Geldanlagen richtig anlegen: Nachhaltig investieren

Geldanlagen richtig anlegen : Nachhaltig investieren

Rendite einfahren und dabei etwas für die Umwelt oder eine bessere Gesellschaft tun? Wem das wichtig ist, der kann sein Geld nachhaltig investieren.

Nachhaltige Geldanlagen

„Nachhaltige Geldanlagen ergänzen die klassischen Kriterien der Rentabilität, Liquidität und Sicherheit um ökologische, soziale und ethische Bewertungspunkte, wie Aspekte guter Unternehmensführung“, erklärt Claudia Tober vom Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG). Waffenhändler, Ölkonzerne und Unternehmen, die Kinder für sich arbeiten lassen, werden bei diesen Geldanlagen ausgeschlossen.

Das Problem dabei sind aber die Bewertungskriterien. Eine einheitliche Definition gibt es nicht, da Begriffe wie „nachhaltige“, „ökologische“, „soziale“ oder „klimafreundliche“ Geldanlage gesetzlich nicht geschützt sind, ergänzt Anke Behn von der Verbraucherzentrale Bremen.

Wie nachhaltig investiert wird

Grundsätzlich gibt es verschiedene Vorgehensweisen. Neben dem Ausschluss ganzer Bereiche wie der Kernenergie, Öl oder Rüstung können bestimmte positive Kriterien angesetzt werden. „In einem solchen Fall wird bewusst in Unternehmen investiert, die zum Beispiel im Bereich der erneuerbaren Energien tätig sind oder sich durch soziales Engagement auszeichnen“, führt Behn aus.

Beim Best-in-Class-Ansatz wiederum werden Unternehmen einer Branche ausgewählt, die im Branchenvergleich besonders umweltfreundlich oder sozialverträglich sind. Da hierbei grundsätzlich keine Branche ausgeschlossen wird, kann es so auch Investitionen in Wirtschaftszweige wie die Atom-, Waffen- oder Ölindustrie geben.

Welchen Fonds auswählen?

„Dazu gilt es, im Fondsprospekt genau hinzusehen, welche Nachhaltigkeitskriterien mit welchen Toleranzgrenzen berücksichtigt werden“, sagt Andrew Murphy von der Bonner Vermögensverwaltung Murphy&Spitz, seit 1999 auf nachhaltige Geldanlagen spezialisiert und damit einer der Pioniere des nachhaltigen Investments. „Man sollte sich ansehen, in welche Unternehmen der Fonds aktuell investiert und in der Vergangenheit investiert hat“, rät Murphy. „In manch einem Nachhaltigkeitsfonds war bis zur Fukushima-Katastrophe Tepco im Portfolio.“ Murphy&Spitz Green Research analysiert kontinuierlich Nachhaltigkeitsfonds hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit anhand der konkreten Portfolien, führt Gespräche mit dem Management. „Wir investieren nur in solche Fonds, die unseren stringenten Nachhaltigkeitskriterien genügen“, sagt Murphy. Alle Investments werden ausschließlich unter Berücksichtigung von ökologischen, sozialen und Government-Kriterien (ESG-Kriterien) getätigt, erläutert der Bonner Vermögensverwalter. „Unsere stringenten Ausschlusskriterien verbieten zum Beispiel Investments in Atomenergie, Kinderarbeit, Verletzung der Menschenrechte, Bergbau, Kohle, Erdgas, Erdöl, Gentechnik, Drogenproduktion und Drogenhandel, vermeidbare Tierversuche sowie Prostitution und Pornografie.“

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Unterschiede bei den Produkten

Auch im nachhaltigen Investment gibt es verschiedene Anlageinstrumente: Aktien, Anleihen, offene und geschlossene Fonds, Aktienfonds, Anleihefonds, Mischfonds, Direktinvestments. „Wichtig ist bei allen, dass man die Geldanlagen sowohl hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit und Glaubwürdigkeit als auch hinsichtlich ihres Rendite-Risikoprofils analysiert“ rät Andrew Murphy. „Das Vorurteil, dass nachhaltige Geldanlagen einen Renditeverzicht bedeuten, ist übrigens längst durch zahlreiche Studien widerlegt.“

Nachhaltige Vermögensverwalter

Wer sein Geld professionell und nachhaltig anlegen möchte, ohne selbst im Dschungel der Angebote den Überblick gewinnen und behalten zu müssen, kann eine unabhängige Vermögensverwaltung beauftragen. Mit ihr schließt der Anleger einen Portfolioverwaltungsvertrag ab. Der Vermögensverwalter legt nach umfangreicher Analyse der individuellen Ziele, Bedürfnisse und des Rendite-Risiko-Profil des Anlegers gemeinsam mit ihm eine passende Anlagestrategie fest. Nach dieser trifft der Vermögensverwalter dann selbstständig Anlageentscheidungen, stellt das Portfolio des Anlegers zusammen und managt es kontinuierlich. „Der Anleger zahlt dafür eine Vermögensverwaltervergütung, die sich am Volumen des verwalteten Vermögens bemisst“, erläutert Experte Andrew Murphy. „Provisionen, wie sie bei Versicherungen oder manchen Finanzvermittlern üblich sind, gibt es dabei nicht.“ Der Anleger erhält regelmäßige Dokumentationen über die Entwicklung seines Depots und hat über seine Depotbank jederzeit Einblick auf sein Depot. ⋌dpa/rps

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