Forum in der Abtei Maria Laach: Anselm Grün und Nikolaus Schneider beim Laacher Forum

Forum in der Abtei Maria Laach : Anselm Grün und Nikolaus Schneider beim Laacher Forum

Alles drehte sich um "Vertrauen". Wie es entsteht und wie man es einüben kann, darüber sprachen beim Laacher Forum Benediktinerpater Anselm Grün und der ehemalige Präses der evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider.

Beim jüngsten Laacher Forum drehte sich alles um das Thema „Vertrauen“. Vertrauen, das durch Schicksalsschläge ins Wanken geraten kann, wie der Journalist Joachim Frank als Moderator des Abends feststellte. Mit ihm saßen zwei bekannte Persönlichkeiten auf dem Podium, die Schicksalsschläge genauso wie Vertrauen erfahren haben. Nikolaus Schneider, ehemaliger Präses der evangelischen Kirche im Rheinland, erlebte einen persönlichen Schicksalsschlag, als seine Tochter im Alter von 22 Jahren starb. Und Benediktinerpater Anselm Grün fand trotz Nierenkrebs zu einem „Vertrauen, dass Gott mich gesegnet hat, und dass es gut geht.“

Aber wie entsteht Vertrauen, das in der Bibel eng mit dem Glauben verknüpft ist? Gottvertrauen, Selbstvertrauen und das Vertrauen in andere gehören für Grün zusammen, während Nikolaus Schneider das gegenseitige Vertrauen unter Partnern und Freunden als eine sich „gegenseitig befruchtende Beziehung“ betonte, die „Identität“ stifte, „dass ich Ja zu mir sage, dabei aber auch spüre, wie ich sein könnte und wie ich sein sollte.“ Wichtig sei das Einüben von Vertrauen, waren sich beide Theologen bei der von der Buch- und Kunsthandlung Maria Laach ausgerichteten Veranstaltung einig.

Fehlendes Selbstvertrauen hat für Grün mit dem Selbstbild zu tun. Statt sich immer toller darzustellen, als man ist, sei es leichter, von Illusionen Abschied zu nehmen. „Da kann ich selber werden, wie Gott mich gedacht hat.“ Es gelte, die eigenen „Schattenseiten“ anzunehmen, um zum „wahren Selbst“ zu kommen. Grün: „Das gibt das Gefühl von Freiheit und innerer Ruhe.“ Nikolaus Schneider sieht in der Begegnung die Chance, Selbstvertrauen zu entwickeln, indem man den andern so annimmt, wie er ist, „und nicht die Frage nach den Nutzen stellt, was ich von der Begegnung habe.“ Sein Gottvertrauen sei immer auch ein „Dennoch-Vertrauen“ über das enttäuschte Vertrauen hinweg: „Gott begegnet uns im Gebet, in spirituellen Erfahrungen und nicht in dogmatischen Wahrheiten, die man in Flaschen abfüllen könnte.“

Es gelte zu lernen, auch mit negativen Gedanken umzugehen, sagte Grün. Er nannte Abraham, der seinen Sohn opfern sollte, Petrus, der auf dem See untergeht und Maria unter dem Kreuz. Alle drei hätten Vertrauen gehabt. Das Jesuswort „Dein Wille geschehe“ ist für Nikolaus Schneider entscheidend. Mangelndes Vertrauen und mangelndes Selbstvertrauen gehören für Frank zusammen. Deshalb meideten viele Menschen Nähe, da sie zu viel von sich zeigen müssten, fand Grün: „Man will nach außen Vertrauen schaffen, erntet aber Misstrauen, weil man sich selbst nicht traut.“ Gegen diese Haltung stellte der Benediktiner sein eigenes Erfolgsrezept: „Lieber lass ich mich mal enttäuschen, als dass ich ständig misstrauisch bin.“

Das eigene Misstrauen zu ignorieren, sei indes falsch. Bei diesem Thema fragte Joachim Frank, wie die Kirchen wieder Vertrauen gewinnen können. Hilfreich ist für Grün, „dass die Kirche nicht mehr moralisiert, sondern Menschen aufrichtet und in ihrer Sprache bescheidener und demütiger wird.“

Bei der anschließenden Diskussion ging es um Schuld und Vertrauen, wenn etwa Menschen sich wegen ihrer Schuld selbst nicht mehr vertrauten. Dann vergebe Gott die Schuld und nehme den Menschen an, aber auch diese Erkenntnis brauche Vertrauen.

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