Ausstellung mit historischen Fahrzeugen: „Ring-Marks“ zum 90. Geburtstag des Nürburgrings

Ausstellung mit historischen Fahrzeugen : „Ring-Marks“ zum 90. Geburtstag des Nürburgrings

Motorsportfans erleben in der Ausstellung "Ring-Marks" auf dem Nürburgring Renngeschichten aus 90 Jahren hautnah mit. Zu sehen sind auch Fahrzeuge aus neun Jahrzehnten Nürburgringgeschichte.

Sir Jackie Stewart erinnerte sich genau. „Wir waren als Rennfahrer immer froh, heil vom Nürburgring wieder weg zu kommen. Es war für uns eine grüne Hölle.“ – Dem dreifachen Formel 1-Weltmeister, in seinen Bestjahren Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre auch „The Flying Scot“ genannt, wurde nun eine besondere Ehre zuteil: Der 78-jährige Ex-Pistenchampion eröffnete zum 90. Geburtstag der legendären Eifelstrecke die Ausstellung „Ring-Marks“ und wandelte auf den Spuren der Legenden, von denen er selbst eine ist.

Eingebettet in die Nürburgring Classic und dem zum Geburtstag wieder aufgelegten „Eifelrennen“ ist eine Ausstellung gelungen, die faszinierende Fahrzeuge aus neun Jahrzehnten Nürburgringgeschichte zeigt und mit Infowänden und multimedialen Elementen in die Welt der Motorsportgeschichte eintauchen lässt.

„Nice to be back here“, meinte Sir Jackie, der in Schottenmusterhose ins „Ring-Werk“ gekommen war, in der er selbst übrigens lebensgroß als Wachsfigur zu sehen ist. „Wir sind hier immer am Limit gefahren“, meinte er rückblickend im GA-Gespräch. Weitaus gefährlicher als heute sei der Rennsport damals gewesen. Die Zahl der Ende der sechziger Jahre auf den Rennstrecken in aller Welt ums Leben gekommenen Rennfahrer belegt das eindrucksvoll. „Wenn Du hier nicht mal gewonnen hast, dann warst Du kein großer Fahrer“, so der Schotte, der drei Mal auf der Zielgeraden des Nürburgrings auf dem Siegerpodest stand. So manche Champagnerdusche hat auch Tourenwagenkönig Klaus Ludwig auf der Eifelstrecke erlebt. Drei Mal gewann er dort das 24-Stunden-Rennen, drei Mal wurde er Deutscher Tourenwagenmeister, zwei Mal gewann er die Deutsche Rennsportmeisterschaft – unter anderem mit einem Helm, der den Schriftzug des General-Anzeigers ziert, der den Bonner Rennfahrer damals unterstützte. „König Ludwig“ war ebenfalls zur Ausstellungseröffnung gekommen und hatte reichlich Veranlassung, in schönen Erinnerungen zu schwelgen.

Das durfte auch Rainer Braun, die „Stimme des Nürburgrings“. Von seiner Sprecherkabine aus kommentierte er über Jahrzehnte das Renngeschehen auf der 20,8 Kilometer langen Strecke mit ihren 73 Kurven und 300 Metern Höhenunterschieden, die von den Fahrern alles abverlangten. „Es ist die schönste Rennstrecke der Welt“, ist sich Braun an diesem Abend, der voller Nürburgringgeschichten ist, sicher.

In der neuen Ausstellung im Ring-Werk stehen Jackie Stewarts Cooper aus dem Jahre 1964, Michael Schumachers 700 PS-starker Benetton Renault, mit dem der Kerpener 1993 auf die Piste ging, ein „Eifelland Typ E21“, mit dem der 1983 bei einem Rennen in Kalifornien ums Leben gekommene Rolf Stommelen 1972 an den Start gegangen war. Originalhelme von Graf Berghe von Trips, Ralf Schumacher oder Heinz-Harald Frentzen, der GA-Helm von Klaus Ludwig, Weltmeisterpokale von Juan Manuel Fangio, die Rennkluft von Jackie Stewart und von Trips, zahlreiche Erinnerungen an Rudolf Caracciola: Nicht nur die Legenden Stewart und Ludwig zeigten sich bei ihrem Rundgang begeistert.

Als eine der weltweit schönsten und schwierigsten Strecken schreibt der Nürburgring im Herzen der Vulkaneifel seit der Eröffnung 1927 Rennsportgeschichte. Im Sommer 1925 erfolgte im Herzen der Eifel der Spatenstich für eine in der Welt des Motorsports unvergleichliche Rennstrecke. Mit Kosten von 8,1 Millionen Reichsmark und der Arbeit von zeitweise 3000 Menschen errichtet, feierte der damals 22,8 Kilometer lange Kurs nur zwei Jahre später seine Premiere. Im Eröffnungsjahr gewann der Remagener Rudolf Caracciola im Kompressor-Mercedes das erste große Automobilrennen auf dem Nürburgring.

Mit unzähligen am Wochenende angereisten klassischen Automobilen wurde dieses Ereignis gefeiert. Vom Vorkriegsrennwagen bis zum Formel-2-Renner und historischen Motorrädern reichte die Palette der verschiedenen Läufe. Die Besucher erlebten so Motorsporthistorie hautnah mit. Und Jackie Stewart fühlte sich bestätigt in seinem damaligen prägenden Ausspruch: „It is really a green hell.“

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