Creditshelf: Fintechs auf dem Vormarsch

Creditshelf : Fintechs auf dem Vormarsch

So genannte Fintechs, digitale Finanzdienstleister, halten Einzug auch in die Mittelstandsfinanzierung. Eines von ihnen ist der digitale Kreditmarktplatz Creditshelf.

Dabei handelt es sich um eine Plattform, über die kurzfristige Unternehmenskredite an mittelständische Unternehmen vermittelt werden. Die Plattform wurde Ende 2014 in Frankfurt gegründet und richtet sich ausschließlich an professionelle Kreditnehmer und Investoren. Die Plattform wurde 2016 mit dem Frankfurter Gründerpreis ausgezeichnet.

Sie funktioniert so: Ein regis-triertes Unternehmen übermittelt seine Kreditanfrage, die von Mitarbeitern der Plattform geprüft wird. Creditshelf verspricht eine Projektfreigabe und bietet das Kreditprojekt Investoren an, die bei Creditshelf akkreditiert sind. Per Auktion kommen die Investoren dann zum Zuge.

Noch dominieren Bankkredite

Um einmal zu schauen, wie die Nachfrage im deutschen Mittelstand nach solchen Modellen aussieht, hat das Digitalunternehmen selbst Ende 2015 insgesamt 106 Finanzentscheider aus mittelständischen Industrie-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen zusammen mit der TU Darmstadt danach befragt. Als „Finanzierungsmonitor 2016 – Kurzfristige Kredite im deutschen Mittelstand“ publizierte Creditshelf die Ergebnisse Ende Juni. Danach finanzieren neun von zehn mittelständischen Unternehmen in Deutschland ihre Ausgaben für das laufende Geschäft nach wie vor überwiegend über Bankkredite. Günstige Konditionen stünden dabei weniger im Vordergrund als die schlichte Gewohnheit. Befragt nach den Gründen, hätten 91 Prozent der Betriebe geantwortet, man entscheide sich für die Kreditfinanzierung über die Hausbank, weil es „gängige Praxis“ sei.

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Mut zu Neuem gefragt

Auch das enge Verhältnis ist für 90 Prozent der Unternehmen zentral für die Wahl des traditionellen Finanzierungswegs. Allerdings seien „längst nicht alle Mittelständler völlig mit dieser Praxis zufrieden. Mehr als ein Drittel der von uns befragten Unternehmen sieht vor allen Dingen den Kostenfaktor kritisch“, erklärt Creditshelf-Geschäftsführer Dr. Tim Thabe. „Besonders in der Industrie klagt man über zu hohe Kreditzinsen bei der Betriebsmittelfinanzierung über die Bank.“ Bei diesen Unternehmen sei außerdem die Unzufriedenheit mit den Vergabewegen besonders ausgeprägt. Jeder Dritte der industriellen Mittelständler bemängele die Bürokratie der Banken, etwa ebenso vielen gehe es außerdem nicht schnell genug.

Neben dem gewachsenen Verhältnis zur Hausbank dürfte vor allen Dingen geringe Erfahrung mit anderen Finanzierungsmöglichkeiten der Grund sein, warum viele Unternehmen trotz Unzufriedenheit weiter auf den Bankkredit setzen, glaubt man bei Credtishelf. In der Befragung hätten sich rund zwei Drittel davon überzeugt gezeigt, es gebe keine geeigneten Alternativen. „Mit ihrer Einschätzung hinken Mittelständler damit der Marktentwicklung hinterher“, bewertet dies indes Prof. Dr. Dirk Schiereck von der TU Darmstadt, der die Studie wissenschaftlich begleitet hatte. „Mittlerweile haben sich auch im B2B-Bereich Fintech- beziehungsweise Peer-to-Peer-Kreditplattformen etabliert, die zur Finanzierung kurz- und mittelfristiger Investitionen gerade für mittelständische Unternehmen geeignet sind.“

Ergänzen statt konkurrieren

Das Verhältnis zwischen diesen neuen Anbietern und traditionellen Banken müsse nicht unbedingt durch Konkurrenz geprägt sein, betont man bei Creditshelf. So seien beispielsweise die in der Betriebsmittelfinanzierung gefragten unbesicherten Kredite in aller Regel höchst unattraktiv für die Hausbank, da sie nach geltenden Regularien mit einer erheblichen Summe an Eigenkapital unterlegt werden müssen. Hier sei die Kooperation mit Fintechs geeignet, Kunden die gewünschte Leistung zu vermitteln und damit weiterhin das gewachsene Verhältnis zu pflegen.

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