Schlosskonzerte in Sinzig: Trio Chi la Gaillarda: Süße Schwermut in Sinzig

Schlosskonzerte in Sinzig : Trio Chi la Gaillarda: Süße Schwermut in Sinzig

Im Rahmen der Sinziger Schlosskonzerte der Volkshochschule ist am Wochenende das Trio "Chi la Gaillarda" mit einem Programm passend zur nicht vorhandenen Winterzeit aufgetreten. Mit "Die schneyichte Zeit" ließ sich das Publikum von Stücken der Renaissance und des Barock in eisige Winternächte und die wohlige Wärme am Ofen entführen.

Wenn die Blätter von den Bäumen fallen, die Tage kürzer werden und der Himmel von ständigem Grau bedeckt ist, dann kann sich langsam eine Herbst- und Winterdepression einstellen. Ganz schlimm wird es, wenn die Temperaturen auch noch unter den Gefrierpunkt wandern und man in Bergen von Schnee versinkt. Henry Purcell, ein Komponist des 17. Jahrhunderts, hat diesem Zustand ein Stück geschrieben.

Sängerin Miriam Deres, Flötistin Irmgard Morschhausen und Gitarrist Johannes Morschhausen interpretierten "Cold Song" aus der Oper "King Arthur" mit dem nötigen Bibbern. Die Blockflöte pfiff quasi auf dem letzten Loch und die waghalsige Harmonik unterstrich diesen Zustand einer gewissen Hilflosigkeit. In "Under this stone" desselben Komponisten mischen sich Schwermut und Lebensfreude im süßlichen Totengesang am Grab des Gabriel John.

Bei diesem Stück, wie auch bei anderen, ließen die Musiker stellenweise ihre Instrumente ruhen, um sich ganz dem zwei- bis dreistimmigen Gesang hinzugeben. Das Publikum verfolgte die Stücke mit großer Konzentration, ließ sich aber von der Virtuosität des Trios hin und wieder zu beifallendem Raunen hinreißen.

In der Untätigkeit des Winters hat man Zeit über vielerlei Dinge nachzudenken. In William Cornishs "Ah Robin" wird der Gleichnamige gefragt, wie man am besten mit den Frauen umgeht. Thomas Campians "Now winter nights enlarge" frönt der ausgelassenen Geselligkeit, genau wie Adam Kriegers Studentenlied "So setzt euch ihr lustigen Brüder". Mit genauer Dosierungsanleitung kommt John Eccles Ode auf den vergorenen Beerensaft daher: "Wine does wonders everyday". Das Publikum konnte sich ein lebhaftes Bild davon machen, dass die Renaissance und der Barock keine Zeiten edler Einfalt gewesen sind, sondern auch der Ausschweifungen.

Weihnachtlich wurde es gegen Ende des Konzerts. Die traditionellen "Ave Maria, gratia plena" und "Christmas Carol" leiteten über zum Christfest anno 1600 mit Thoinot Arbeaus "Ding dong merrily on high" und dem "Christmas cheer" von John Playford.

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