Mühlenbachstraße in Sinzig: Investor plant Neubau für sechs Millionen Euro

Mühlenbachstraße in Sinzig : Investor plant Neubau für sechs Millionen Euro

In Sinzig soll an der Mühlenbachstraße ein neues Wohn- und Geschäftshaus entstehen. Dafür hat die Nova Investment Management GmbH mit Sitz in Köln ein Grundstück von 3866 Quadratmetern Größe gekauft.

Bebaut mit insgesamt fünf Häusern, drei zur Mühlenbachstraße hin, zwei zur Barbarossastraße hin und mittig gelegen die alte Sinziger Druckerei. Hinter der Nova steht Manijeh Pischnamazzadeh, die vor Ort durch Projektentwickler Markus Wahl aus Bad Neuenahr vertreten wird.

Dieser hatte beim Abschluss des Kaufvertrages vor gut zehn Wochen mit Hermann und Peter Krupp erklärt: "Wir beginnen nun mit der Planung, stellen den Bauantrag und leiten damit das Genehmigungsverfahren ein. Hierbei wird auch die Stadtentwicklung eng eingebunden sein. Dann erfolgt der Abriss und schließlich der Neubau."

Ein Verkauf hatte seit 2009 für rund 800.000 Euro in Rede gestanden. Der genaue Kaufpreis ist nicht bekannt. Bekannt werden soll hingegen, dass sich der Verein zur Förderung der Denkmalpflege und des Heimatmuseums in Sinzig um seinen Vorsitzenden Karl-Friedrich Amendt um das Stadtbild sorgt. Das erklärten Amendt, Vize Matthias Röcke und der Gründungsvorsitzende des Vereins, Volker Gringmuth, im Gespräch mit dem General-Anzeiger.

Nach Auskunft der Stadt Sinzig, besteht für das Häuserensemble Mühlenbachstraße 36 bis 40 kein Denkmalschutz, auch sind seitens Nova noch keine Pläne oder Anfragen eingereicht worden. Daher könne keine Stellungnahme abgegeben werden. Bürgermeister Wolfgang Kroeger ist in Urlaub.

"Der richtige Zeitpunkt, um auf die Denkmalwürdigkeit zumindest des Hauses Mühlenbachstraße 40 hinzuweisen", erklärte Röcke. Das Gebäude im "nachgemachten Barock" stamme aus dem Jahr 1820, die beiden Nachbarhäuser aus den 1880er-Jahren.

Amendt: "Zwar steht keines der Häuser unter Denkmalschutz, sie bilden aber zusammen mit den gegenüberliegenden Häusern ein erhaltenswertes, für das Stadtbild prägendes Ensemble in einer Denkmalzone, für das eine Unterschutzstellung per Satzung möglich ist."

Das sagt der Investor

Stadtbildprägend seien auch die Häuser Barbarossastraße 50 und 52. Amendt und seinen Mitstreitern geht es jetzt darum, "möglichst konfliktfrei ein maximales Ergebnis zu erzielen". Das bedeutet im Klartext: Erhalt der Häuser. Gegen den Abriss der alten Druckerei haben die Denkmalfreunde keine Einwände. Röcke weiß aber auch, "dass wir nur appellieren können, fordern geht nicht".

Es gehe um ein Abwägen von maximal und minimal. Und den "kleinsten gemeinsamen Nenner" sehen die Denkmalfreunde im kompletten Erhalt des Hauses Mühlenbachstraße 40, in dessen Parterre die Buchhandlung Walterscheid residiert.

Dieses Gebäude werde bereits bei Paul Clemen "Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz" (erschienen 1938) und vom Standardwerk für Denkmalpflege des Kunsthistorikers Georg Dehio (1850 bis 1932) für das Sinziger Stadtbild positiv erwähnt.

Der Verein zur Förderung der Denkmalpflege vermisst laut Amendt aktuell in Sinzig eine Erhaltungssatzung und eine Gestaltungssatzung. Daher weist er auf die für eine Bebauung notwendige Änderung für eine Bebauung hin. Da habe jeder Bürger das Recht, Anregungen zu äußern.

"Appellieren, nicht fordern"

Der Verein wolle dieses tun. Räumt aber auch ein, mit Nova oder einem Vertreter des Investors bis dato nicht gesprochen zu haben. "Wir wollen zuerst Rathaus, Politik und Bürger sensibilisieren", kündigte Amendt den Kurs an. Daher, so Röcke, "appellieren wir und fordern nicht".

Es gehe darum, bei der anstehenden Baugenehmigung den Ensemblegedanken "bei einer Lösung einzubeziehen und insbesondere das Haus Nummer 40 zu erhalten". Amendt: "Es liegt in der Hand der Stadt, das Ensemble per Satzung zu schützen. Ein Totalabriss würde für das Stadtbild einen unwiederbringlichen Verlust bedeuten."

Darüber hinaus vermisse der Verein ein "Gesamtkonzept für diesen sensiblen Bereich wie auch für die gesamte Innenstadt, das Einzelhandel, Verkehr, Umwelt, Grünanlagen und Denkmalschutz miteinander in Einklang bringt".

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