„Unser Dorf hat Zukunft“: Rech: Ein Weindorf zum Liebhaben

„Unser Dorf hat Zukunft“ : Rech: Ein Weindorf zum Liebhaben

Der kleine Weinort Rech im Kreis Ahrweiler nimmt Ende August am Landesentscheid „Unser Dorf hat Zukunft“ teil. Lebensqualität wird in dem überschaubaren Dorf mit seinen 580 Einwohnern großgeschrieben.

„Es macht Spaß, in einem Ort zu wohnen, der floriert und immer in Bewegung ist“, sagt Bürgermeister Hans Dieter Kutscher. Der Sozialdemokrat, Jahrgang 1945, leitet die Geschicke des Weindorfs an der Mittelahr seit 19 Jahren an vorderster Stelle. „In Rech wird gelebt“, bekräftigt er.

Alle Häuser sind bewohnt, leer stehen nur zwei ohnehin abbruchreife Bauten. Und trotz Bundesstraße lässt es sich ruhig wohnen in dem überschaubaren Dorf mit seinen 580 Einwohnern: So fasst Kutscher die Situation zusammen. „Auch von auswärts kommen Anfragen nach Mietwohnungen oder Baugrundstücken“, sieht der Bürgermeister die Entwicklung bestätigt.

Kanal- und Straßenbau standen auf der Agenda, als Kutscher, der sich bereits seit Anfang der 1960er Jahre als Mitglied des Gemeinderats in die kommunalpolitische Arbeit eingebracht hatte, sein Bürgermeisteramt antrat. Das wollte er schaffen: Kanal- und Straßenbau. So prosaisch waren seine Pläne. Bis auf die Straßen „In der Aue“, die im kommenden Jahr gemacht werden soll, und „Auf der Burg“ ist es erledigt, berichtet er. „Auf der Burg“ sieht Kutscher als Problem, weil Bürger bei komplettem Ausbau mehr zahlen müssten, als die Grundstücke wert seien. Die Sache werde derzeit geprüft.

Von Brückensanierung war am Anfang nicht die Rede. Jedoch signalisierten Risse an der denkmalgeschützten Nepomuk-Brücke über die Ahr schnellen Handlungsbedarf. Nachdem dieses Projekt geschafft war, zeigten sich bei einer Brückenschau gravierende Schäden an der Brücke über die Bahn am Herrenberg.

Engagement der Bürger

Der Neubau dauerte länger und wurde deutlich teurer als kalkuliert, ist aber endlich abgeschlossen. Beides hinterließ im Gemeindesäckel deutliche Spuren – wenn das wenigstens gut gefüllt gewesen wäre. Aber so stieg nur der Schuldenberg, der sich schon früher infolge Bachverrohrung und Straßenbau angesammelt hatte.

Kreativität und Eigeninitiative sind gefragt, wo Geld fehlt, auch in Rech. Kutscher lobt das Engagement der Bürger bei Projekten wie der jüngst vollendeten Sanierung des Spielplatzes. Im Hand- und Spanndienst haben die Recher auch die alte Treppe hinauf zum Saffenburg-Weg wieder hergerichtet. Sie ist Teil des Ahrsteigs, der in Rech ins Tal und dann über die Nepomuk-Brücke führt. „Ich hätte nicht für möglich gehalten, dass der Steig so angenommen wird“, sagt Kutscher. Es komme der Gastronomie zugute, denn die Wanderer wollten essen und trinken. In Rech müssten sie dafür den Steig nicht verlassen. Allerdings sieht Kutscher noch Bedarf an touristenfreundlicheren Öffnungszeiten der Gaststätten auch montags und dienstags.

Im Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ beziehungsweise „Unser Dorf hat Zukunft“ konnte sich Rech öfter über gute Plätze freuen. Jüngstes Ergebnis: Platz fünf im Gebietsentscheid der Sonderklasse. Damit nimmt das Weindorf Ende August am Landesentscheid teil. „Dafür werden wir noch einmal alles in Bewegung setzen, um unsere funktionierende Dorfgemeinschaft zu präsentieren“, kündigt der Bürgermeister an.

Wichtiger Bahnhof für Gäste

Beim Rundgang der Kommission hatte Rech nicht nur mit seinen ordentlichen Straßen, der guten Lage und Verkehrsanbindung gepunktet, sondern auch mit privaten Investitionen wie beim „Jagdhaus Rech“, der neuen Gaststätte „Zum Alten Küster“ und dem Neubau des Weinguts Jean Stodden. „Wir haben einige Lokalitäten, wo der Gast sich wohlfühlen kann, das hat die Kommission anerkannt“, berichtet Kutscher.

Ein gut ausgestatteter Bahnhof ist dem Bürgermeister auch wichtig, man denke nur an den Luciamarkt im Dezember, zu dem Tausende aus der weiten Umgebung nach Rech strömen. Kutscher drängt seit Jahren auf Ausbau. „Jetzt will die Bahn die Einrichtung im kommenden Jahr endlich sanieren“, sagt er, „aber das glaube ich erst, wenn es fertig ist.“ Beim Wettbewerb Punkte gebracht hatte ebenfalls die „ausgewogene Bevölkerungsentwicklung. „Viele junge Winzer wohnen mit ihren Familien hier, sie haben Kinder“, beschreibt Kutscher die erfreuliche Situation. Den Bedürfnissen der Jugend soll auch ein neues Projekt Rechnung tragen: Die Gemeinde will den Bolzplatz an der Ahr als Multifunktionsplatz für Ballspiele komplett umbauen. Handlungsbedarf sieht Kutscher noch bei Verschönerungen und Begrünungen im Dorf.

Bürger sollen eingebunden werden

Bei weiteren Projekten sollen die Bürger, vor allem die jüngere Generation, intensiv eingebunden werden. Darum hat der Rat noch einmal Antrag auf Dorfmoderation gestellt. „Die Jüngeren haben vielleicht ganz andere Ideen“, denkt Kutscher. Wenn es soweit ist, ist er allerdings wohl außen vor. Denn er will 2019 nicht mehr fürs Bürgermeisteramt kandidieren.

Als erster Sozialdemokrat kreisweit hatte Kutscher sein Bürgermeisteramt angetreten. „Ursprünglich wurde ich mit Skepsis beäugt“, erinnert er sich lachend. „Aber wenn man seine Arbeit macht, wird es akzeptiert.“ Er fühle sich wohl, sagt er, auch weil das Miteinander im Rat sehr gut sei – „bei allen Reibereien, die es geben muss“.

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