Fest in Sinzig: 15. Barbarossamarkt wird zum Mittelalterspektakel

Fest in Sinzig : 15. Barbarossamarkt wird zum Mittelalterspektakel

Der 15. Barbarossamarkt in Sinzig inszenierte im Schlosspark ein Mittelalterspektakel für alle Sinne. Händler, Schausteller und Handwerker präsentierten sich an ihren Ständen.

Stehen Zelte hell und bunt im Park rund um das Schloss, dann hat in Sinzig der Barbarossamarkt wieder Einzug gehalten, dessen Besucher so gerne zurück ins Mittelalter reisen, wobei Händler, Schausteller und Handwerker sie an ihren Ständen und in ihren annähernd zeitgetreuen Mittelalterlagern nach Kräften unterstützen.

Direkt hinter dem Eingang hat am Samstag der Clan MacKean sein Quartier mit fünf Zelten aufgeschlagen. „Wir sind der klägliche Rest eines Trupps auf der Rückkehr vom dritten Kreuzzug nach Schottland“, erklärt der Clan Chief, der bürgerlich Heinz John heißt. „Viele Besucher kommen wegen der Schaugruppen, aber keiner ist damals dauernd mit Schwert und Rüstung rumgelaufen, deshalb wollen wir den Alltag darstellen“.

Zugegeben, ein nobler Alltag, den das Oberhaupt, Knappe, Verwalter, Hauptmann der Bogenschützen und seine Frau pflegen. Die Ladies beherrschen uralte Stickereien und nähen selbstgewebte Borten auf Umhänge. Der Knappe, in der Jetztzeit praktischerweise Koch, kümmert sich in der Lagerküche um die mittelalterlichen Speisen. Johns Familie stammt sogar aus Schottland. Vielleicht kann man deshalb von ihm so viel über die Schotten lernen, etwa, dass es Kilts und Dudelsäcke erst ab dem 16. Jahrhundert gab.

Der Blick ins mit Teppichen ausstaffierte Zelt des Chiefs zeigt jedenfalls, wie kultiviert er reiste: Großes Bett, feine Gewänder, bemalte Reisetruhen, selbst eine „Reisekapelle“ mit Altar, Bibel und „Mittelalter-Laptop“, Wachstäfelchen und Griffel gehören dazu. Bei den Verlockungen des Marktes für das holde und das starke Geschlecht sitzen die Taler locker. Edles aus Ton, Lederarbeiten, Schaffelle, handgewebte Tischwäsche, Holzwaren mit Brandmalerei, seidene Bändern, Perlen und Knöpfe aus Bein und Perlmutt sind zu haben. Die Duftstube hält orientalische Ölessenzen in Wachs feil. Eine junge Frau punziert Leder, der Schmied illustriert seine schweißtreibenden Arbeit und auch Wolfram Diehl zeigt, wie mühselig Vesperteller und Handspindeln in seiner „Yggdrasil-Drechseley“ entstehen. Dennoch geben sie alle freundlich Auskunft über ihr Metier. Die Kinder machen lieber beim Mäuseroulette unter dem roten Zauberhut Halt oder bewerfen mit Wunderkugeln Dracheneier. Als Belohnung locken Drachenzähne und Ogerpopel. Sie können das Glücksrad drehen, Kräutersalz herstellen, Flechtbänder tundeln, in der Gauklerschule jonglieren lernen und, wie die Großen, das Wurfbeil schwingen.

Wie das Mittelalter schmeckt, vermittelt nicht nur aufs Leckerste die „Taverne zum tanzenden Einhorn“, wo einem der Anblick von saftiger Porchetta, Schweinerücken und Schweinebauch mit Knoblauch, Fenchel und Rosamarin den Mund wässert. Auch brutzeln in riesigen Pfannen Kartoffel-Kohl-Gerichte aus Biogemüse. An der „Sudbud“ der Kräuterschwestern Mildred und Sigrid gibt es Mokka mit Kardamom, Zimt und Nelken, Kaffee, aber auch Orange-Ingwer-Eistee, der gerade den Zehnjährigen Emilia und Alice mundet und Pfefferminztee für den kleinen Ritter Basti.

Und plötzlich, wild ins Ohr gehend, der Sound von sechs Mannen der belgischen Mittelalterband Prima Nocta. Anna Küffner vom vielgelobten Orga-Team des Markt-Veranstalters „Wir helfen“, der alle Einnahmen gemeinnützigen Projekten zukommen lässt, freut sich, dass sie nach vier Jahren Pause „wieder dabei sind“.

Man sieht geflochtene Bärte, nackte Oberkörper, Lederröcke, Schnabelschuhe und hört Dudelsack, martialisches Getrommel – eine sehr starke Live-Performance. Anders schön wirkt jene Tänzerin des Stammes Baghira, die spontan zu den Klängen von Unkenpfuhl grazile Bewegungen ausführt.

Des Abends treten die Musikanten Porcae Pellere auf, eine lodernde Feuershow und ein Derwisch verblüffen und bezaubern die Gäste, wie das ganze Mittelalterspektakel an einem der schönsten Orte Sinzigs mit seinen Düften, Klängen, Farben auch am Sonntag im Schlosspark in den Bann zieht.