Ärger zwischen Berlin und Moskau nach Mord in Berlin

Kommentar zu Berlin und Moskau : Vertrauensfragen

Russland betreibt ganz offenkundig ungeniert eine Politik, wie in den finsteren Tagen des Kalten Krieges. Kein Land der Erde kann es dulden, wenn solche Verbrechen auf dem eigenen Territorium stattfinden.

Ein Mord wie im Kalten Krieg: Es gibt offenbar mehr als ein Indiz, das auf Verbindungen hinweist zwischen russischen Regierungsstellen und dem Auftragsmord an einem Georgier in Berlin. Wenige Monate nach dem Fall Skripal in Großbritannien wird damit deutlich, wie wenig sich die russische Seite für die Konsequenzen der gescheiterten Mordattacke in Salisbury interessiert. Im Gegenteil, sie betreibt ganz offenkundig ungeniert eine Politik, wie in den finsteren Tagen des Kalten Krieges. Kein Land der Erde kann es dulden, wenn solche Verbrechen auf dem eigenen Territorium stattfinden.

Aber was will die Bundesregierung tun? Mehr als diplomatischen Protest wird es kaum geben. Das Muster dabei ist immer gleich. Die Ausweisung setzt eine maßvolle Eskalationsspirale in Gang. Die andere Seite wird jetzt ihrerseits Diplomaten ausweisen. Irgendwann verschwindet die Sache aus den Schlagzeilen.

Aber es gibt einen signifikanten Unterschied zum Kalten Krieg. Einige Studien behaupten, Wladimir Putin genieße unter den Deutschen größeres Vertrauen als Donald Trump. Worauf sich diese Haltung stützt, bleibt schleierhaft. Studien in der vergangenen Woche weisen auf die Zerrüttung des Deutsch-amerikanischen Verhältnisses hin. Donald Trump sei Dank.

Der Kalte Krieg war für Deutschland beinahe bequem. Es war immer klar, wer als Freund und wer als Feind zu gelten hatte. Diese Gewissheit ist der Gegenwart abhanden gekommen. Mag sein, dass man sich mit den Amerikanern einig ist. Aber die Bundesregierung wird eine eigene Haltung entwickeln müssen. Ihre Verbündeten sind die Europäer, die wie schon die Briten mit dem gleichen Problem zu kämpfen hatten. Dass sich in Russland irgendetwas ändert, ist kaum zu erwarten.