Jahreshauptversammlung der Kreisjägerschaft: Rot- und Schwarzwildbestand bleibt hoch

Jahreshauptversammlung der Kreisjägerschaft : Rot- und Schwarzwildbestand bleibt hoch

Die knapp 800 Mitglieder zählende Vereinigung bestimmte Stephan Schuck zum neuen Kreisjagdmeister.

Wenn Wildschweine Hausgärten verwüsten oder Wild unerwartet den Verkehr behindert, kommen Bürger und Autofahrer in Kontakt mit der „Materie“ der Kreisjägerschaft. Dass das nicht selten passiert und wohl auch nicht weniger wird, zeigten Zahlen bei der Jahreshauptversammlung des Landesjagdverbands Rheinland-Pfalz, Kreisgruppe Ahrweiler, in Dernau, bei der auch ein neuer Kreisjagdmeister gewählt wurde. „In den ersten drei Monaten dieses Jahres haben sich bereits sage und schreibe 158 Wildunfälle im Kreis Ahrweiler ereignet“, sagte Landrat Jürgen Pföhler.

Speziell der Rotwildbestand sei in Teilen des Kreises sehr hoch, erklärten Pföhler sowie der scheidende Kreisjagdmeister Joachim Polch. Im vergangenen Jagdjahr von April bis März blieben laut Polch mit 1405 zwar erstmals nach drei Jahren wieder weniger als 1500 Stück Rotwild auf der Strecke. Aber der Vergleich mit rund 400 Stück pro Jahr Anfang der 1990-er-Jahre zeige, in welche Sphären der Bestand und damit auch der Abschuss gestiegen seien. Mit 2660 Stück bleibe auch die Strecke beim Schwarzwild auf hohem Niveau. Beobachtungen der Jäger und die unter anderem klimatischen Bedingungen im Spätherbst und Winter sprächen erneut für nach oben schnellende Zahlen, sagte Polch. „Das Verantwortung für uns Jäger, den Schwarzwildbestand in Grenzen zu halten, ist sehr hoch und wird im kommenden Jahr nicht geringer sein.“

An Damwild, von dem immer mehr gerade auf der Grafschaft vorkomme, seien 87 Stück erlegt worden. Beim Muffelwild liege die Zahl mit 165 etwa auf Vorjahresniveau. Polch bedauerte, dass während seiner zehnjährigen Amtszeit die Anpassung der Bewirtschaftungsgebiete vor allem bei Rot- und Muffelwild nicht gelungen sei, denn die auf der Grundlage von 1989 festgelegten Gebiete entsprächen nicht mehr den tatsächlichen Gegebenheiten.

„Wir Jäger halten es grundsätzlich für falsch, dass der Gesetzgeber vorschreibt, wo sich Wild aufzuhalten hat. Es hält sich ohnehin nicht an die Grenzen.“ Nachdem gemäß Gesetz seit 2013 zumindest Grenzanpassungen möglich seien, hoffte Polch, dass sein Nachfolger bei weiteren Beratungen mit Behörden und mit Jagdpächtern und Jagdrechtseigentümern, von denen einige nicht in neu angepasste Bewirtschaftungsgebiete gehen wollten, „vielleicht einen anderen Zugang“ finde als er. Als neuen Kreisjagdmeister für die kommenden fünf Jahre und damit Ehrenbeamten des Kreises für die Dauer seiner Amtszeit vereidigte Pföhler den Sinziger Stephan Schuck. Der Kreisjagdmeister ist Ansprechpartner bei jagdrelevanten Themen und dient als Vermittler und Berater zwischen der Unteren Jagdbehörde und der Jägerschaft.

Neuer stellvertretender Kreisjagdmeister ist der frühere Vorsitzende der Kreisgruppe, Jürgen Kindgen. Die Kreisjägerschaft Ahrweiler, die fast 800 Mitglieder umfasst, bestimmte zudem ihre Vertreter für den Kreisjagdbeirat, der ein Bindeglied zwischen der Unteren Jagdbehörde und der Jägerschaft darstellt.

Die prominentesten Namen auf der Liste waren der Wachtberger Christoph Abs als Vertreter der Eigenjagdbesitzer und der Bonner Frank Asbeck als dessen Stellvertreter. Für die Jagdscheininhaber sprechen künftig Werner Schmitt (Stellvertreterin: Petra Doll) und der bisherige Kreisjagdmeister Joachim Polch (Stellvertreter: Winfried Schneider). Vertreter der Jagdpächter sind Agnese Francesca Hofmann und Rudolf Greif respektive deren Stellvertreter Stefan Zavelberg und Gitta Werner.

Noch vor den Wahlen hatte Joachim Polch sich über 15 neue Jungjäger im Kreis Ahrweiler gefreut, die die Jägerprüfung erfolgreich abgelegt hätten, davon fast die Hälfte Frauen. „Gut eingeschlagen“ seien die „Hundesolidaritätskasse“ ebenso wie die „Aktion Blau“, so Vorsitzender Thomas Güthe. Obmann Patrick Winter sprach über die im Herbst 2015 gegründete Hundesolidaritätskasse, die den jagdausübungsberechtigten Verbandsmitgliedern im Kreis Ahrweiler die Möglichkeit biete, sich gegen Schäden an Leib und Leben der bei Jagden eingesetzten Hunde abzusichern.

Obmann Ralf Schmitt erklärte, dass die blauen Wildwarnreflektoren, die innerhalb der „Aktion Blau“ an unfallträchtigen Straßenabschnitten im Kreis Ahrweiler installiert worden seien, in zwölf Revieren binnen eines Jahres für insgesamt durchschnittlich rund 75 Prozent weniger Fallwild gesorgt hätten.

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