Verbandsgemeinde Altenahr: Bürgermeister Achim Haag geht in den Ruhestand

Verbandsgemeinde Altenahr : Bürgermeister Achim Haag geht in den Ruhestand

Achim Haag macht Schluss: Nach 24 Dienstjahren endet die Amtszeit des Altenahrer Verbandsbürgermeisters, der sich ehrenamtlich als Präsident der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) betätigt.

Die Tage für Achim Haag als Bürgermeister der Verbandsgemeinde Altenahr sind gezählt. Seine Dienstzeit endet offiziell am 30. Juni. „Das ist aber ein Sonntag“, sagt Haag, der am Tag der Kommunalwahl, 26. Mai, 64 Jahre alt wird, dem General-Anzeiger. „Also werde ich mein Büro schon freitags räumen.“

Dabei hätte sich der Jurist, der am 1. Juli 1995 seinen ersten Arbeitstag im Altenahrer Rathaus hatte, durchaus noch für eine weitere Amtsperiode bewerben können. Gefragt wurde er. Doch Haag hält es mit dem Kirchenvater Augustinus, den er gerne und oft zitiert: „Du musst gehen, wenn du gebeten wirst, zu bleiben.“

Daran hält sich CDU-Mann. „Politische Ambitionen“ habe er keine mehr, erklärt Haag, der sich so langsam mit dem Gedanken an einen Ruhestand, der ein Un-Ruhestand zu werden verspricht, anfreundet. „Ich habe 24 Jahre lang meinen Traum gelebt, nicht mein Leben geträumt“, bilanziert der Ehrenamtliche aus Leidenschaft seine fast ein Vierteljahrhundert dauernde Amtszeit, in der er zwei Mal für jeweils acht Jahre von den Bürgern zwischen Kalenborn und Cassel sowie Marienthal bis Hönningen wiedergewählt worden war.

Haag hat stets anerkannt, dass ein Verbandsbürgermeister eben nicht so viel Gestaltungsmöglichkeiten hat, wie ein Stadtbürgermeister: „Es ist Aufgabe eines Verbandsbürgermeisters die Interessen aller Kommunen nebst zugehörigen Dörfern unter einen Hut zu bringen.“ Kein leichtes Unterfangen, gibt es doch in der VG Altenahr durchaus verschiedene Strukturen und auch Mentalitäten. Die Höhengemeinden Richtung Vorgebirge, die Dörfer in den Seitentälern bis hoch in die Eifel und schließlich das Ahrtal. Und fast jedes Dorf hat seinen eigenen Dialekt. „Da kann man nur versuchen, Anregungen zu geben, Einfluss zu nehmen, aber das letzte Wort haben immer die Ortsgemeinden“, ist sich Haag der Schwierigkeiten seines Amtes bewusst: „Mal geht's, mal geht's eben nicht.“

Nicht jeder Ortsbürgermeister sei eben „pflegeleicht“, es gehe in einer Verbandsgemeinde um die Summe aller Kompromisse. „Das ist Politik im wahrsten Sinne des Wortes“, sagt Haag, der sich nie ärgern wollte, sondern sich lieber freute, wenn „seine“ Kommunen Zuschüsse oder Genehmigungen für ihre Projekte bekamen. Und auch wenn's mal wieder Preise im Landeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ gab. In den Dörfern war er oft unterwegs. So oft, dass Ehefrau Andrea Literski-Haag meistens erst aus der Zeitung erfahren hat, was der Grund des Fernbleibens ihres Gatten am Wochenende war. Das konnten Weinfeste ebenso gewesen sein wie Feuerwehrtagungen oder Veranstaltungen von Kitas, Vereinen oder Schulen. Denn von der Tourismusförderung bis zur Bildung und dem Hochwasserschutz reicht das Zuständigkeitsspektrum eines Verbandsbürgermeisters. Die Jugendarbeit nicht zu vergessen, die Haag „ein Herzensanliegen war und ist“.

Das alles gibt es nicht zum Nulltarif. „Da muss man schon rechnen können und auch wissen, wo man etwas bekommt“, greift Haag in seinen Erfahrungsschatz und nennt ein Beispiel. „Eine neue gebrauchte Drehleiter für die Feuerwehr ist zwar nicht neu, aber erfüllt ihren Zweck.“ Der Kommune ersparten solche Schnäppchen hohe Kosten. Und überhaupt hatten es ihm die Feuerwehren angetan, deren Ehrenmitglied er seit Neuestem ist. „Das ist ehrenamtliche Daseinsvorsorge, die gefordert und gefördert wurde“, sagt Haag, der auch im Ruhestand seine Uniform behalten darf. „Nur die Rangabzeichen mache ich ab.“

Bis Ende Juni ist er noch Chef von rund 60 Rathausmitarbeitern, die auch beim Abwasserwerk oder in Schulsekretariaten ihren Dienst versehen. „Ein beliebter Chef“, wie Mitarbeiter sagen. Vielleicht auch, weil Achim Haag es neben Augustinus auch mit Papst Johannes XXIII. hält: „Nimm dich selbst nicht so wichtig.“ So hielt er es auch mit den hauptamtlichen Bürgermeistern im Kreis Ahrweiler, deren Sprecher er seit 2002 ist.

Da klappte es auch mit einem interkommunalen Großprojekt. Denn der Ahrsteig führt gleich durch zwei Verbandsgemeinden und drei Städte. Bei der Tour de Ahrtal als Radfahrevent auf gesperrten Straßen mischen gleich zwei Bundesländer und drei Landkreise mit. Dies seit nunmehr 15 Jahren und mit Beteiligung von jeweils bis zu 15 000 Menschen. Wobei Haag beim sonstigen Tourismus erfreut feststellt, dass sich in seinen 24 Amtsjahren Quantität in Qualität verwandelt hat.

Was ihn wie ein Schneekönig freute: Mit Mandy Großgarten und Julia Bertram kamen in seiner Amtszeit gleich zwei Deutsche Weinköniginnen aus „seiner“ Verbandsgemeinde, nämlich aus Dernau. Und nur so ganz nebenbei gesteht er ein, dass er den jungen Damen vor ihren Fernsehauftritten „ein bisschen in Sachen Rhetorik zur Seite gestanden hat“.

Am 31. Mai wird er seiner Nachfolgerin, Cornelia Weigand, ihre Ernennung zum Stichtag 1. Juli übergeben. Die Einladung zur konstituierenden Sitzung des neuen Rates ist dann Weigands Sache. Zu der Zeit wird dann Haag mehr Zeit für seine Ehrenämter haben. Denn er ist Präsident der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft auf Bundesebene und Präsident des DRK im Kreis Ahrweiler. Für die DLRG wird er aber auch wieder Dienst als Bootsführer auf dem Laacher See schieben, wenn der Urlaub mit Ehefrau Andrea an der Nordsee vorbei ist. Und dann arbeiten die Haags zum ersten Mal zusammen: Denn sie ist Anwältin für Familienrecht, er Verwaltungsrechtler. Sein Antrag auf Zulassung läuft, sagte Haag, der nicht nach hinten, sondern nach vorne blicken will: „Alles hat seine Zeit.“

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