Die Glasmalerei erhalten

Die Glasmalerei erhalten

Zum Artikel "Römischer Travertin für die Fassade" vom 21. Januar.

Der "römische Travertin" der zukünftigen Fassade des Sparkassen-Neubaus am Friedensplatz ist nicht "einmalig in Bonn". Seit Ende der sechziger Jahre gibt es ihn schon am damaligen Neubau des Viktoriabades: einerseits an der Fassade des Hallenbades am Belderberg mit seiner in die Travertinfläche wie in einen überdimensionierten Bilderrahmen eingefügten einzigartigen Monumental-Kunstharz-Glasmalerei von Wilhelm Jungherz und dem großen Architekten Professor Gottfried Böhm als Erfinder dieser Glasmalerei-Technik; andererseits am ehemaligen Heilbädertrakt, dem heutigen Stadtmuseum mit seiner eindrucksvollen Travertinfassade und der Wandskulptur von Ferdinand Ris.

Es ist absolut sicher, dass der Architekt des Viktoriabads, Goswin Weltring, mit der Auswahl des kostbaren, ästhetisch schönen Baustoffs dem benachbarten Kurfürstlichen Schloss seine Reverenz erwies, andererseits damit eine Verbeugung machte vor der namengebenden Kaisertochter Viktoria, die in Bonn wohnte und studierte. Ihr Name schmückte deshalb das erste - 1906 in romanisierenden Formen erbaute - Hallenbad, das nach Beschädigung während des Zweiten Weltkriegs abgerissen wurde.

Gut, dass Herr Laufer, Geschäftsführer der Probonnum GmbH, auf die römische Tradition Bonns verweist. Anzunehmen ist, dass schon der Architekt Weltring diesen Zusammenhang sah. Gute Gründe also, in Verwaltung und Rat einen Denkprozess anzustoßen mit dem zwingenden Ergebnis, um nicht - wie geplant und schon in Angriff genommen - den römischen Travertin zusammen mit der kunsthistorisch wichtigen Glasmalerei bei Abriss und Neubebauung des gesamten sogenannten Viktoriakarrees auf die Abraumhalde zu werfen.

Stattdessen, sollten die Travertinfassaden mitsamt der einzigartigen Glasmalerei in seiner kostbaren Travertinumrahmung und dem Baudenkmal des Stadtmuseumsgebäude für die Stadt und ihre Bürger erhalten bleiben!

Gerhard Geiß, Bonn

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