Kommentar zur Beethovenhalle: Absage wirft Fragen auf

Kommentar zur Beethovenhalle : Absage wirft Fragen auf

Die Stadtverwaltung hat die Beiratssitzung zur Beethovenhalle kurzfristig abgesagt. Die Absage hat eine besondere Qualität, die offizielle Begründung klingt nicht überzeugend, kommentiert Andreas Baumann.

Auf den ersten Blick wirkt die Aufregung in den Ratsfraktionen wie ein Sturm im Wasserglas. Wenn eine Gremiensitzung verschoben wird – was macht das schon? Doch die urplötzliche Absage des Projektbeirats Beethovenhalle durch Oberbürgermeister Ashok Sridharan und Stadtdirektor Wolfgang Fuchs hat eine besondere Qualität. Dieser Beirat ist die wichtigste politische Kontrollinstanz für die krisenhafte Sanierung des Baudenkmals. Zwar berichtet die Stadtverwaltung auch in den Ratssitzungen kurz und mündlich aus der Beethovenhalle. Ausführliche schriftliche Berichte – unabdingbar bei dem komplexen Thema – liefert sie jedoch dem Beirat, und dort wird auch intensiv inhaltlich diskutiert.

Allerdings ziemlich selten. In diesem Jahr hat die Stadtspitze ganze drei Beiratssitzungen anberaumt; die letzte im Juli. Um so erstaunlicher, dass Sridharan und Fuchs die Sitzung am Dienstag so kurzfristig gestoppt haben. Ihre offizielle Begründung, der überarbeitete Terminplan für die Sanierung sei noch nicht geprüft, klingt nicht überzeugend. Denn: Dass der „finale Stand“ bis „Ende November“ erwartet werde, kommt keineswegs überraschend, sondern steht schon in einer Mitteilungsvorlage, die spätestens seit Montag auf der Internetseite der Stadt zu finden war. Man fragt sich also: Was steckt wirklich hinter der ungewöhnlich kurzatmigen Absage?

Vielleicht ja gar nichts weiter. Oberbürgermeister und Stadtdirektor nähren mit ihrem Schachzug allerdings nach all den Katastrophenmeldungen aus der Beethovenhalle völlig ohne Not die Spekulationen – und stoßen auch noch die Ratspolitiker vor den Kopf. Natürlich braucht niemand eine weitere Terminansage zur Fertigstellung der Halle, wenn der Zeitplan der Architekten wieder unzuverlässig sein sollte.

Es ist richtig, vor einer Veröffentlichung mit den beteiligten Firmen zu klären, ob der Terminplan jetzt endlich belastbar ist. Ein Grund, den Projektbeirat abzusagen, ist das aber nicht. Es gibt noch genug andere Fragen rund um die Beethovenhalle zu klären.