Repertoire-Theater: Ein Wunschraum, der Träume wahr werden lässt

Repertoire-Theater : Ein Wunschraum, der Träume wahr werden lässt

„Die Pathologie“ - ein seltsamer Name für ein Theater. Aber wer jetzt an Leichenschau oder Kriminelles denkt, liegt falsch. „Die Pathologie“ ist das Theater unter dem beliebten Südstadt-Italiener „Pathos“ an der Ecke Schumannstraße/Weberstraße.

Der Gründer dieser intimen und wohl kleinsten Bühne Bonns hatte die wörtliche Bedeutung im Sinn: pathos = leidenschaftliche Ergriffenheit, logos = Wort, also die große Liebe zur Dichtkunst. Und die wird hier ganz weit gefasst: Das Repertoire reicht von Unterhaltsamem, wie „Rhein, Weib und Gesang“ über Adaptionen von klassischer Literatur wie etwa „Das Fräulein von Scuderi“ von E.T.A. Hoffmann, das im September Premiere feierte, bis hin zu Collagen, szenischen Lesungen zu aktuellen Ereignissen und Experimentellem.

Das Herz des Theaters ist Maren Pfeiffer, Schauspielerin mit Leib und Seele, der die Lust am Spiel und am Gestalten aus den Augen blitzt. Sie ist von Anfang an dabei - 16 Jahre - und hat seit 2009 die künstlerische Leitung. Das heißt, dass sie weiterhin selbst spielt, auch inszeniert und ausstattet, Programme schreibt und vor allem mit ihrem Ensemble aus 25 ausgebildeten Schauspielern neue Ideen zu Stücken entwickelt, die in dem einfachen schwarzen Raum zum Leben erweckt werden. „Es ist unser Wunschraum, hier können wir unsere Träume wahr werden lassen“, schwärmt sie und schüttelt die braunen Locken.

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Inzwischen ist die Pathologie als Repertoire-Theater etabliert, spielt fünf- bis sechsmal pro Woche, immer um 20 Uhr, und arbeitet mit der Theatergemeinde Bonn zusammen. Die Abonnenten der Pathologie sind quasi ihre Sicherheit – es gibt keine Fördermittel.

Man kann die Vorstellungen auch für einen Hausbesuch buchen - eine besondere Art, Geburtstag zu feiern. Das Publikum ist bunt gemischt und schätzt die Nähe zu den Schauspielern. Maren Pfeiffer: „Manchmal bleiben die Leute am Ende einfach sitzen, und wir reden dann gemeinsam über das Stück.“

Hingerissen von Fräulein Scudéri

Man glaubt ihr, dass sie, die als 16-jährige Schülerin ihre erste kleine Rolle am Schauspiel Bonn bekam, „ohne Theater nicht leben“ könnte und bei ihrer Regiearbeit „weiß, wie es sich auf der Bühne anfühlt“. Es werde intensiv geprobt, vier bis sechs Stunden pro Tag, obwohl die Ensemble-Mitglieder alle auch andere Engagements haben: „Es muss ja gut werden.“ Und oft ist sie selbst ganz hingerissen von ihren Schauspielern, so von Martin-Maria Vogel in der Rolle des Fräulein Scudéri.

Auf die nächsten Premieren darf man schon gespannt sein: „Die lächerliche Finsternis“ am 13. Oktober, „Der kleine Prinz“ am 9. November und „Frida Kahlo“ am 17. November. Da es nur 25 Plätze gibt, empfiehlt es sich, insbesondere am Wochenende, Karten vorzubestellen. Maren Pfeiffer augenzwinkernd: „Aber man kann auch ganz spontan vorbeikommen.“ (ldb)

Die Pathologie
Weberstraße 43
Kartentelefon: 02 28/22 23 58

www.theaterdiepathologie.de

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