Dorfgespräch: Burg Are faszinierte Georg Knieps schon als Kind

Dorfgespräch : Burg Are faszinierte Georg Knieps schon als Kind

Er wuchs quasi neben den Ruinen von Burg Are auf. Seit Kindertagen fasziniert ihn das Gemäuer. Der frühere Bürgermeister Georg Knieps setzt sich seit nunmehr rund 30 Jahren für die Ruine oberhalb von Altenahr ein, flankiert von zahlreichen Ehrenamtlichen.

Hoch aufragende Ruinen mit hohlen Fensteröffnungen thronen auf dem Altenahrer Burgberg. Abends setzen Scheinwerfer die Reste der einst herrschaftlichen Burg in geheimnisvolles Licht, und wenn unten im Ort gefeiert wird, leuchten die steinernen Zeugen vergangener Zeiten mitunter rot angestrahlt in die Nacht. Georg Knieps (69) ist in Altenahr geboren und sozusagen neben den Resten der Burg Are aufgewachsen. Seine Mutter verwaltete das weitgehend überwucherte Areal für die Erbengemeinschaft Tepel aus Dortmund. Knieps erinnert sich: Man musste 50 Pfennig Eintritt bezahlen, und oben wurden Ansichtskarten sowie Limo und Süßigkeiten verkauft.

„Die Ruine hat mir seit meiner Kindheit am Herzen gelegen“, begründet Knieps sein Engagement für das Wahrzeichen des Ortes und der gesamten Verbandsgemeinde Altenahr. In seinen 17 Jahren als Orts-Bürgermeister, von 1987 bis 2004, trug er eine besondere Verantwortung dafür. Auch später ist er der Aufgabe treu geblieben und führt noch immer den im März 1997 gegründeten Förderkreis Burgruine Are. Sein Dank gilt dem damaligen Gemeinderat, der die Sanierung des Areals mit einstimmigen Beschlüssen vorangetrieben hat. „Für den Rat war klar, dass die Ruine erhalten werden muss“, sagt er.

Gutachten über den Zustand

Am Anfang stand ein Gutachten über den Zustand der Felsenlandschaft rund um Altenahr, das die Verbandsgemeinde, damals noch mit Hermann Heiser als Bürgermeister, in Auftrag gegeben hatte. Die Untersuchungen hatten weitgehenden Sanierungsbedarf ergeben. Sicherungsmaßnahmen für die B267, die unterhalb des Burgbergs verläuft, sowie für die Häuser an der Straße waren unumgänglich.

Gleichzeitig war der Ortsgemeinde daran gelegen, dass die Ruine für Bewohner und Gäste zugänglich sein sollte. Da hieß es erst einmal Geld auftreiben, Anträge schreiben. Die gingen ans Land Rheinland-Pfalz und an das Landesamt für Denkmalpflege, an die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, an den Kreis Ahrweiler, an die Verbandsgemeinde Altenahr und die Ortsgemeinde.

Nur: Das Areal war in Privatbesitz und von der Gemeinde lediglich gepachtet. „Wir haben damals gesagt, wenn wir da Geld reinstecken, muss die Burg auch der Gemeinde gehören“, erinnert sich Knieps. 1996 wurde der notarielle Vertrag besiegelt: Burg und Burgberg kamen als Schenkung an die Gemeinde Altenahr. Kurz darauf konnten die Sanierungsarbeiten beginnen. Insgesamt 1,8 Millionen Mark flossen in Maßnahmen zur Verkehrssicherung der B267 im Tal. Mit 65 Ankern wurden zunächst die Felsen stabilisiert.

Bröckelnde Mauer befestigt

Die bröckelnden Mauern von Palas und dem „Grauen Turm“ wurden befestigt, Fugen wurden mit einem auch ursprünglich verwendeten Mörtel aus Kalk, Sand und Lehm verfüllt. Damit war zwar die Verkehrssicherheit für die B267 gegeben, nicht aber die für das Plateau: Ein halb in der Luft schwebender Torbogen musste befestigt werden, die Fragmente der einstigen Burgkapelle, aus Sicht von Kunsthistorikern ist sie das bedeutungsvollste Element der gesamten Anlage, mussten instandgesetzt werden. Auch das gelang dank Spenden und Zuschüssen.

Allein 40.000 Euro hat der Förderkreis Burgruine zusammengebracht – ohne die unzähligen Stunden Hand- und Spanndienst der ehrenamtlichen Helfer. Angeleitet wurden und werden sie von Gemeindearbeiter Guido Görtz, der gelernter Steinmetz ist, und Gemeindearbeiter Willi Ley. Da wurden Mauern saniert, Geländer installiert, der Aussichtsturm hat ein neues Dach erhalten , zwei Toilettenhäuschen wurden gebaut, bronzene Infotafeln auf Deutsch und Englisch wurden angebracht, neue Scheinwerfer für die Beleuchtung und ein Kettenfahrzeug für den Materialtransport angeschafft. Es wurden Büsche geschnitten, Gras gemäht, eine alte Zisterne wieder ans Licht geholt. „Da kommen jedes Jahr einige hundert Arbeitsstunden zusammen“, weiß Knieps.

Weiterer Handlungsbedarf

Ein Gutachten hatte 2015 ergeben, dass in absehbarer Zeit auch Handlungsbedarf am unteren Torhaus, der Gymnicher Porz, besteht. Veranschlagte Kosten: 380.000 Euro. „Das kann der Förderkreis nicht stemmen, da muss die Gemeinde mit ins Boot, aber die hat kein Geld“, umreißt Knieps die Problematik. Seiner Meinung nach sollte aber zunächst der Zugang zum Areal von Haus Nummer 59 am Roßberg aus vernünftig hergestellt werden. Wären noch die „Burgmöbbele“, die den alten Brunnen ins Visier genommen haben. Als Kind kannte Knieps die bis auf etwa einen Meter zugeschüttete Einrichtung. Mit reiner Handarbeit haben Freiwillige vom jugendlichen bis zum mittleren Alter das Bauwerk bis 34 Meter Tiefe frei geschaufelt, zeitweise hat sich da auch Wasser gezeigt. „Jetzt wollen sie weiter graben“, sagt Knieps. Er ist seit 2005 Ehrenbürger seiner Heimatgemeinde. Den Förderkreis Burgruine Are hat der Kreis Ahrweiler 2003 mit seiner Ehrenplakette für ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet.

Schon bei Gründung des Vereins war die Resonanz groß, mittlerweile hat er 120 Mitglieder. „Wenn ich sonntags da oben bin, sind immer sechs bis sieben Leute da, die Gras mähen, Geländer streichen, Mauern ausbessern“, sagt Knieps. „Der Förderkreis ist stolz, dass er so viel geschafft hat, vor allem ist er stolz über die Anerkennung seiner Arbeit aus der Bevölkerung.“

Und seine Perspektive? „Wir wollen mit allen, die daran gearbeitet haben, weiter für die Ruine da sein und die Anlage erhalten.“