Kommentar zur Türkei in Syrien: Folgen für Europa

Kommentar zur Türkei in Syrien : Folgen für Europa

Die bevorstehende türkische Militärintervention in Syrien wird Folgen für Europa haben, schwierige Fragen kommen auf die Staaten zu. Das meint GA-Autor Thomas Seibert.

Die bevorstehende türkische Militärintervention in Syrien wird Folgen für Europa haben. Der angekündigte Rückzug der US-Truppen aus dem kurdisch beherrschten Gebiet entlang der türkischen Grenze wird neue Spannungen schaffen, die in Deutschland und anderen EU-Ländern auf mehreren Ebenen zu spüren sein werden. Zunächst dürfte eine türkische Intervention im kurdisch beherrschten Gebiet Syriens neue Protestaktionen der kurdischen Diaspora in Deutschland und anderen europäischen Ländern auslösen. Die Terrorgruppe PKK wird versuchen, ihre Anhänger zu mobilisieren und Druck auf die europäische Politik zu entwickeln, um ihre Tochterorganisation YPG in Nord-Syrien vor türkischen Truppen zu schützen.

Mit der Erlaubnis für den Einmarsch haben die USA der Türkei auch die Verantwortung für Zehntausende Gefangene aus den Reihen des Islamischen Staates im Nordosten Syriens zugeschoben. Unter den IS-Kämpfern und ihren Angehörigen, die bisher von den Kurden bewacht werden, sind etliche Europäer, davon knapp 200 Deutsche. Die Türkei wird diese ausländischen Gefangenen rasch an ihre Heimatländer durchreichen wollen. Die türkische Intervention könnte zudem zu einer neuen Stärkung des IS beitragen.

Zudem wird die Türkei ihre Forderung an Europa verstärken, die Bildung der geplanten "Sicherheitszone" im Norden Syriens zu unterstützen. Ankara will in der Zone mehrere Millionen syrische Flüchtlinge aus der Türkei ansiedeln und 140 neue Dörfer für die Rückkehrer bauen. An den Kosten von mehr als 20 Milliarden Euro soll sich Europa beteiligen. Bisher lehnen die Europäer das türkische Projekt ab. Doch weil die EU in der Flüchtlingsfrage stark von der Mitarbeit der Türkei abhängt, kommen schwierige Fragen auf die europäischen Staaten zu.

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