Himmel und Erde: Zwischen Kraut und Rüben

Himmel und Erde : Zwischen Kraut und Rüben

Selbermachen statt kaufen – weil es besser schmeckt und gesünder ist. Immer mehr Städter mieten sich ein Stückchen Feld und werden zu Hobbylandwirten.

Zucchini stehen heute Abend auf dem Tisch – so wie gestern und vorgestern und wahrscheinlich auch morgen und übermorgen. „Gebraten, gebacken, als Puffer oder Spaghetti, im Auflauf oder als Salat. Langsam gehen mir die Rezepte aus“, sagt Diethelm Schneider, lacht und legt wieder ein ganz besonders großes Exemplar des grünen Kürbisgewächses in seinen Korb. Mit so viel Gärtnerglück hatte er nicht gerechnet, er ist mächtig stolz, wenn er seinen Acker betrachtet.

Im April 2017 pachtete er eine kleine Parzelle in Buschdorf und pflanzte darauf einen ganzen Sommer lang alles an, worauf er Appetit hatte. Bis in den Herbst hinein beackerte er sein 45 Qua-dratmeter großes Feld, setzte, säte, pflegte und erntete alles in bester Bioqualität. Denn Schneider gehört zu den Hobbylandwirten, die ein Stück Feld vom Startup-Unternehmen „Meine Ernte“ für eine Saison übernommen haben.

Tipps aus dem Newsletter

Seit 2010 und inzwischen an 24 Standorten in ganz Deutschland bietet „Meine Ernte“ fertig bepflanzte Gemüsegärten zur Miete an – für Städter und Naturbegeisterte, Familien, Singles oder Senioren. „Auch diejenigen, die ihr Obst und Gemüse bisher im Supermarkt gekauft haben, werden volle Erntekörbe nach Hause tragen“, verspricht Natalie Kirchbaumer, die Bonner Sprecherin von „Meine Ernte“.

„Wir sind nicht nur ein Unternehmen, sondern wir sind Teil einer großartigen Bewegung, die zu einer gesünderen Ernährung und zu einem nachhaltigeren Lebensstil führt“, ergänzt Kirchbaumer. Jeder, der eine der 160 Parzellen in Bonn sowie in Bornheim mietet, bekommt regelmäßig einen Newsletter mit den wichtigsten Hinweisen, welche Arbeiten aktuell zwischen Kraut Rüben erledigt werden müssen.

Bevor das neue Gartenjahr beginnt, wird das Feld von professioneller Hand vorbereitet. Dafür spannt der Bornheimer Biobauer Leonhard Palm zwar nicht die Rösslein ein, dafür bereitet er aber mit seinem Traktor professionell den Boden vor und pflanzt bereits verschiedene Gemüsesorten für den Erstanbau. „Bei mir waren es Buschbohnen, Brokkoli, Rotkohl, dicke Bohnen, Grünkohl, Kartoffeln, Kohlrabi, Zucchini, Möhren, Pastinaken und Porree“, erinnert sich Diethelm Schneider.

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Sobald die erste Ernte eingefahren war, hat er auf der freien Fläche nach seinen eigenen Vorstellungen gesät und gesetzt. „Fenchel, Rauke, Spinat, Salat und zwei Sonnenblumen. Die gehören für mich zu einem naturnahen Garten einfach dazu“, ergänzt er. Allerdings lief nicht alles nach Plan. So hatte sich eine Horde Kartoffelkäfer auf seiner Parzelle niedergelassen, die alle per Hand eingesammelt werden mussten. Der Rotkohl sah nach einem Hagelschlag im Frühjahr auch nicht mehr so gut aus. „Aber geschmeckt hat er immer noch“, sagt der Freizeit-Landwirt.

Nicht nur die Freude am eigenen Anbau vereint mittlerweile die eingeschworene Gemeinschaft in den Mietgärten. „Nein“, sagt Schneider, „schnell ist daraus eine nette Truppe geworden. Man kennt sich, hilft sich gegenseitig und springt auch schon mal ein, wenn der Nachbar im Urlaub ist.“ Die Felder in seiner Nachbarschaft tragen sogar eigene Namen. So gibt es die „Oase Mümmel“, „Schmägkle“, „Vitaminhausen“ und „Kamikazegärtner“ inmitten des Naherholungsgebietes „Grünes C“ in Buschdorf.

Bis in den November hinein kann sich Schneider von seinem eigenen Gemüse ernähren. Aber eigentlich wächst für seinen Ein-Personen-Haushalt viel zu viel auf den 45 Quadratmetern. „Wie gut, dass ich einen großen Freundeskreis habe“, schmunzelt er. „Meine Bekannten sind immer froh, wenn ich ihnen etwas von meinem Feld bringe. Und ich bin dankbar, wenn ich Mitesser habe. Gerade bei dieser außergewöhnlich guten Zucchini-Ernte“, sagt er.

Zucchini oder Rote Bete

Das Prachtexemplar, das er gerade abgeschnitten hat, wird er wohl süßsauer einlegen – es sei denn, Besuch klingelt heute Abend unerwartet an seiner Tür. Ansonsten wird er sich die dicke Rote Bete schmecken lassen. „Kein Vergleich zu dem, was man sonst kauft“, erklärt er und macht sich mit seinem Fahrrad auf den Weg nach Hause. „Ich bin auf jeden Fall im nächsten Jahr wieder dabei“, ruft er noch. Na dann: In die Gummistiefel, fertig, los!

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