes Spiel, nicht nur die Europäer um sich zu scharen und mit ihnen eine neue, nicht-militärische Allianz zu schmieden. Die große Wirtschaftspolitik der G7 ist darauf ausgerichtet, miteinander möglichst ohne weitere Schranken und Hindernisse Geschäfte machen zu können.

Die weltweiten Kapital- und Warenströme werden einen großen Bogen um Russland machen. Das ist so folgenschwer für Moskau, dass es eigentlich keiner weiteren Sanktionen bedarf, die das Land beschädigen.

Putin hat sich, das zeigten die Gespräche am gestrigen Abend in Den Haag, verkalkuliert.

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