"Secondlife4dogs": Ein zweites Leben für Hunde

"Secondlife4dogs" : Ein zweites Leben für Hunde

"Secondlife4dogs" bietet Tieren aus Kreta eine Chance auf ein besseres Leben.

In Europa gibt es zirka eine Million Straßenhunde, die meisten davon in Rumänien oder Griechenland. Eine der Organisationen, die den Tieren helfen, ist der Verein "Secondlife4dogs". Er setzt sich für Hunde und Katzen ein und bringt die Tiere aus Kreta nach Deutschland, um sie hier zu vermitteln. Neuntklässlerin Ida Lehrach sprach mit der Gründerin Silke Röhrig.

Wie sind Sie dazu gekommen, mit der Organisation zu helfen?

Silke Röhrig: Im Jahr 2004 war ich das erste Mal auf Kreta im Urlaub. Vor Ort habe ich Maria kennengelernt und meinen ersten Hund. Minos lebt heute noch in unserer Familie und ist jetzt schon 14 Jahre alt. So hat alles angefangen. In den ersten Jahren habe ich privat versucht zu helfen und irgendwann festgestellt, dass die Hilfe von einer einzelnen Privatperson, und ist sie auch noch so engagiert, nicht im Ansatz ausreicht, um wirklich nachhaltig etwas an der Situation dort zu verbessern. So habe ich mich auf die Suche nach Gleichgesinnten gemacht und wir haben es angepackt!

Wieso sollte man sich einen Hund aus dem Ausland holen?

Röhrig: Im Grunde genommen ist es völlig egal, woher wir unseren Hund bekommen. Wenn eine Familie in einem deutschen Tierheim nicht fündig wird, spricht doch nichts dagegen, einem Hund aus dem Ausland ein neues Zuhause zu schenken. Wichtig ist doch nur, dass das neue Familienmitglied in die Familie passt! Und ich bin davon überzeugt, dass es genug Hunde gibt, die irgendwo sehnsüchtig auf ein neues Zuhause warten. Ich bin nicht grundsätzlich gegen Züchter, ich denke aber, dass dies ein sensibles Thema ist und dass nur sehr verantwortungsbewusste Menschen sich dieser Aufgabe widmen sollten. Und ich denke auch, dass die Zahl der gezüchteten Hunde bestimmter Rassen definitiv viel zu groß ist!

Wie kann ich einen Hund bei Ihnen adoptieren?

Röhrig: Manche Hunde befinden sich noch auf Kreta in unserer Auffangstation und werden von uns im Internet vorgestellt, so dass man Interesse bekunden kann und gegebenenfalls geht der nächste Flug direkt ins neue Heim. Andere sind bereits in Deutschland in einer Pflegestelle und können dort vorher besucht und kennengelernt werden. Natürlich ist es auch schon passiert, dass eine Pflegestelle den Hund selbst adoptiert hat.

Wie ist der Ablauf von dem Fund des Tieres bis ins neue Zuhause?

Röhrig: Oft informieren uns Touristen oder Hotelbesitzer, Bekannte oder Tierärzte per Anruf oder Mail darüber, dass irgendwo ein Tier Hilfe benötigt. Manchmal werfen uns die Menschen auch einfach ein Tier über den Zaun oder binden es vor dem Tor fest. Wir müssen immer abwägen, ob und wann wir ein Tier aufnehmen. Nun geht es darum zu sehen, welche tierärztliche Behandlung angebracht ist und wie der Charakter des Tieres ist. Wir versuchen den Hund kennenzulernen, einzuschätzen, machen Fotos und beschreiben den Hund auf unserer Homepage. Nebenbei wird entwurmt, geimpft, kastriert et cetera.

Wie viele Tiere werden von wie vielen Pflegestellen betreut?

Röhrig: Derzeit bis zu zehn Hunde, fünf Katzen und 150 Kleintiere. Das ist die vom Amt festgelegte Zahl, die nicht überschritten werden darf. Die Zahl der Pflegestellen ist immer unterschiedlich. Wir haben einige "feste" Pflegestellen, die immer wieder Hunde von uns haben, und immer wieder auch Familien, die ein oder zweimal einen Hund für uns betreuen.

Wie kommt das Tier nach Deutschland?

Röhrig: Alle unsere Hunde müssen mindestens vier Wochen in unserer Auffangstation bleiben, bevor sie in den Flieger dürfen. Sie werden entwurmt, entfloht, geimpft, auf Krankheiten untersucht und behandelt oder aufgepäppelt. Welpen dürfen erst ab einem Alter von vier Monaten ausreisen, da erst in diesem Alter gewährleistet ist, dass alle vorgeschriebenen Impfungen wirksam sind. Sind alle Voraussetzungen erfüllt, überprüft ein Tierarzt nochmal den Pass und untersucht den Hund. Erst dann darf der Hund ausreisen. Meistens reisen unsere Hunde in einer Box im Frachtraum oder in einer Transporttasche in der Kabine mit sogenannten Flugpaten. Die Hunde werden von uns an den Flughafen gebracht und gemeinsam mit den Flugpaten eingecheckt. Die Flugpaten begleiten den Hund, verwahren die Papiere und kümmern sich darum, dass die Hunde am Ankunftsflughafen aus dem Sicherheitsbereich gebracht werden. Dort wartet dann bereits die Pflegestelle oder die neue Familie und nimmt den Hund entgegen.

Sind alle Tiere kastriert?

Röhrig: Alle unsere Tiere sind in der Regel kastriert, bevor sie in Deutschland einreisen. Nur wenn eine medizinische Indikation gegen die Kastration spricht, werden in Ausnahmefällen auch unkastrierte Tiere eingeführt. Unsere Welpen werden teilweise bereits mit vier Monaten kas-triert. Da unsere Tierärzte immer vorher abwägen müssen, ob eine Kastration schon möglich ist, kommt es aber auch häufig vor, dass ein Welpe bei Einreise noch nicht kastriert wurde.

Martinus-Gymnasium Linz, Kl. 9a

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