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"Früher war alles ganz anders"

"Früher war alles ganz anders"

Allzeit "on": Warum Jugendliche heute über soziale Netzwerke kommunizieren. Ein Artikel eines Schülers der Otto-Kühne-Schule, Klasse 8a.

"Früher war alles ganz anders" erzählen meine Eltern immer wieder. Da hat man zum Festnetztelefonhörer gegriffen und den Freund angerufen, wenn man sich treffen wollte oder eine Information zu den Hausaufgaben brauchte. Wer konnte, verzog sich mit einem meterlangen Kabel in ein anderes Zimmer. Oder man setzte sich auf sein Rad und fuhr einfach zum Freund.

Wollte man "chillen", ging man mal auf die Straße und traf sich dort. Der Urlaubsbekanntschaft schrieb man alle paar Monate einen Luftpostbrief. Das klingt heute unfassbar altmodisch. Es ist schwer, sich vorzustellen, ohne ein eigenes Handy, Smartphone, einen iPod oder einen PC zu kommunizieren. In meinem Umfeld haben alle Jugendliche mindestens ein elektronisches Kommunikationsmittel.

Aber was ist bei uns anders, als vor 30 Jahren bei unseren Eltern? Warum ziehen wir es vor, eine elektronische Nachricht zu verfassen, statt persönlich Kontakt aufzunehmen? Der Hauptgrund ist der Zeitfaktor. Die Anforderungen der Schule sind höher. Auch durch die Schulzeitverkürzung haben Jugendliche nicht mehr so viel unverplante Zeit. Der Vorteil einer elektronischen Nachricht ist, dass man sie immer und überall schreiben kann. So kann man Warte- und Fahrzeiten, späte Abendstunden nutzen, um Kontakte zu pflegen, auch wenn keine Zeit für ein richtiges Gespräch da ist.

"Chatten" ist kompatibel mit anderen Tätigkeiten und ist somit zeitsparend. Außerdem ist es oft einfacher, Meinungen und Emotionen schriftlich als persönlich mitzuteilen. Das gilt besonders für schüchterne oder nicht sehr selbstbewusste Jugendliche. Die Hemmschwelle der Kommunikation ist niedriger, sowohl quantitativ als auch qualitativ. Die elektronische Distanz vereinfacht den Gedankenaustausch. Jungen und Mädchen kommunizieren per Chat oder App sehr viel und offener miteinander. Auf dem Schulhof würde aber ein derartiger Austausch auf persönlicher Ebene nicht stattfinden. Durch "Gruppenchats" wird zudem eine Gruppenzugehörigkeit aufgebaut und gepflegt, die sich in einer persönlichen Situation so schnell nicht ergibt.

Letztlich ist unsere multimediale Umgebung auch Vorbild für unser eigenes Leben. Wir erfahren jeden Tag viele, sehr persönliche Dinge von fremden Menschen und haben ein größeres Bedürfnis nach Selbstdarstellung und Anerkennung.

Auch Fotos können in Sekunden übermittelt werden, Erfolge und Erlebnisse schnell vielen Menschen mitgeteilt werden. SMS, WhatsApp oder Facebook sind so etwas wie ein öffentliches Tagebuch.

Otto-Kühne-Schule, Klasse 8a