Syrer bekennt sich zu IS: Bundesanwälte: Terror-Motiv bei Kölner Geiselnehmer möglich

Syrer bekennt sich zu IS : Bundesanwälte: Terror-Motiv bei Kölner Geiselnehmer möglich

Die Bundesanwaltschaft hat nach dem Brandanschlag und der Geiselnahme am Kölner Hauptbahnhof die Ermittlungen übernommen. Sie sieht Anhaltspunkte für einen radikal-islamistischen Hintergrund der Taten.

Die Bundesanwaltschaft hat nach dem Brandanschlag und der Geiselnahme im Kölner Hauptbahnhof die Ermittlungen übernommen. Dem Beschuldigten, dem 55-jährigen Syrer Mohammad A. R., werden versuchter Mord in zwei Fällen sowie gefährliche Körperverletzung zur Last gelegt. Die Behörde sieht "zureichende Anhaltspunkte für einen radikal-islamistischen Hintergrund der Tat" und hat vor diesem Hintergrund die Ermittlungen übernommen.

Diese Anhaltspunkte ergeben sich laut einer Mitteilung unter anderem aus Zeugenangaben. Danach soll der Beschuldigte die Freilassung einer Frau (nach früheren Berichten einer Tunesierin) gefordert haben, deren Mann sich terroristisch betätigt haben soll. Zudem soll er geäußert haben, dass er Mitglied des sogenannten Islamischen Staates sei und zu diesem nach Syrien ausreisen wolle. Zudem stellte der Geiselnehmer laut Bundesanwaltschaft telefonisch verschiedene Forderungen, verlangte auch, nach Syrien zum "Islamischen Staat" (IS) ausreisen zu können.

Die Bundesanwaltschaft will nun insbesondere klären, ob der Beschuldigte das Attentat als Mitglied des IS oder einer anderen terroristischen Vereinigung begangen hat oder aber unmittelbar vor oder während der Tat zu einem Mitglied einer Terrororganisation in Kontakt oder unter deren Einfluss stand. Auch wird der Frage nachgegangen, ob bislang unbekannte Tatbeteiligte oder Hintermänner in die Tat eingebunden waren. Bisher gab es dazu keine Hinweise.

Mit dem Brandanschlag wollte der Täter offenbar möglichst viele Menschen treffen. Es sei großes Glück, dass nicht viel mehr Menschen verletzt worden seien, betonte der Kölner Kripochef Klaus-Stephan Becker am Dienstag. Zwei Stunden lang hatte sich der Täter am Montag nach dem Brandanschlag auf eine McDonald's-Filiale im Kölner Hauptbahnhof mit einer Geisel in einer Apotheke verschanzt, bevor die Polizei zugriff.

Der schwer verletzte Mann war am Dienstag nach einer mehrstündigen Operation außer Lebensgefahr. "Er liegt aber weiter im Koma", sagte Miriam Brauns, die stellvertretende Polizeipräsidentin von Köln. Der Mann habe noch nicht vernommen werden können. Gegen ihn erging ein Haftbefehl wegen versuchten Mordes in zwei Fällen und Geiselnahme. Mehrere Schüsse der Polizei hatten den 55-Jährigen bei der Erstürmung der Apotheke getroffen.

Bei seinem Anschlag auf das Fast-Food-Restaurant hatte der Mann große Mengen Benzin über den Boden gekippt. Eine Überwachungskamera hielt dies fest. Kurz darauf zeigt das Video eine dramatische Explosion: Man sieht nur noch einen einzigen grellen Feuerschein. Eine 14-Jährige erlitt schwere Verbrennungen. Nach der Tat ließ der Mann einen Koffer und eine Aktentasche mit Gaskartuschen und Brandbeschleuniger in dem Schnellrestaurant zurück, flüchtete in eine Apotheke und nahm dort eine Angestellte als Geisel.

Ein "Zufallsopfer" sei diese gewesen, davon ist Becker überzeugt. "Der eigentliche Tatplan war offensichtlich eine Brandlegung im McDonald's." Als der Täter die Frau mit Benzin übergoss, griff die Polizei ein.

Noch am Montag wurde die Wohnung des Syrers in einer Flüchtlingsunterkunft im Kölner Stadtteil Neuehrenfeld durchsucht. Dort entdeckte die Polizei weiteres Benzin. An der Wand fanden sich arabische Schriftzeichen, die sich zwar auf den Islam, nicht aber auf das Terrornetz "Islamischer Staat" beziehen. Sichergestellt wurden verschiedene Datenträger, darunter zwei Handys.

Der laut Polizei psychisch angeschlagene Syrer ist als Asylberechtigter anerkannt und besitzt eine Aufenthaltserlaubnis bis Juni 2021. In Deutschland lebte er nach Polizeiangaben seit 2015, fast ausschließlich in Köln. Seine Frau lebe noch in Syrien, sein Sohn und sein Bruder seien in Deutschland, teilte die Polizei weiter mit.

(Mit Material von dpa)