Verkehr: Wenig Hoffnung für Untertunnelung in Bad Breisig

Verkehr : Wenig Hoffnung für Untertunnelung in Bad Breisig

Staatssekretär Andy Becht macht den Bad Breisigern wenig Hoffnung auf eine Untertunnelung der Bundesstraße 9. Er war nach Bad Breisig gekommen, um die Verkehrsprobleme mit Parteifreunden zu erörtern.

Viel Hoffnung machen konnte Andy Becht nicht. Der Staatssekretär aus dem Mainzer Wirtschafts- und Verkehrsministerium war auf Einladung der FDP nach Bad Breisig gekommen, um die dort vorhandenen Verkehrsprobleme mit Parteifreunden zu erörtern. Wirklich gute Nachrichten hatte der liberale Minister-Vertreter nicht im Gepäck. Allerdings auch keine schlechten.

Natürlich ist es in erster Linie die stark befahrene Bundesstraße 9, die den Bad Breisigern auf den Nägeln brennt. Mehr als 21.000 Fahrzeuge schlängeln sich täglich durch die Innenstadt, durch die sich die Bonn-Koblenzer Verbindungsachse wie eine den Stadtkern zerteilende Schneise zieht. Zu viele Autos, zu viele Lastwagen, zu viel Lärm, zu viel Abgase, so der Klage-Tenor.

Nicht im Verkehrswegeplan des Bundes aufgeführt

Das wird sich wohl auch nicht ändern lassen. Aufgrund der vorhandenen geografischen und topografischen Lage gibt es keinen Raum für eine Umgehungsstraße. Und die in den vergangenen Monaten von besonderen Optimisten in die Diskussion geworfene Untertunnelung vom Stadteingang bis zum Stadtende würde nicht darstellbare Unsummen verschlingen. Staatssekretär Becht sprach beim Tunnel daher auch süffisant von „einem unterirdischen Kosten-Nutzen-Verhältnis“.

Ohnehin ist zunächst der Bund als Eigentümer der Straße gefragt. Im für den Bundesstraßenbau ausschlaggebenden Bundesverkehrswegeplan ist eine solche Baumaßnahme bislang nicht aufgeführt. Ob sie es jemals wird, steht in den Sternen. Er selbst, so Becht, wolle eine solche Maßnahme nicht bewerten. Möglicherweise könne eine Machbarkeitsstudie weiterhelfen.

Seit 2016 wird das Verkehrs- und Wirtschaftsministerium von der FDP geführt. Volker Wissing, auch Landeschef der Liberalen, ist der Minister, Andy Becht ist einer von zwei Staatssekretären, beide gehören ebenfalls der FDP an. Das Ministerium verwaltet ein Straßennetz, das sich über rund 18 000 Kilometer erstreckt. „Das Menetekel, Straßenbau sei ein Werk des Teufels, haben wir in der Koalition überwunden“, freute sich Becht.

Soll heißen: Die FDP habe sich bei den Mit-Koalitionären, also SPD und Grünen, bestens durchgesetzt. 400 Straßenbauprojekte, berichtete der Staatssekretär, sollen in Rheinland-Pfalz zeitnah angegangen werden. Fast eine halbe Milliarde Euro werde für den Bau vernünftiger Straßen ausgegeben: „So viel wie noch nie.“ In Bad Breisig vernahm man es mit Wohlwollen, schließlich waren nur Parteifreunde da.

Angesprochen wurde auch die Situation am Bahnhof. Bekanntlich muss der dortige Bahnsteig höher gelegt werden, damit ab Sommer der Rhein-Ruhr-Express dort halten kann und barrierefrei zugänglich ist. Nach langem Hin und Her und zahlreichen Irritationen hinsichtlich der künftigen Länge der Bahnsteige, stellte sich im vergangenen Jahr schließlich heraus, dass die Bahn sich nicht in der Lage sah, die Baumaßnahme pünktlich zu beginnen, geschweige denn – wie verabredet – zu beenden. In Bad Breisig erreichte die Stimmung einen Tiefpunkt.

An den Bahnhöfen gibt es vier verschiedene Bahnsteighöhen

Eine provisorische Lösung soll es nun richten. Staatssekretär Becht warb derweil um Verständnis für den Bahnkonzern: „Hier handelt es sich um eine hochüberlastete Strecke. Da kann eine Planung auch mal etwas länger dauern.“ Zumal die beauftragten Baufirmen an allen Ecken und Enden im Einsatz seien, um das Bahnnetz in Betrieb zu halten. In Deutschlands Bahnhöfen gibt es übrigens vier unterschiedliche Bahnsteighöhen. Ein Nachbesserungsbedarf ist an zahllosen Haltepunkten gegeben. Im Mainzer Verkehrsministerium gehe man indes fest davon aus, dass das angekündigte Provisorium „verbindlich im Sommer da sein wird“.

Licht im verkehrspolitischen Tunnel gibt es indes bei einem weiteren FDP-Anliegen, nämlich der Sanierung des Radweges am Rhein. Seit Jahren, so rief Kreisvorsitzender Ulrich van Bebber in Erinnerung, kämpften die Liberalen für eine Verbesserung des stark sanierungsbedürftigen Radfernweges, über den Touristen von Koblenz und Köln in Richtung Bad Breisig und Remagen rollen. „Der Bedarf ist anerkannt“, bestätigte Andy Becht.

Schlussendlich trug der stellvertretende Bad Neuenahrer FDP-Vorsitzende Rolf Deißler als weiteres besonderes Anliegen eine zügige Elektrifizierung der Ahrtalbahn vor. Die Strecke zwischen Remagen und Ahrbrück dürfe keineswegs bei anstehenden Planungen vergessen werden. Becht sagte zu, sich hierfür einzusetzen.

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