Ort der Begegnung

Haus Schlesien ist Start und Ziel des 40. GA-Wandertags

Königswinter. Haus Schlesien in Heisterbacherrott ist am Sonntag, 10. September, Start und Ziel des 40. GA-Wandertags. Der ehemalige Fronhof ist seit den 1970er Jahren ein Dokumentations- und Informationszentrum.

Die Augen von Nicola Remig tanzen förmlich. Es ist, als hätte sie auf die Frage nur gewartet. Ein Lächeln huscht über ihre Lippen, bevor sie ihre Brille abnimmt, sich kurz über die Augen streicht und dann trocken sagt: „Natürlich gibt es auch heute noch Hemmnisse.“ Hemmnisse – das umschreibt, dass es immer noch Menschen gibt, die, wenn sie den Namen Haus Schlesien hören, an Revanchismus denken, an Begriffe wie „ewig Gestrige“. Remig, die das Dokumentations- und Informationszentrum des Hauses leitet, weiß es besser. „Wir muten den Besuchern unserer Ausstellungen immer wieder so einiges zu.“

Auf deutscher – und auf polnischer Seite. Denn viele Ausstellungen entstehen in Zusammenarbeit mit Einrichtungen in Polen. „Und die Deutschen finden die polnische Sichtweise nicht immer erträglich – und umgekehrt.“ Aber das mache den Reiz aus, das setze den gewünschten Diskurs in Gang. Remig sieht das, ebenso wie Bernadett Fischer, die für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, gelassen. Die beiden sind, was Remig mit einem Augenzwinkern „Beuteschlesier“ nennt. Keine von beiden hat Wurzeln in dem Gebiet, doch beide haben es über die Arbeit nicht nur im Detail kennen-, sondern auch lieben gelernt.

Dabei übersehen die beiden Frauen nicht, dass sie in ihrer Arbeit immer wieder mit „heiklen Themen“ zu tun haben. „Diese Themen sind für die Menschen, die es noch erlebt haben, mit sehr vielen Emotionen besetzt. Die können da nicht sachlich rangehen“, räumt Remig ein. Gleichzeitig sind die letzten Augenzeugen für die Einrichtung das Rückgrat und ein wichtiger Baustein in der Verständigung der beiden Länder. Denn der hat sich der Verein verschrieben.

„Damals, in den 70er Jahren, wurde nach einem Standort für das Dokumentations- und Erinnerungszentrum in ganz Deutschland gesucht“, erzählt Fischer. Dass die Entscheidung letztendlich auf den verwahrlosten Fronhof in Königswinter fiel, lag natürlich nicht zuletzt an seiner Nähe zu Bonn und den damals dort angesiedelten Bundesbehörden.

 

350.000 Mark brachten die Schlesier auf. Seitdem ist viel Geld in die Renovierung und den Unterhalt der Gebäude, in die Sammlungen sowie in die Ausstellungen geflossen. Und natürlich in die Begegnungen zwischen Menschen jeden Alters aus Polen und Deutschland. Getragen vor allem vom Verein, von Spenden und zumindest einigen Zuschüssen von Bund und Land.

Das Herzstück des Hauses ist bis heute das Dokumentions- und Informationszentrum. Dazu gehören neben Bibliothek und umfangreichem Archiv auch die große Sammlung schlesischen Kulturguts, die im Neubau der alten Stallungen in einem kleinen, aber sehr feinen Museum zu bewundern ist. Dieses wird selbstverständlich am Wandertag zu besichtigen sein. Auch Führungen werden ab Mittag angeboten. Zudem wird Haus Schlesien ein Grillbuffet anbieten. Dazu kommen die Wandermesse im Eichendorffsaal sowie Angebote für Kinder. Ein Töpfermeister wird den Besuchern zudem auch Einblick in die Entstehung der Bunzlauer Keramik geben.

Aber auch die Nachbarn von Haus Schlesien beteiligen sich an dem Angebot für die Wanderer. So bietet der Verein der Freunde und Förderer der Nikolauskapelle ab dem Mittag kurze Führungen durch das kleine Gotteshaus an, das einst zum Fronhof gehörte. Immer wieder wurde es schwer beschädigt und sollte einmal sogar als familiäre Gruftkapelle umgebaut werden.

Heute kümmert sich der Verein liebevoll um den Bau. Und auch die benachbarte Emmauskirche ist dabei: Sie hat extra für die Wanderer ein kleines Programm auf die Beine gestellt. Unter anderem wird an dem Sonntag um 12.30 Uhr eine generationenübergreifende Ausstellung eröffnet.