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Corona-Krise und Folgen für Wirtschaft

Kommentar zur Wirtschaftsentwicklung : Hinter den Zahlen

Die Botschaft ist unmissverständlich: Corona wird schwere wirtschaftliche Folgen haben. Doch die Wirtschaftsweisen springen wie meistens zu kurz, kommentiert GA-Chefredakteur Helge Matthiesen.

Der Analyse ist kaum zu widersprechen, denn sie lässt eigentlich alles offen. Ein Botschaft ist indes klar:  Corona wird schwere wirtschaftliche Folgen haben. Doch die Wirtschaftsweisen springen wie meistens zu kurz, denn in ihren volkswirtschaftlichen Analysen kommen  Menschen bestenfalls als Rechengröße vor. Die aber haben derzeit ganz andere Fragen als die vage Aussicht auf Besserung irgendwann im Herbst und womöglich dann auch im kommenden Jahr. Das kann sich beinahe jeder auch ohne weisen Rat an ein paar Fingern abzählen.

Konkret geht es vielen gerade um die Frage, wie sie die kommenden Wochen überstehen. Mancher ist mit dem Zusammenbruch seines Unternehmens konfrontiert. Andere haben von jetzt auf gleich gar kein Einkommen mehr. Das Gutachten ist da nur ein schwacher Trost, denn wer wie den beispiellosen und plötzlichen Niedergang des Wirtschaftslebens überstehen wird, ist offen.

Eine Antwort zu finden, ist jedoch von allergrößter politischer Bedeutung, denn von ihr hängt es ab, wie unsere Gesellschaft, wie unser Staat wieder aus der Krise herauskommt. Bleiben ein paar Millionen Opfer zurück, dann ist es ein schwacher Trost, wenn die Stützung einiger großer Player in Industrie und Dienstleistung zum Erfolg führt.

Eine Krise von der Dimension wie dieser bedeutet immer eine gigantische Umverteilung von Geld. Der Staat bemüht sich mit hohem Aufwand, das Schlimmste für die meisten zu verhindern. Welchen Erfolg er damit haben wird, ist unklar. Je länger die Krise dauert, desto höher wird die Zahl der Opfer steigen. Das ist kein Argument gegen die Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie. Aber es mag die Dimension der kommenden Probleme unterstreichen.

Der Staat wird Gerechtigkeit herstellen müssen. Das ist die eigentliche politische Herausforderung. Die Krise wird ihre Profiteure haben, nicht nur bei gewissenlosen Händlern, die Mundschutz überteuert in den Handel bringen. Ein paar Menschen werden in jedem Fall sehr gut verdienen.

Noch wird diese Frage nicht allzu laut gestellt. Aber sie wird kommen. Die erste große politische Aufgabe ist daher, die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen und gleich anschließend gilt es, einen Ausgleich zu finden, der die Lasten gerecht verteilt. Das ist für das politische Überleben der Krisenmanager wie Scholz, Laschet, Spahn oder Söder so entscheidend wie entschlossenes Handeln heute.