Hiobsbotschaft: Neue Stadthalle für Bad Breisig rückt in weite Ferne

Hiobsbotschaft : Neue Stadthalle für Bad Breisig rückt in weite Ferne

Bad Breisig wird vorerst keine neue Stadthalle erhalten: Die Pläne dafür müssen wegen fehlender Fördermittel und Standortstreitereien ad Acta gelegt werden.

Der geplante Bau einer neuen Stadthalle auf dem Areal an den Bad Breisiger Römer-Thermen wird zu den Akten gelegt. Zum einen wird es hierfür voraussichtlich keine Fördermittel des Bundes mehr geben, zum anderen gab es in der Quellenstadt keinen Konsens hinsichtlich des vorgesehenen Standortes. Damit wird der 10.000 Einwohner-Stadt weiterhin eine multifunktional nutzbare Versammlungsstätte fehlen.

Die Hiobsbotschaft für Bad Breisig kam auf telefonische Nachfrage von der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion in Koblenz: Die Landesbehörde teilte mit, dass die Aussicht, noch Fördermittel aus den Töpfen des Bundesbauministeriums zu bekommen, äußerst gering sei. Die zur Verfügung stehenden Mittel sind ausgeschöpft und verplant. Wie berichtet, hatten Bund und Länder bereits 2008 das kommunale Unterstützungsprogramm „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“ aufgelegt.

Der Run auf die Gelder war verständlicherweise groß: Immerhin werden anerkannte städtebauliche Maßnahmen im Bereich der Zentrenförderung zu 90 Prozent unterstützt. Der kommunale Eigenanteil liegt bei lediglich zehn Prozent. Ob es auch in Zukunft ein derartiges Unterstützungspaket geben wird, steht in den Sternen.

Im hoch verschuldeten Bad Breisig hatte man gehofft, mit Hilfe der Bundesmittel sowohl die städtische Infrastruktur als auch das städtische Anlagevermögen kräftig verbessern und aufstocken zu können, zumal die bisher genutzte, allerdings stark sanierungsbedürftige Jahnhalle an der Bundesstraße 9 in die Jahre gekommen ist und eher einem Schandfleck als einem zeitgemäßen Bürgerhaus gleicht. Das marode Gebäude hätte man abreißen und das Areal durch eine moderne Wohnbebauung in zentraler Lage städtebaulich aufwerten können.

Um Standort gestritten

Die Aussicht, mit einem Eigenanteil von 300.000 oder 400.000 Euro eine drei oder vier Millionen Euro teure Halle bauen zu können, löste im Stadtrat überraschenderweise jedoch nicht etwa Eintracht und Harmonie in der Sache aus. Vielmehr stritt man sich um den Standort einer etwaigen neuen Halle.

Da das Bauwerk im Zentrum stehen muss, um überhaupt in die Förderung zu kommen, hatte die CDU eine Freifläche vor den Römer-Thermen – dem nächsten Sorgenkind der Stadt – vorgeschlagen. Die Idee fand zwar eine Mehrheit, nicht jedoch die Unterstützung von SPD und FWG.

Zu viel Parkraum für die Thermen gehe verloren, der Unterboden sei morastig, der von der benachbarten Bahnlinie ausgehende Lärm problematisch. Von einem kommunalpolitischen Konsens war zumindest in der Standortfrage nichts zu spüren. Im Gegenteil: Einzelne Akteure aus dem Stadtrat schlossen sich einer Initiative an, die massiv gegen das Vorhaben schoss. Auf einem Flyer wurde per Fotomontage ein überdimensionaler – mit der Realität allerdings keineswegs in Einklang zu bringender – Kubus eingezeichnet, der baulich die Römer-Thermen und die gesamte Nachbarschaftsbebauung zu erdrücken schien. „Wollt Ihr das?“ war der Flyer betitelt.

Für SPD-Ratsmitglied Rolf Henzgen stellte das kein Problem dar: Mit einer völlig überdimensionalisierten Fotomontage gegen ein solches Projekt „mobil“ zu machen, sei für ihn völlig in Ordnung, erklärte er gegenüber dem General-Anzeiger. Henzgen hatte sich selbst der Initiative angeschlossen.

Keinen Sinn in Planung einzusteigen

Es mache nun keinen Sinn mehr, weiter in die Planung einzusteigen, befand Stadtbürgermeisterin Gabriele Hermann-Lersch (CDU). Eigentlich hatte man bereits einen Architekten mit einer Vorplanung beauftragen wollen, um auf der Basis dieses Planentwurfs einen Förderantrag zu stellen. „Für eine Architektenleistung können wir kein Geld ausgeben, ohne zu wissen, ob es eine realistische Chance gibt, doch noch in die Förderung reinzukommen“, ergänzte CDU-Fraktionsvorsitzender Norbert Heidgen.

Für die SPD war dies Veranlassung, nach einem „Plan B“ zu fragen. Den gebe es nicht, so Verbandsbürgermeister Bernd Weidenbach. Er rief nämlich in Erinnerung, dass es just die SPD war, die vor Jahren dem Bürgermeister „Populismus“ und „Stimmenfang“ vorgeworfen hatte, als Weidenbach für einen „Schubladenplan“ warb, den er dann hervorziehen könne, wenn es Fördergelder und einen unstrittigen Standort für eine Halle gebe. Es habe gerade wegen der SPD in den Diskussionen kein Ergebnis gegeben, das die Stadt handlungsfähig gemacht hätte, wenn sich plötzlich Fördermöglichkeiten aufgetan hätten.

„Wir haben hier im Rathaus nicht gepennt. Vielmehr haben wir sehr früh auf alle Fördermöglichkeiten hingewiesen. Die SPD war es doch, die uns anhielt, diesen Gedanken nicht weiter zu verfolgen, da sie unbedingt an der Jahn-Halle festhalten wollte“, so Weidenbach. Der „Schubladenplan“, auch „Plan B“ genannt, sei seinerzeit „damit tot gewesen“.

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