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Kommentar zur Kirschblüte: Aufs Nötigste beschränken

Kommentar zur Kirschblüte : Aufs Nötigste beschränken

Viele Anwohner werden jetzt erstmals erfahren, dass die Kirschblüte auch geräuschlos und ohne Schaulustige ins Land geht. Allerdings birgt diese Ruhe auch eine Gefahr für die vielen kleinen Geschäfte der Altstadt, findet GA-Redakteur Rüdiger Franz.

Solche Szenen hat man zuletzt in den Altstädten von Prizren, Kundus oder Belfast erleben können: Checkpoints, an denen Uniformierte nach Ausweisen fragen und nur jenen passieren lassen, der ein berechtigtes Anliegen hat. Praktisch über Nacht gibt es das auch in der Bonner Nordstadt, auch wenn hier glücklicherweise kein Bürgerkrieg, sondern „nur“ ein grassierendes Virus und ein populäres Naturschauspiel die Anlässe zu der drastischen Maßnahme bieten.

Viele Anwohner werden jetzt erstmals erfahren, dass die Kirschblüte auch geräuschlos und ohne Schaulustige ins Land geht – und was es mit der buchstäblichen Osterruhe auf sich hat. Und mancher wird es genießen und davon noch seinen Enkelkindern erzählen.

Denn nun kehrt gespenstische Stille ein, wo zu dieser Jahreszeit normalerweise ein Massenauflauf herrscht, der es mit Volksfesten locker aufnehmen kann. Die Anwohner reagieren bislang weitgehend verständnisvoll, zumal ihre Bewegungsfreiheit und Versorgung garantiert bleiben und es gegen Tatkraft zur Eindämmung des Virus zunächst einmal auch keine plausiblen Argumente gibt.

Nicht vergessen sollte man gerade mit Blick auf die Nordstadt aber, was weit über die Grenzen des Viertels dessen Beliebtheit ausmacht: Es sind die kleinen Läden und die vielen Kneipen, unter deren Inhabern nun mit jedem Tag der Corona-Maßnahmen die Existenznot wächst. Für sie, ihr Publikum und den Mittelstand in dieser Stadt bleibt zu hoffen, dass die Zwangspause keinen Tag länger dauert als das vertretbar erscheint – und wir hier keine Schließungen für immer erleben.