Direktor am Sinziger Rhein-Gymnasium: Kapitän Lehmann verlässt das Schulschiff

Direktor am Sinziger Rhein-Gymnasium : Kapitän Lehmann verlässt das Schulschiff

350 Gäste verabschieden am Sinziger Rhein-Gymnasium den dienstältesten Direktor im Kreis Ahrweiler.

Ist doch klar, dass an einer Schule, die keinen Wandertag, sondern eine Schiffstour auf dem Rhein unternimmt, nicht der Schulleiter, sondern der Kapitän von Bord geht. Und damit Dieter Lehmann (61) es richtig schwer fiel, das Ruder des Rhein-Gymnasiums Sinzig (RGS) nach 21 Jahren loszulassen, demonstrierte ihm gestern seine komplette Besatzung mit 850 Seeleuten und 65 Mann Deckpersonal beim Abgang von der Brücke, welche Vielfalt er künftig vermissen wird.

Fast 350 Gäste – darunter Bundestagsabgeordnete Mechtild Heil, die Landtagsabgeordneten Guido Ernst, Marcel Hürter und Wolfgang Schlagwein sowie Landrat und Schiffseigner Jürgen Pföhler und die Kreistagsfraktionsvorsitzenden – folgten der Einladung, um dem Mann, der seit 1995 durchs Meer der Bildungspolitik steuerte, Lebewohl zu sagen.

Wer als Nachfolger den Anker werfen wird, steht noch nicht fest. In der Vakanz übernimmt der erste Offizier Alfred Fries die Kommandozentrale, unterstützt vom zweiten Offizier Antje Hinrichs, die mit launigen Worten durch das mehr als dreistündige Programm auf der MS „RGS“ führte. „Ich durfte Maat und Bootsmann sein, dann erster Offizier. Ich habe Sie als einen Menschen kennengelernt, dessen Tun und Handeln im Einklang mit seinen Worten stand“, so Fries.

„Wenn zwee Pälzer Buwe johrelang mit em Bus zum Helmholtz-Gymnasium no Zweebrigge gefahr sinn“, dann kann es durchaus Jahrzehnte später passieren, dass der eine als Staatssekretär im Bildungsministerium den anderen als Schulleiter verabschiedet. Hans Beckmann sagte seinem Freund persönlich Adieu und ließ die Stationen seines beruflichen Lebens im Beisein von Ehefrau Liz und den beiden erwachsenen Söhnen Revue passieren. „Das RGS genießt einen ausgezeichneten Ruf im Kreis Ahrweiler. Das war nicht immer so. Du hast mit Deinem pädagogischem Konzept und Projekten wie Trainingstagen oder Berufs- und Studienwahlkonzept Zeichen gesetzt.“

Hausherr Pföhler ergänzte, dass es Lehmann als „Pädagogen durch und durch“ immer wichtig war, Bildung, Eigenverantwortung und Sozialkompetenz zu vermitteln. Ihm sei es gelungen, in der Wettbewerbssituation dem Gymnasium ein eigenes Profil zu geben, unter anderem auch seit 17 Jahren mit dem „Forum Zukunft“.

Sechs Millionen Euro habe der Kreis in den vergangenen zehn Jahren in Neubau von Räumen, Sanierung des Gebäudes oder die Ausstattung der naturwissenschaftlichen Fachbereiche gesteckt. Um künftig gestärkt die Hobbys Wandern und Kommunalpolitik betreiben zu können, überreichte Pföhler den Jubiläumswein zum 200-jährigen Bestehen des Kreises.

Den dienstältesten Schulleiter im Kreis verabschiedete auch Madeleine Dazert-Balthasar, Sprecherin der Bezirksdirektorenkonferenz. „Sie waren Teil unserer Flotte, in diesen bewegten Zeiten werden wir Sie vermissen.“ Das ging auch Elke Esper so, die für die Schulen im Stadtgebiet sprach und mit ihren Kollegen das Lehmann-ABC von A wie „ansprechbar“ bis Z wie „zu guter letzt“ vortrug.

Walking-Stöcke gab's vom Kollegium, für das Susanne Gaul und Silvia Heimermann bewegte Bilder der Ära auf die Leinwand brachten. Während Schülersprecherin Jessica Lein fand „es war nicht immer einfach mit Ihnen, aber unsere Kritik und Ideen wurden wahrgenommen“, freute sich Elternsprecher Carlos De Almeida darüber, „dass der Rentner ein voll funktionsfähiges Schiff hinterlasse“.

Nach vielen Darbietungen war es an einem bewegten Kapitän, die Signalflagge zu hissen und abzumustern. „Auf dem Schulschiff herrschte wahrlich kein Mangel an Komplexität, eher eine Vielfalt an Themen und eine dichte Abfolge an Entscheidungen“, so Lehmann, der allen Weggefährten dankte.

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