Zwischen Bonn und Koblenz: Verkehr auf der B9 in Bad Breisig nervt die Anwohner

Zwischen Bonn und Koblenz : Verkehr auf der B9 in Bad Breisig nervt die Anwohner

Die Bundesstraße 9 verbindet die Oberzentren Bonn und Koblenz. Täglich wird die Hauptverkehrsader von mehr als 20.000 Fahrzeugen befahren. Ruhe ist nicht in Sicht.

Täglich sind es mehr als 20 000 Fahrzeuge, die durch Bad Breisig rauschen. Bei rund sieben Prozent von ihnen handelt es sich um Schwerlastverkehr, der eigentlich gar nicht die Ortsdurchfahrt der Badestadt nutzen darf. Seit Jahren sind die Bad Breisiger genervt von Verkehr, Lärm, Schmutz und durch die Luft wabernden Schadstoffen. Ein von Verbandsgemeinde und Stadt über den Landesbetrieb Mobilität (LBM) in Auftrag gegebenes Gutachten sollte nun aufzeigen, wie Ruhe in die Stadt gebracht werden kann. Das unangenehme Ergebnis: Es gibt so gut wie keine Möglichkeit, die Fahrzeugzahlen zu vermindern. Vielmehr wird es in zehn Jahren vermutlich sogar noch 1500 Fahrzeuge mehr auf dem Teilabschnitt der Bundesstraße geben.

Die Stühle im Kulturbahnhof reichten bei Weitem nicht aus, um dem Bürgerandrang Rechnung zu tragen. Ein Beleg, wie sehr den Bad Breisigern das Verkehrsproblem auf der den Ort durchquerenden Bundesstraße 9 auf den Nägeln brennt. „Der Verkehr wird zu allen Tages- und Nachtzeiten immer heftiger und rücksichtsloser. Es gibt massive Beeinträchtigungen“, sagte Verbandsbürgermeister Bernd Weidenbach. Es sei bekannt, dass zahlreiche Lastwagen die Strecke nutzten, obwohl lediglich ein reiner Lkw-Anliegerverkehr gestattet ist. Problem: Die Polizei ist personell nicht in der Lage, die notwendigen, abschreckenden Kontrollen durchzuführen.

Stadtbürgermeisterin Gabriele Hermann-Lersch stellte klar: „Wir werden den Verkehr nicht von der B 9 wegbekommen, wir können uns höchstens bemühen, ihn erträglicher zu gestalten.“ Das sah auch der für Verkehrs- und Bedarfsplanung beim Landesbetrieb Mobilität tätige Experte Heiko Finger so. Er wies auf die überregionale Bedeutung der Bundesstraße als Verbindungsachse zwischen den Oberzentren Bonn und Koblenz und den Mittelzentren Andernach und Remagen hin.

„Wir haben durchgängig hohe Belastungen“, zitierte Finger das Ergebnis der Verkehrsuntersuchung. Eine Umgehungsstraße sei nicht zuletzt wegen der topografischen und geografischen Lage der Stadt seit 2004 zu den Akten gelegt und eine von der CDU angedachte Untertunnelung gehöre ins Reich der Utopie. Die Aufnahme eines solchen Vorhabens in den Bundesverkehrswegeplan bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag sei aussichtslos und die Zahl der Fahrzeuge nehme zudem eher zu denn ab. Daher gelte es, Lösungen zu finden, wie die Ortsdurchfahrt trotz der hohen Fahrzeugzahlen für Anlieger erträglicher gestaltet werden könne. Und dies zeitnah.

Das Ziel sei eine „Verflüssigung“ des Verkehrs

Der aus den Seitenstraßen auf die Bundesstraße drängende Querverkehr mit den vorhandenen Ampelschaltungen, zahlreiche Fußgängerquerungen und parkende Fahrzeuge rechts und links der Bundesstraße sorgten dafür, dass der Verkehrsfluss auf der Hauptschlagader der Stadt ständigen Störungen ausgesetzt sei, erklärte Stadt- und Verkehrsplaner Frank Gericke vom Fachbüro Modus Consult.

Das Ziel sei eine „Verflüssigung“ des Verkehrs, insbesondere an den Knotenpunkten am südlichen und nördlichen Stadteingang oder auch in Höhe der aus westlicher Richtung auf die B 9 stoßenden Mittelstraße.

Während der auf den Querstraßen stattfindende Verkehr moderat sei, bezeichnete Gericke die Belastungen auf der B 9 als Hauptschwierigkeit, da es dort Leistungsprobleme gebe, die oftmals hohe Rückstaulängen produzierten. Und dies an allen Wochentagen. Also auch an den in anderen Städten eher verkehrsarmen Wochenenden. Bei 76 Prozent aller Nutzer der B 9 handele es sich um durchfahrende Fahrzeuge, der reine stadtinterne Anliegerverkehr beschränke sich somit auf 24 Prozent. Mit 76 Dezibel würden tagsüber hohe Lärmwerte gemessen, die Nachtwerte lägen bei rund 65 Dezibel. Hoch seien auch die Luftschadstoffwerte. Allerdings: Sie liegen nach Angaben von Stadtbürgermeisterin Hermann-Lersch noch im auch für eine Kur- und Heilbadstadt gestatteten Bereich.

Denkbar seien eine Sperrung der Mittelstraße oder eine Führung dieser Querverbindung als Einbahnstraße, um den Verkehr auf der B 9 flüssiger zu gestalten. Ob eine Einführung von Tempo 30 auf der gesamten – insgesamt rund zwei Kilometer langen – Durchfahrt rechtlich durchsetzbar und überhaupt wegen Rückstaugefahren sinnvoll sei, könne erst nach sorgfältiger Prüfung beantwortet werden, so die Experten. Auch das Auftragen von „Flüsterasphalt“ habe – wenn überhaupt – erfahrungsgemäß nur temporäre Effekte.

So oder so: „Das Gesamtproblem kriegen wir nicht weg“, stellte LBM-Fachmann Finger klar. Er mahnte die Bad Breisiger, das eigene Fahrverhalten zu überprüfen: „Manchmal eignet sich auch das Fahrrad für kurze Strecken.“