Kommentar zur CDU: Alles oder nichts

Kommentar zur CDU : Alles oder nichts

Das Personalkarussell der CDU dreht sich weiter: Friedrich Merz ist in die Offensive gegangen. Er ist bereit zur Kampfkandidatur, kommentiert unser Autor.

Friedrich Merz will es wissen. Er ist bereit zur Kampfkandidatur. Alles oder nichts. Jetzt steht der CDU ein nächster Machtkampf ins Haus. Merz greift zum zweiten Mal binnen 14 Monaten nach dem höchsten Parteiamt und damit verbunden vermutlich nach noch mehr – nach der Kanzlerkandidatur. Dafür stellt er seine Partei, die durch das Thüringen-Desaster ausreichend erschüttert ist, vor eine nächste heftige Bewährungsprobe, ja, vor eine Zerreißprobe. Vorteil Merz: Er hat kein politisches Amt mehr, er kann folglich auch keines verlieren. Allerdings riskiert er selbst in der CDU seinen Ruf, wenn seiner Bereitschaft zu einer erneuten Kandidatur eine Auseinandersetzung mit noch nicht absehbaren Folgen für die Partei folgt. Er stellt den Frieden in der Partei auf eine nächste harte Probe.

Denn bei der Frage, wer künftig an der Spitze der CDU steht und wer für die Unionsparteien als Kanzlerkandidat in den nächsten Bundestagswahlkampf ziehen wird, führt am größten CDU-Landesverband Nordrhein-Westfalen kein Weg vorbei. CDU-Landeschef Armin Laschet kommt dabei als CDU-Vize im Bund und NRW-Ministerpräsident eine Schlüsselrolle zu. Laschet ist mindestens in der Rolle des Königsmachers, wenn er sich nicht selbst für eine Kandidatur entscheidet. Laschet kann den Anspruch von Merz auf das höchste Parteiamt nicht unbeantwortet lassen. Merz ist aus der Deckung, Laschet muss sich nun auch erklären.

Merz spielt voll auf eigene Rechnung. Doch Laschet hat starke Truppen hinter sich. Eine offene Feldschlacht kann die CDU eigentlich nicht brauchen. Doch sie steht vor einer fälligen Richtungsentscheidung, ob der liberale Kurs der Langzeit-Vorsitzenden Angela Merkel noch eine Zukunft haben soll – oder ob sie wieder konservativer werden will.