Für mehr Ruhe und Sicherheit: In Sinzig bildet sich ein kriminalpräventiver Rat

Für mehr Ruhe und Sicherheit : In Sinzig bildet sich ein kriminalpräventiver Rat

Der schöne Sommer brachte in den Sinziger Parks viele spontane Feten mit Lärm und Müll mit sich. Ein "Krimirat", in dem unter anderem auch Bürger mitarbeiten, soll beratend und vernetzend für mehr Sicherheit sorgen. Auch die Schulen sollen mit ins Boot.

In Sinzig hat sich ein kriminalpräventiver Rat gebildet. Das ist das Ergebnis einer Einwohnerversammlung, zu der am Montagabend rund 50 Bürger ins Rathaus gekommen waren. Im neuen Gremium mitarbeiten werden als institutionelle Mitglieder Ortsvorsteher Gunter Windheuser, Aktivgemeinschaftschef Reiner Friedsam und Petra Klein, Chefin des Hauses der offenen Tür. Auch die Sinziger Schulen sollen mit im Boot sein. Zudem erklärten fast 20 Bürger ihre Bereitschaft zur Mitarbeit und hinterließen ihre Kontaktdaten im Rathaus.

Konkret seine Arbeit aufnehmen soll der Rat am Mittwoch, 14. November, wenn er sich im Rathaus um 19 Uhr zu seiner konstituierenden Sitzung trifft. Als wahrscheinlich gilt schon jetzt, dass sich dann ein Arbeitskreis „Schlosspark“ bilden wird.

In seiner Einführungsrede hatte Bürgermeister Andreas Geron betont, dass der neue Rat keine rechtsverbindlichen Entscheidungen treffen könne, sondern vor allen Dingen beratend und vernetzend wirken soll. Geron hatte auch klargemacht, dass die Stadt personell und finanziell an ihre Grenzen stößt, wenn es etwa darum ginge, die Ortspolizeibehörde oder das Ordnungsamt weiter aufzustocken. Der in Sinzig zurzeit tätige Sicherheitsdienst koste die Stadt pro Jahr bereits 50 000 Euro.

Diskussionsrunde im Rathaus

Thomas Auler vom Innenministerium in Mainz prägte nicht nur dem Begriff „Krimirat“, sondern erläuterte auch die Arbeitsweise. Er betonte, dass Kriminalprävention nicht nur die Aufgabe staatlicher Behörden sein könne, sondern eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung sei. Nach seiner Erfahrung könnten schon kleine bauliche Veränderungen wie eine helle Lampe oder das Zurückschneiden von Hecken sogenannte Angsträume in der Stadt abbauen. Es gehe im Grundsatz um das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger.

Mit auf dem kleinen Podium im Sinziger Ratssaal saßen Henrik Klar von der Polizeiinspektion Remagen, Ordnungsamtschef Günther Lohre und sein Mitarbeiter Tim Palm. Auler und Geron freuten sich über die große Bereitschaft der Sinziger zur Mitarbeit.

In der Diskussionsrunde im Ratssaal machten die Sinziger Bürger zunächst aber ihrem Frust Luft. So brachte der schöne Sommer in den Sinziger Parks viele spontane Feten mit sehr viel Lärm und noch mehr Müll mit sich. Auch die Parksituation in der Innenstadt war wiederholt Thema, das dringend der Verbesserung harre.

Beschwerde-Mails im Sommer

Obwohl vor allem für die Anlieger die Themen mit vielen Emotionen besetzt waren, blieb der Meinungsaustausch im Ratssaal in sachlichen Grenzen. Und etliche Teilnehmer erkannten wohl die Chance, die ein kriminalpräventiver Rat mit intensiver Vernetzung und wirkungsvoller Zusammenarbeit zwischen Behörden und Bürgern bieten kann.

Auler warnte indes davor, zu schnell zu viele Erwartungen zu haben. Nach seinen Erfahrungen stellten sich nach viel Kleinarbeit die ersten sichtbaren Erfolge erst nach einem Zeitraum von zwei bis drei Jahren ein. Auler betonte aber auch immer wieder, dass gerade die Bürger am besten wüssten, wo sie der Schuh drückt.

Geron hatte in seiner Einführungsrede aus Beschwerde-Mails zitiert, die ihn während des Sommers erreicht hatten. Außerdem zitierte er aus dem jüngsten Protokoll der Sinziger Ortsbeiratssitzung. Dort heißt es im Wortlaut: „Die einfache Lösung gegen Ruhestörungen, der Abbau von Bänken und Tischen, wurde nicht als Patentlösung gesehen. Umsetzbare Lösungsvorschläge gab es allerdings keine.“ Eine Erkenntnis, die die Situation in Sinzig gut widerspiegelt.

Zum Hintergrund: Die Stadt hatte jüngst eine Bank-Tisch-Kombination, die von den „rüstigen Rentnern“ mit viel Liebe und Arbeit errichtet wurde, abgebaut. Es gab dort in den lauen Sommernächten lange und laute Feiern, die den Anliegern den Schlaf raubten. In Sinzig setzt man nun darauf, dass der neue Rat Lösungen findet.

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