Landesgartenschau in Bad Neuenahr: Bad Neuenahr bekommt ein Inklusionshotel

Landesgartenschau in Bad Neuenahr : Bad Neuenahr bekommt ein Inklusionshotel

Bethel investiert 7,5 Millionen Euro in einen Neubau neben dem Bahnhof in Bad Neuenahr. Dort soll ein Hotel entstehen. Acht Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung sind vorgesehen.

Die Realisierung des Inklusionshotels, das im Bad Neuenahrer Max-Meier-Park entstehen soll und eines der Kernprojekte bei der Bewerbung in Mainz um die Landesgartenschau 2022 war, ist seit Freitag einen großen Schritt vorangekommen. Am Vormittag wurde im Rathaus der Erbpachtvertrag des städtischen Grundstücks von Bürgermeister Guido Orthen und Vertretern der von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel als Investor und Betreiber für zunächst 30 Jahre plus Verlängerungsoption auf 50 Jahre unterschrieben.

„Gerade weil die Landesgartenschau mit Blick auf die Nachhaltigkeit eine andere Landesgartenschau sein will - eine, die Bewusstsein bildet und den Menschen in seiner Ganzheitlichkeit im Fokus hat - sind wir dankbar, dass Bethel mit dem regionalen Motor Kay Andresen als Geschäftsführer der neuen 'Bethel Hotel Zum Weinberg gGmbH' das Projekt umsetzt und betreibt“, so Orthen beim Pressegespräch im Beisein der Protagonisten.

Bethel investiert in das Projekt 6,7 Millionen Euro

Bethel hatte sich anlässlich der Neugestaltung des Bahnhofsumfeldes mit einem Wettbewerbsbeitrag zu diesem Inklusionshotel, in dem acht Vollzeitarbeitsplätze für Menschen mit Behinderungen entstehen, beworben und den Zuschlag erhalten. In den Neubau investiert Bethel 6,7 Millionen Euro, für Einrichtung und Ausstattung werden weitere 750.000 Euro in die Hand genommen. Nicole Berghaus und Volker Michalowicz vom gleichnamigen Architektur- und Ingenieurbüro in Neuwied, die schon das „Hospiz im Ahrtal“ gebaut haben, stellten das Hotel an der Hauptstraße 62 in unmittelbarer Nachbarschaft zum Bahnhof vor. Das Hotel „Zum Weinberg“ wird in den Park integriert, soll ab Herbst 2019 gebaut und im Herbst 2021 eröffnet werden, damit es zur Laga 2022 schon mit einem eingespielten Team aufwarten kann.

Das Hotel bietet acht Menschen mit Behinderung einen Arbeitsplatz, zwölf weitere Vollzeitarbeitsplätze wird das "Hotel garni" benötigen. Entstehen sollen in dem viergeschossigen Gebäude 72 Zimmer mit 138 Betten. Sechs Zimmer werden rollstuhlgerecht ausgestattet, weitere jeweils sechs für Seh- und Hörgeschädigte eingerichtet. Auch in den Tagungsräumen im Erdgeschoss wird spezielle Konferenztechnik eingebaut. „Tradition und Moderne verschmelzen, das verwendete Material lehnt sich an den Bahnhof an. Das ganze Quartier wird bereichert.

Wir nehmen dem Park Fläche, werten ihn aber auf“, so Berghaus. „Unsere Aufgabe ist es nicht, etwas für die Hotellerie zu tun, sondern mit Blick auf den Arbeitsmarkt das Problem zu beheben, dass Menschen mit einem Handicap immer noch nicht ausreichend beschäftigt werden. Die Betriebe zahlen lieber die Ausgleichsabgabe, als die oft hoch motivierten behinderten Menschen einzustellen“, so Uli Schmidt vom Landes-Sozialministerium, der die Grüße von Ministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler für das beispielhafte Projekt überbrachte. Das Hotel „Zum Weinberg“ sei dann die 71. Inklusionsfirma mit insgesamt rund 900 Mitarbeitern im Land.

Gutachten attestiert Hotel Wirtschaftlichkeit

Zu Geschäftsführern der gGmbH wurden Pastorin Johanna Will-Armstrong aus Bethel und Andresen bestellt. Sie bereiten die Baumaßnahme vor und setzen die Pläne vor Ort um. Andresen erklärte, dass seine Frau Ulrike Dobrowolny, Vorsitzende des Hospiz-Vereins Rhein-Ahr, ihn ermutigt habe, mit Bethel das Projekt anzugehen. Die regionalen Banken und auch ein Dehoga-Gutachten attestierten dem Inklusionshotel eine Wirtschaftlichkeit. „Wir rechnen mit einer 51-prozentigen Auslastung mit Luft nach oben“, so Andresen. „Sie sind schon eine ganz besondere Gemeinde“, lobte Pastor Ulrich Pohl, Bethel-Vorstandsvorsitzender, das Engagement der Akteure, „die hier alle dafür brennen“. In Sachen Finanzierung hofft er mit seinem Team auf Zuschüsse von der „Aktion Mensch“ und vom Integrationsamt.

Den Hotelbau und seine Vernetzung unterstützt ein regionaler Beirat, dem Orthen, Winzerin Julia Baltes (Deutsche Weinkönigin 2012), Spitzengastronom Hans Stefan Steinheuer (Schirmherr Hospiz im Ahrtal), Gerhard Kreuter (ehemaliger Chefarzt Marienhaus-Klinikum) und Pfarrer Friedemann Bach (evangelische Kirche) angehören.

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