Achterbahn am Nürburgring: Ring-Racer rast aus der Boxengasse

Achterbahn am Nürburgring : Ring-Racer rast aus der Boxengasse

Langsam schiebt sich der rote Achtsitzer auf die lange Gerade, um dann - wie von einem Katapult geschossen - auf Spitzentempo zu kommen. Er steigt in die Höhe, um dann mit Karacho in die Tiefe zu stürzen und das Blut seiner Passagiere in Wallung zu bringen.

Es geht steil bergab, mit atemberaubender Geschwindigkeit in Kurvenkombinationen, dann rast das Gefährt unter der Decke quer durch die Halle der Erlebniswelt. Tatsächlich, er rollt und rast: Der Ring-Racer am Nürburgring nimmt nach vierjährigem Zwangs-Boxenstopp endlich Fahrt auf.

"Heute ist ein guter Tag. Eine vierjährige Leidenszeit geht zu Ende", meinte denn auch der im Zuge des Insolvenzverfahrens eingesetzte Nürburgring-Sachwalter Jens Lieser.

Eigentlich sollte der Flitzer bereits im Sommer 2009 seine Passagiere mit Höchstgeschwindigkeit über das Stahlgerüst transportieren. Kaum hatten der siebenfache Formel 1-Weltmeister Michael Schumacher und Tennislegende Boris Becker zur Eröffnung der rund 400 Millionen Euro teuren "Erlebniswelt Nürburgring" eine erste Demonstrationsfahrt mit der Ring-Hauptattraktion unternommen, hatte sich die für angeblich 13 Millionen Euro aus den USA beschaffte Achterbahn mit einem lauten Knall aus der Welt der nutzbaren Fahrgeschäfte verabschiedet.

[kein Linktext vorhanden] Ein Softwarefehler hatte die als schnellste Bahn der Welt angepriesene Attraktion schachmatt gesetzt. Statt auf die Schienen-Piste ging es in die Box. Es folgten weitere Pleiten, Pech und Pannen, die zudem zu einem Sinkflug bei den Besucherzahlen führten. Statt der kalkulierten 400.000 kamen nach offiziellen Angaben jährlich nur 170.000 Besucher, um sich in der Erlebniswelt mit Ring-Werk, Boulevard und inzwischen auf Elektromotoren umgestellter Kartbahn zu vergnügen.

Ein Versuch im Jahre 2011, das Pannenmobil wieder flott zu kriegen, schlug kläglich fehl. Bis in die Boxengasse flogen Muttern und Schrauben nach missglückten Testfahrten. Der Racer wurde wieder auf das Abstellgleis gestellt. Längst war die auf null Stundenkilometer gedrosselte Hochgeschwindigkeitsbahn zum Symbol für das gesamte Nürburgring-Dilemma geworden.

Alle Jahre wieder wurde angekündigt, der Racer gehe nun bald wieder an den Start. Beispielsweise zum Formel 1-Rennen im Juli 2011. Oder im Januar 2012, als der Technische Überwachungsverein (TÜV) das Gerät für technisch einwandfrei erklärte. Statt Startflagge sah der Rollercoaster aber auch weiterhin nur das Dunkel seiner Garage.

Die Sicherheitsauflagen seien nicht erfüllt, meldete die Kreisverwaltung Ahrweiler als zuständige Genehmigungsbehörde und verweigerte der Bahn grünes Licht. Lieser sprach von einer "Blockade", die es zwischen den früheren Ringbetreibern Lindner und Richter und der Kreisverwaltung gegeben habe.

Das hat sich nun geändert, Lindner und Richter sind weg, die Genehmigung für den Betrieb der Anlage ist vor einigen Tagen (der GA berichtete) erteilt worden. "Die vorgeschriebenen strengen Sicherheitsanforderungen dienten dem Schutz von Fahrgästen und Besuchern", erklärte die Kreisverwaltung.

Dazu zählten unter anderem ein Evakuierungskonzept und ein Rettungsplan für etwaige Stör- und Notfälle. Die Eignung und Qualifikation des Sicherheitspersonals wurde geprüft wie auch Wartungs-, Test- und Prüfintervalle der Anlage.

Die Kreisverwaltung werde auch künftig die Einhaltung der Sicherheitsbestimmungen kontrollieren, teilte die Behörde in Ahrweiler mit. Lieser: "Der Ring-Racer ist die am strengsten geprüfte Achterbahn der Welt."

Wann kann gefahren werden?

Am Eröffnungswochenende (31.10. bis 03.11.2013) finden die Fahrten jeweils täglich von 14.00 bis 17.30 Uhr statt.

Eine Mitfahrt im ring°racer ist sonst während der regulären Öffnungszeiten des ring°werks möglich. Der Tagespass für das ring°werk kostet für Erwachsene/Jugendliche 19,50 Euro, für Kinder (5-11 Jahre) 11 Euro. Eine Familienkarte (zwei Erwachsene, zwei Kinder) kann für 55 Euro erworben werden.

Ring-Racer

Die schnellste Achterbahn Europas kommt auf 160 km/h Geschwindigkeit entlang der Start- und Zielgeraden und beschleunigt schneller als ein Formel 1-Fahrzeug. Die Streckenlänge beträgt insgesamt 1212 Meter, wobei eine Höhendifferenz von 37,5 Metern zu bewältigen ist.

Die Gesamtfahrtzeit beträgt rund drei Minuten. Vom Abschuss bis zum Wiedereintreffen im Bahnhof dauert die Fahrt etwa eine Minute und 20 Sekunden.

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