Kommentar zum “Militär-Gruß“ im Fußball: Grenzen überwinden

Kommentar zum “Militär-Gruß“ im Fußball : Grenzen überwinden

Die Uefa ermittelt gegen die türkische Nationalmannschaft, weil die - so wirkt es für Außenstehende - die türkischen Soldaten für die Großoffensive in Syrien feiern. Unser Autor meint: Dass nun auch Amateure bis in die untersten Kreisligen den Fußball als Plattform für ihre politischen Parolen nutzen, ist höchst bedenklich.

Jubelnd dreht der Stürmer ab, rennt zur Ehrentribüne, baut sich dort auf und grüßt in die Kamera – die rechte Hand zum Salut an der rechten Schläfe. Eine eher juvenil erscheinende Geste, die der französische Fußball-Weltmeister Antoine Griezmann wohl ohne Hintergedanken nutzt, um seine Tore zu feiern. Wenn sich aber eine komplette Nationalmannschaft militaristisch inszeniert, deren Armee gerade beim Nachbarn einmarschiert ist, verliert die Geste eindeutig ihre Unschuld. Die Solidaritätsbekundungen der türkischen Nationalspieler für die Soldaten ihres Landes mögen vielleicht nicht als Unterstützung der türkischen Großoffensive in Syrien gedacht gewesen sein. Doch für jeden Außenstehenden drücken sie doch klar die vermeintliche Haltung der Spieler aus: pro Krieg.

Dass nun auch Amateure bis in die untersten Kreisligen den Fußball als Plattform für ihre politischen Parolen nutzen, ist höchst bedenklich. Egal, aus welcher Richtung und von wem diese Parolen kommen. Der Sport soll eigentlich Grenzen überwinden, nicht aufbauen. Er soll Menschen zusammenbringen, nicht gegeneinander aufwiegeln. Doch genau das wird durch diese wenig durchdachte Aktion erreicht. Die Trainer und Vereinsverantwortlichen sind nun allesamt angewiesen, auf ihre Spieler mit türkischen, aber auch kurdischen oder syrischen Wurzeln einzuwirken, ähnliche Gesten und Provokationen künftig zu unterlassen. Genauso wie sich grundsätzlich jeder immer gegen Rassismus stellen sollte.

Dass die Uefa gegen die türkische Nationalmannschaft ermittelt und sich auch die deutschen Sportgerichte mit den niederklassigen Nachahmern beschäftigen, ist richtig. Denn der Sport sollte verhindern, dass er für politische Ziele missbraucht wird.