Bluttat vor Supermarkt: Der Messerattacke in Sinzig ging ein Raub voraus

Bluttat vor Supermarkt : Der Messerattacke in Sinzig ging ein Raub voraus

Zwei Jugendliche aus Sinzig wurden bereits kurz vor der tödlichen Messerattacke auf einen 33-Jährigen auf einem Bolzplatz in Tatortnähe von vier Angreifern attackiert, bedroht und verletzt. Alle vier sitzen in Untersuchungshaft.

Gut eine Woche nach der Messerattacke auf dem Parkplatz des Sinziger Rewe-Marktes, an deren Folgen ein 33-Jähriger verstarb, kristallisiert sich für die ermittelnde Koblenzer Staatsanwaltschaft heraus, dass es bereits kurz zuvor einen tätlichen Übergriff auf zwei Jugendliche gab. Darin wohl verwickelt: Der 18-jährige Tatverdächtige, der eine Stunde später dem aus dem Kosovo stammenden 33-jährigen Opfer mit einem Jagdmesser einen Stich ins Herz versetzte und seit der Tat wegen des dringenden Verdachts des Totschlags in Haft sitzt.

Demnach sollen vier Tatverdächtige eine Stunde vor dem mutmaßlichen Tötungsdelikt zwei Jungen aus Sinzig, die sich auf dem Bolzplatz gegenüber des Rewe-Parkplatzes aufhielten, mit einem Messer bedroht haben, um an Geld zu gelangen. Wie der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Koblenz, Thorsten Kahl, auf GA-Nachfrage bestätigte, „soll es hierbei auch zu körperlichen Übergriffen zum Nachteil der Jungen gekommen sein, die Verletzungen nach sich gezogen haben sollen“.

Verdacht der schweren räuberischen Erpressung

In Sinzig macht die Runde, dass einer der Jungen beim Abwehren einer Attacke von einem Messerstich verletzt wurde. Zwei der vier Aggressoren zwangen ihn dann, zu einem Geldautomaten in der Innenstadt zu gehen und Geld abzuheben. Mit mehreren hundert Euro Beute gingen die Angreifer mit dem Jungen zurück, wo die anderen beiden Männer mit dem zweiten Jungen warteten. „Den Sachverhalt hinsichtlich des vermeintlichen tätlichen Übergriffs im Vorfeld des Tötungsdeliktes kann ich dem Grunde nach bestätigen“, so Staatsanwalt Kahl.

Es bestehe nun gegen die vier Verdächtigen – zwei Heranwachsende und zwei Erwachsene – der dringende Tatverdacht unter anderem wegen der gemeinschaftlichen besonders schweren räuberischen Erpressung. Bestätigt wird auch, dass es sich bei einem dieser Männer um den 18-jährigen Tatverdächtigen des späteren Tötungsdeliktes handelt, der die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt. Kahl: „Gegen alle Tatverdächtigen wurde antragsgemäß Haftbefehl erlassen, so dass sie sich in Untersuchungshaft befinden.“

Zahl der Gewaltdelikte geht zurück

Der für Sinzig zuständige Leiter der Polizeiinspektion (PI) Remagen, Ralf Schomisch, betonte auf GA-Nachfrage, dass die objektiven Zahlen in Sachen Gewalttaten keinen Anlass dafür geben, dass Sinzig gefährlicher ist als noch vor zwei oder drei Jahren. „Ja, es gab einen schlimmen Vorfall und auch möglicherweise einen zweiten, der im Zusammenhang steht, aber Fakt ist, dass die Zahlen der Gewaltdelikte seit Jahren kontinuierlich zurückgehen“, so Schomisch. Es sei falsch zu sagen, dass sich die Kriminalität in Sinzig aufbaue, verändere oder verlagere. Positiv bewertete er den Umstand, dass die agierenden Personen zeitnah festgenommen und inhaftiert werden konnten. „Viel schlimmer wäre es, wenn die Bevölkerung Angst vor einem unbekannten Täter haben müsste, der mit einem Messer durch die Gegend läuft.“

„Es gibt in allen Städten dunkle Punkte, Orte, an denen Drogen konsumiert werden. Die kennen wir auch, beispielsweise in Sinzig den Schlosspark. Diese Punkte wollen wir mit dem gegründeten Kriminalpräventiven Rat angehen. So könnten planerische Mittel dazu beitragen, Örtlichkeiten anders zu gestalten und auch das Zeugenverhalten zu verbessern“, so der Remagener PI-Leiter, der im März die Kriminalstatistik 2018 vorstellen wird.

Nach der schlimmen und Aufsehen erregenden Tat gelte es nun, die gefühlte und die objektive Wahrnehmung von Sicherheit in Einklang zu bringen.