80 Bilder für die neue Rathaus-Kultur

80 Bilder für die neue Rathaus-Kultur

Zum 20-Jährigen präsentiert die Gruppe Collage in Bad Neuenahr-Ahrweiler eine Retrospektive - Ziel ist es, besonderen Talenten zu Ausstellungen zu verhelfen

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Andrang bei "Alt - Neu", der Retrospektive anlässlich 20 Jahre Gruppe Collage. Bürgermeister Hans-Ulrich Tappe eröffnete sie als Auftakt der Rathaus-Kultur 2005. "Collage ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, was unsere Stadt und Region an künstlerischem Talent zu bieten hat", sagte Tappe, der mit Gruppenleiter Kolja Schäfer zurückblickte: 1985 gründete Roos Schäfer-Senteur die Künstlergemeinschaft, um besonderen Talenten zu mehr Ausstellungen zu verhelfen.

Seitdem wurden rund 50 Werkschauen organisiert und 42 Mitglieder aufgenommen. Derzeitige Kreative sind Marie-Pascale Gafinen, Simon Klein, Wolfgang Meimbresse, Herbert Müller, Susanne Muhs, Lucy Rudolph, Maren Thies, Isabel-Marie Junker, Kolja Schäfer und Roos Schäfer-Senteur.

Vom Duo "Saitenwind" musikalisch beflügelt, schwärmten die Gäste in die Flure aus, wo 80 Bildwerke diverser Techniken und Themen ihrer harrten. Allein zehn liefert Herbert Müller. Er schwelgt mit verführerischen Frauen handwerklich sicher im Jugendstil, wagt aber auch Ausflüge außerhalb des Stil-Korsetts. Maren Thies malte nicht nur ein "Liebespaar" auf Holz, sondern "bekleidet" es auch mit Maserung.

Ihr gekonnt reduzierter Ahrweiler Grundriss könnte glatt als Logo der Rotweinstadt glänzen. Simon Klein, 16-jähriger jüngster Aussteller, verblüfft durch qualitätvolle Darstellungen nachdenklicher Frauen, während von Susanne Muhs präzise eingefangene Alltagsszenen ins Auge springen, Wolfgang Meimbresses Menschen und Landschaften über die Farbe wirken und Kolja Schäfer mit seiner Spezialität, großen Portraits wie "Romy" überzeugt.

Dem Kunst-Klassiker Akt widmen sich Isabel Junker und Sarah Lucia Schäfer. Zur gemalten Frisur steuert Schäfer auch mal einen echten Strohzopf bei. Bei Marie-Pascale Gafinen zu entdecken: Ein Mädchen mit rotem Kleid, roten Luftballons und eine graue Stadt, Zutaten einer melancholischen Zeichnung übers "Erwachsen werden".

Und Roos Schäfer-Senteur fragt, wie so oft, nach der Menschlichkeit. Sie tut es mit der eindringlichen Collage "Braun", indem sie Tätern und Opfern des Naziregimes Gesichter gibt und ebenso der friedlichen Atelier-Gemeinschaft von Maler, Kind und Hund.

Gründungsmitglieder Edith Maurer und Jutta Eulenstein-Husdal sind Gastaussteller, wobei letztere durch explosive Malerei auf Seide eine Sonderstellung einnimmt.

Die Retrospektive ist bis 1. April zu den Öffnungszeiten des Rathauses zu sehen.

(Kritik aus dem General-Anzeiger)

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