Gespräch mit dem Mayschosser Bürgermeister: Kunz: Junge Leute haben in Mayschoss gute Chancen

Gespräch mit dem Mayschosser Bürgermeister : Kunz: Junge Leute haben in Mayschoss gute Chancen

"Ich bin der Meinung, dass wir noch Chancen ohne Ende haben“, blickt Hubertus Kunz, der Bürgermeister des Weindorfs Mayschoss, zuversichtlich in die Zukunft. Vor allem für die Jugend sieht der 67-Jährige in dem Fremdenverkehrsort an der Ahr gute Perspektiven.

Er ist in Mayschoß aufgewachsen, und er hat seine Heimatgemeinde in vielen, vielen Jahren entscheidend mitgeprägt: Getrost kann man in Hubertus Kunz und Mayschoß so etwas wie eine Einheit sehen. Der jetzt gerade 67-Jährige Christdemokrat war 15 Jahre Mitglied im Gemeinderat, danach 20 Jahre, von 1989 bis 2009, war er ein ideenreicher und ebenso findiger Bürgermeister. Und nach ein paar Jahren Abstand, beruflich bedingt, hat er sich im vergangenen Jahr noch einmal auf einen Neustart eingelassen, ist wieder zum Bürgermeister gewählt worden. Devise für die nächsten Jahre: Mayschoß soll zukunftsfähig werden.

„Ich sehe gute Chancen hier für junge Leute“, ist sich der Vater dreier erwachsener Söhne sicher. Und er zählt auf: „Seit Mai haben wir schnelles Internet, eine erneute Dorfmoderation steht in Aussicht, und es gibt schon jetzt absehbar viele Ideen, das Dorf weiterzuentwickeln.“ Dann kommt Kunz auf sein derzeitiges Lieblingsprojekt zu sprechen: „Wir brauchen ein Nahwärmenetz.“

Als Voruntersuchung soll zunächst ein Quartierskonzept entwickelt und damit sollen Basisdaten gesammelt werden. „Wir müssen sehen, wie die Energieversorgung optimiert werden kann. Klimaneutral.“ Kunz spricht von den anfälligen Heizsystemen auf Öl-Basis entlang der B 267. Die Entscheidung sei dringend, Zuschüsse stünden in Aussicht, gehandelt werden könne, sobald der Nachtragshaushalt genehmigt sei.

ÖPNV muss starkgemacht werden

Touristen sind lebenswichtig für das Weindorf. Um von den Potenzialen im Ballungsraum Köln/Bonn profitieren zu können, sieht Kunz den Ausbau der Ahrtalbahn als S-Bahn, elektrobetrieben, als vordringlich an. Vom Bahnhof in Ahrbrück aus wünscht er sich Verbindungen nach Bonn, Euskirchen, Bad Münstereifel, am besten durchgehende Züge, bestenfalls auch bis Köln, blickt er in die Zukunft.

„Wir müssen den ÖPNV stark machen“, ist seine Devise. Ein neues Angebot für Gäste könnte das am Dorfplatz geplante „Café Schwätzchen“ mit angeschlossenem Familienhotel werden, berichtet Kunz. Für junge Leute biete sich auch der Tin-Star-Saloon an, eine Musik-Gaststätte am Waagplatz, die bekannter werden müsse.

Wichtige Projekte hatte Kunz bereits in seinen vergangenen Bürgermeister-Amtszeiten abgeschlossen: den Straßen- und Radwegebau, die Sanierung des Waagplatzes als Festplatz in zwei Bauabschnitten, die Neugestaltung des Bahnhofs und des Bahnhofsumfeldes, Brückenbau. Bis auf die Brücke zum Sportplatz um die es derzeit geht, wäre das Thema erledigt.

Neubaugebiete sind wichtig für die Gemeinde

Priorität hat für Kunz auch die Fortführung und damit die Vollendung der Flurbereinigung. Was noch als dritter Bauabschnitt aussteht, ist der Bereich Ümerich und der Umlaufberg Etzhardt. Das sei auch wichtig, um das Oberflächenwasser im Außenbereich in geordnete Bahnen zu lenken und nicht über Mayschosser Straßen, sagt er.

Mit dem Verlauf des Auftakts für die neue Dorfmoderation im Juni ist Kunz höchst zufrieden. Viele junge Leute unter 30 seien gekommen und wollten ihre Ideen einbringen, berichtet er und kündigt an: „Nach der Traubenlese soll es mit der Dorfmoderation weitergehen.“ Zu seinen Prioritäten gehöre auch ein Lebensmittelmarkt fürs Weindorf. Und er wolle junge Menschen für Kommunalpolitik interessieren .„Sie haben Interesse“, ist Kunz überzeugt.

Standen in Mayschoß noch vor Jahren viele Häuser und Wohnungen leer, so wird jetzt nahezu alles wieder genutzt. Andererseits fehlten Baugrundstücke, weil die vorhandenen nicht an Bauwillige verkauft würden, sagt Kunz. Darum sei es für die Gemeinde wichtig, Möglichkeiten für Neubaugebiete ausloten.

Winzergenossenschaft Mayschoß

Mit dem Kindergarten in kirchlicher Trägerschaft, in dem auch Platz für unter Dreijährige ist, wäre erst einmal für den Nachwuchs gesorgt. Die Grundschule ist im nahen Dernau. Eine Kirche steht zwar im Dorf, aber aufgrund des Priestermangels ist das Pfarrhaus vakant. Kunz sieht die Zeit gekommen für neue Strukturen etwa in der Ökumene. „Das geistige Leben im Dorf ist mir wichtig“, sagte er.

Als Pädagoge, wenn auch jetzt im Ruhestand, will er sich weiterhin für Chancen für alle Jungen und Mädchen im Schulsystem einsetzen. „Jeder Mensch kann etwas besonders gut“, ist er überzeugt. Kunz zeigt sich als „absoluter Gegner“ des Wettbewerbs schon in den Schulen. „Auch im Dorf ist das so, dass jeder etwas besonders gut kann, und zwar besser als jeder andere“, sagt er.

In der Winzergenossenschaft, dem wirtschaftlichen Herzen von Mayschoß, sei das auch so. Auch da könne jeder etwas besonders gut: verkaufen, mit Menschen umgehen, im Weinberg arbeiten. „Solange wir uns vernetzen, sind wir unschlagbar“, ist der Bürgermeister überzeugt. „In der Genossenschaft werden alle Kompetenzen, die man braucht, zusammengeführt. Ich bin der Meinung, dass wir noch Chancen ohne Ende haben“, blickt er zuversichtlich in die Zukunft.

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