Kreuz restauriert: Das Ende der Odyssee

Kreuz restauriert : Das Ende der Odyssee

An seinem neuen Platz zwischen den beiden mächtigen Lindenbäumen gegenüber dem Vischeler Schloss hat das große historische Kreuz vom Waldrand einen neuen und hoffentlich sicheren Standort gefunden.

Denn nachdem der überlebensgroße Christus-Korpus im Januar 2012 von den alten Balken montiert und gestohlen worden war, hatte sich die Dorfgemeinschaft Berg ins Zeug gelegt, einen besseren Standort für das christliche Symbol gesucht und Geld für eine neue Figur beschafft. Eingesegnet wird das Ensemble bei der Sternwallfahrt nach Vischel am Sonntag, 28. September, 10.30 Uhr.

Mit dem Diebstahl hatten die Unbekannten Vischel um einen Teil seiner Historie gebracht. Denn das mehr als vier Meter hohe Kreuz, von der Optik her ein Flurkreuz mit Dach, das zuletzt am Waldrand in der Gemarkung "Kuhweide" gestanden hatte, ist dem Vernehmen nach uralt. Es soll ein Gerichtskreuz gewesen sein, das zwischen zwei Lindenbäumen vor der Apsis der Vischeler Pfarrkirche gestanden hat, dem Gerichtsplatz für die umliegenden Orte.

Das Kreuz musste weichen, nachdem der Kirchenvorstand und der Gemeinderat dem Anbau einer Grabkapelle an die Pfarrkirche zugestimmt hatten, gerade da, wo Linden und Kreuz standen. In der Gruft fand der 1902 mit nur 27 Jahren verstorbene Reichsgraf Dietrich Wolf Metternich eine letzte Ruhestätte. Sein Wunsch war es gewesen, als Erbe des Gutes Vischel dort an der Kirche beerdigt zu werden. Im Jahre 1904 war die Begräbnisstätte vollendet, die Linden waren gefällt, das Kreuz hatte einen neuen Platz auf dem Friedhof erhalten - zu Ehren der Gefallenen. Von dort musste es weichen, als 1924 ein Ehrenmal für die 33 im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten aus der Gemeinde errichten wurde.

Das Kreuz fand einen neuen Platz etwa 200 Meter entfernt am Waldrand, wo bis in die 1950er Jahre auch regelmäßig ein Fronleichnamsaltar errichtet wurde. Nach Erzählungen soll dort auch der Lieblingsplatz des jungen Grafen Metternich gewesen sein, berichtet Helmut Kündgen. Er ist Vorsitzender der Dorfgemeinschaft Berg.

Der Diebstahl geschah gerade zu einer Zeit, als die Dorfgemeinschaft beabsichtigte, das Kreuz restaurieren zu lassen. "Der Korpus war mit langen Eisennägeln befestigt, die waren vermutlich marode, so konnte die Figur wohl leicht abgenommen werden", berichtet Kündgen. Trotzdem müssten mehrere starke Männer beteiligt gewesen sein, denn die schwere, überlebensgroße Figur war nur mit Mühe von dem damals unwegsamen Gelände wegzuschaffen.

Am neuen Standort ist das Denkmal wieder komplett. Die schweren alten Eichenbalken haben einen neuen dunkelroten Anstrich erhalten - wie überliefert. Das Dach ist mit Schindeln und einer Aluminiumleiste vor Verwitterung geschützt, die neue 1,60 Meter hohe Christusfigur kann nicht abgeschraubt werden. Etwas geringer ist nur die Höhe, da der Stamm unten marode war und gekürzt werden musste. Jetzt ist das Holz auf Eisenstützen vor Nässe geschützt.

Kündgen dankt allen, die bei der Sanierung geholfen haben. Ehrenamtlich hat Schreinermeister Günter Phiesel das Holz aufgearbeitet. Jürgen Hänel hat das Dach hergerichtet. Mit Geld beteiligt haben sich der Kreis, die Kreissparkasse Ahrweiler, die Raiffeisenbank Rheinbach. Schließlich floss der Erlös von der Martinskirmes in das Projekt, und den Rest hat die Dorfgemeinschaft aufgebracht.

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