Römische Therme: Sensationsfund auf der Skandalbaustelle

Römische Therme : Sensationsfund auf der Skandalbaustelle

Rund um den Bauskandal beim World Conference Center Bonn ranken sich viele Geschichte. Eine wird heute nur noch selten erzählt. Mit dem Skandal hat sie auch eigentlich nichts zu tun.

Obgleich sie aus Sicht der Archäologen mindestens so spektakulär ist wie die Geschichte, die von dem inzwischen verurteilten und inhaftierten WCCB-"Investor" Man-Ki Kim handelt.

Es geht um die Reste einer fast 2000 Jahre alten römischen Siedlung, die vor Beginn der Bauarbeiten für das WCCB auf dem 3,7 Hektar großen Areal im ehemaligen Regierungsviertel 2006 entdeckt wurden. Darunter auch eine römische Therme. Sie musste damals aufwendig versetzt werden, weil genau an ihrer Stelle das Hotel errichtet werden sollte.

Der damalige Grabungsleiter Cornelius Ulbert und seine Mitarbeiter füllten rund 1200 Kisten mit Funden, die sie später auswerteten. Ein Großteil davon wird heute im Rheinischen Landesmuseum aufbewahrt, darunter filigrane Glasgefäße, Tonscherben und Goldschmuck. Obwohl die Archäologen damals wussten, dass sich unter dem einstigen Regierungsviertel die Reste einer römischen Zivilsiedlung, der sogenannte vicus bonnensis, befinden mussten, waren sie doch überrascht von der Größe und auch von den Funden.

Danach handelte es sich nicht nur um eine einfache Siedlung mit Wohn- und Handwerkerhäusern zur Versorgung der Soldaten im römischen Legionslager, dem castra bonnensia (heute Bonn-Castell), wie Töpferei, Schmiede und Bronzegießerei, sondern auch mit einem Tempel, der besagten Therme, einem Schiffsanleger und Gräberfeld. Es gab damals also doch mehr städtisches Leben rund um das Legionslager als vorher angenommen worden war.

Die Reste der gut 200 Quadratmeter großen Therme lagern gut verpackt im Keller des WCCB-Hotels. Der damalige Investor wollte sie später in den Wellnessbereich des Hotels integrieren und unter einem Glasdach abgesichert für alle Besucher sichtbar machen. Sie war nicht nur ein Ort der Hygiene, sondern auch ein Treffpunkt für die Menschen, um Kontakte zu pflegen und sich auszutauschen.

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Der Bonner Unternehmer Jörg Haas (Bonnvisio), der das Hotel von der Stadt Bonn inzwischen erworben hat, will an den alten Plänen festhalten und ebenfalls die Therme im künftigen Wellnessbereich des Hotels einbauen lassen. "Wir werden einen tollen Spa- und Wellnessbereich betreiben in Kooperation mit dem Hotel. Die römischen Thermen werden mittendrin ein beleuchteter und auch vom Innenhof von oben sichtbarer Blickfang", verspricht er.

Wer die Wellnessanlage betreiben wird, stehe allerdings noch nicht fest, meinte Haas. Die Freunde der römischen Steine müssen sich allerdings noch eine Weile gedulden, bis sie in den Genuss des Anblicks dieser ungewöhnlichen Therme kommen, die aus einem Heiß- und einem Kaltwasserbad besteht. Das Hotel soll nämlich erst frühestens Ende 2015 fertiggestellt sein. Ausführlich informiert das Jahrbuch "Archäologie im Rheinland 2006" über die damaligen Grabungsfunde, als noch niemand ahnte, dass die WCCB-Baustelle sich einmal zum größten Bauskandal in der Bonner Geschichte entpuppen würde (Archäologie im Rheinland 2006", Konrad Theiss Verlag, 25,90 Euro).

Ähnlich spektakulär erwies sich eine Lehrgrabung der Bonner Universität vor zwei Jahren auf der Großbaustelle für den neuen Uni-Campus zwischen Endenich und Poppelsdorf. Studenten und Wissenschaftler legten Reste eines gallo-römischen Tempels frei. Nur ein weiterer solcher Tempel war acht Jahre zuvor auf der WCCB-Baustelle gefunden worden. Bei dem Fund handelte es sich "um die Reste eines ziemlich angekratzten Fundaments", wie sich Frank Rumscheid erinnert. Der Professor für Klassische Archäologie und Direktor des Akademischen Kunstmuseums der Uni Bonn gibt sich eher bescheiden, wenn er heute von dem Sensationsfund erzählt.

Anhand des Grundrisses und der Größe sowie weiterer Funde wie Scherben von Räucherkelchen war den Wissenschaftlern schnell klar, "dass es sich um eine Art Kultstätte handeln musste", erklärt der Professor. Weitere Untersuchungen in dem ockerbraunen Lößlehm ergaben, dass es sich um einen in den gallischen, germanischen und britischen Provinzen des römischen Reiches weit verbreiteten gallo-römischen, Tempel aus der Zeit 100 nach Christus handelte.

Aufgrund seiner Lage - ziemlich weit enternt vom Legionslager - vermuten die Wissenschaftler, dass der Tempel zu einem außerhalb gelegenen Landgut oder zu einem Heiligtum mit weiteren Bauten gehörte. Nach der Dokumentaion des Funds musste die Grabungsstelle wie so viele vorher in Bonn wieder zugeschüttet werden.

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