Kommentar zum Glücksspielstaatsvertrag: Chance ergreifen

Kommentar zum Glücksspielstaatsvertrag : Chance ergreifen

Überall im Netz stößt man auf Glücksspielangebote, die wie harmloses Lotto aussehen. Sie sind aber illegal und halten selten, was sie versprechen. Jetzt gibt es zum ersten Mal eine realistische Möglichkeit, den grauen Markt im Internet zu kontrollieren, kommentiert Martin Kessler.

Zu allen Zeiten haben die Menschen das Glück im Spiel gesucht. Auf einen Schlag reich zu werden, den Kitzel im Casino zu erleben oder um hohe Einsätze zu pokern – für manche gehört das dazu wie die Luft zum Atmen. Genauso wahr ist es aber, dass die Spielsucht viele Menschen in den Abgrund gerissen hat. Und zwielichtige Geldmacher, meist organisiert in internationalen Banden, zieht das Glücksspiel geradezu magisch an.

Eine neue Dimension hat das Internet eröffnet. Überall im Netz stößt der Nutzer auf Glücksspielangebote, die wie harmloses Lotto aussehen – nur dass sie illegal sind und selten halten, was sie versprechen. Die Politik hat das seit Langem erkannt, aber sich nie zu einer realistischen Lösung entschlossen. Alle Seiten verharrten in ihren Positionen, wollten entweder alles verbieten oder alles dem angeblich mündigen Spiel er überlassen.

Jetzt gibt es zum ersten Mal eine realistische Möglichkeit, den grauen Markt im Internet zu kontrollieren. Und das ist auch dringend nötig, denn es geht um einen Milliardenmarkt. Eine öffentlich-rechtliche Anstalt soll nun dafür sorgen, dass Manipulationen unterbleiben und Anfällige für Spielsucht vor sich selbst geschützt werden. Die Arbeiten für einen neuen Staatsvertrag sind weit fortgeschritten, eine Lösung steht unmittelbar bevor.

Die kann aber nur mit klaren, für alle verbindlichen Regeln gelingen. Nicht alles, was möglich ist, sollte auch erlaubt werden. Andererseits muss der Staat all die scharf bestrafen, die mit krimineller Energie Menschen abzocken und finanziell ins Unglück stürzen. Beides ist bislang unterblieben. Der neue Staatsvertrag über das Glücksspiel könnte das ändern, wenn der große Wurf gelingt. Die Ministerpräsidenten sollten die Chance jetzt endlich ergreifen.

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