Spielen und Toben im Sonnenschein: Altenahr feiert ausgelassenen Weltkindertag

Spielen und Toben im Sonnenschein : Altenahr feiert ausgelassenen Weltkindertag

350 Kinder aus sieben Kitas, vier Grundschulen und der Ahrtalschule der Verbandsgemeinde Altenahr trafen sich am Weltkindertag zum Spielen, Toben und Ausgelassensein bei strahlendem Sonnenschein.

Sie wissen noch nicht, wie man das Wort Paragraf schreibt. Müssen sie auch nicht. Oder was hinter der „UN-Kinderrechtskonvention“ steht. Was die rund 350 Kinder aus sieben Kitas, vier Grundschulen und der Ahrtalschule der Verbandsgemeinde (VG) Altenahr aber ganz genau wussten: Der Weltkindertag wird ihr Tag, einer zum Spielen, Toben und Ausgelassensein bei strahlendem Sonnenschein.

Und damit die Erwachsenen, darunter VG-Bürgermeister Achim Haag, der katholische Pfarrer Volker Dupont, sein evangelisches Pendant Holger Banse, Erzieher, Schulleiter, Lehrer und das Team um Organisator und Jugendpfleger Werner Söller vom „Pro Büro für Jugendarbeit der VG“, es schwarz auf weiß lesen konnten, rollten die Klassen 4 a und b der Ahrbrücker Denntalschule auf dem Sportplatz der Ahrtalschule ein Banner aus: „Paragraf 31 – Kinder haben das Recht zu spielen, sich zu erholen und künstlerisch tätig zu sein.“

Söllers Frage „Seid ihr gut drauf?“ wurde derart laut beantwortet, dass es bis ins benachbarte Seniorenheim Maternusstift zu hören war. Weil Singen und Texten auch Kunstformen sind, stimmte der Nachwuchs unter Anleitung von „Lieder-Michel“ alias Musiklehrer Michael Bruchmann-Seidel erst einmal einen Song an, der perfekt zum Motto der Woche der Kinderrechte – „Freiraum für Kinder – Ruhe, Freizeit, Spiel, Erholung“ – passte: „Wir wollen auf Stelzen laufen und mal raufen. Wir wollen, ohne dass uns Termine stressen, mal in Mamas Armen die Zeit vergessen.“ Um sicherzustellen, dass all diese Wünsche tatsächlich bei den Eltern ankommen, startete der rührige Arbeitskreis „Quo vadis“, zu dem auch der Kulturverein Mittelahr gehört, eine Postkartenaktion. Die Karten wurden mit 350 Wünschen und Adressen beschriftet und werden nun in der Verwaltung abgestempelt. Der Postbote trägt sie so in jedes Haus, damit noch einmal deutlich wird: „Wir Kinder haben Rechte, unsere Träume verändern die Welt.“

Sieben Millionen Kinder unter 15 sterben täglich

In Tim Bendzkos Lied „Ich bin doch keine Maschine, ich bin ein Mensch aus Fleisch und Blut“ stimmten die Fünft- und Sechstklässler der Ahrtalschule ein, ohne Playback erklangen dann noch mit dem Lieder-Michel am Akkordeon zwei Herbstlieder. Wie auf heißen Kohlen saßen die Kids dann schon auf dem Sportplatz, den Schulleiter Hubert Stentenbach nur zu gerne zur Verfügung gestellt hatte, als Bürgermeister Haag mit den Worten „Tut mal, was ihr wollt“ leider einen Frühstart auslöste. Die 25 Spielstationen, die von 15 Neuntklässlern betreut wurden, waren noch nicht präpariert.

Doch Pfarrer Banse, der sich wie Haag für die Kinder über Handy- und PC-freie Spielzeit freute, fasste sich ebenso kurz wie Dupont. Letzterer machte deutlich, dass das Thema „Freiraum schaffen“ in Deutschland eher ein Luxusproblem sei. „Sieben Millionen Kinder unter 15 Jahren sterben täglich auf dieser Welt, weil es für sie kein frisches Wasser, Essen und Medikamente gibt. 250 Millionen Kinder, also drei mal so viel wie Menschen in Deutschland leben, können nicht in Kitas und Schulen lernen. Habt heute Spaß, aber freut euch morgen auch wieder auf die Schule“, so der Geistliche.

Aber dann, endlich, zählten 350 Kinderkehlen lauthals von Zehn auf Null runter. Die Stationen wurden danach regelrecht gestürmt. Geschicklichkeit beim Balancieren auf der Slackline war ebenso gefragt wie Treffsicherheit beim Dosenwerfen. Wer wollte, der konnte trommeln, Tanzschritte einstudieren oder sich verkleiden.Wer auf der Tartanbahn einen Hindernisparcours überwunden hatte, der freute sich über Riesen-Seifenblasen. Ein Junge brachte das Motto des Tages ungewollt auf den Nenner: Auf seinem Shirt prangte der Schriftzug „Less talk, more fun“ – weniger Gequatsche, mehr Spaß.

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