Liebreizende Schönheiten: Puppenmuseum in Bad Breisig öffnet zum GA-Wandertag

Liebreizende Schönheiten : Puppenmuseum in Bad Breisig öffnet zum GA-Wandertag

Das Puppenmuseum am Bad Breisiger Kurpark öffnet zu besonderen Anlässen. So auch zum GA-Wandertag am Sonntag, 22. September. Im alten Rathaus kann die Puppen-Sammlung von Waldi und Karl-Heinz Ringel bestaunt werden.

Im alten Bad Breisiger Rathaus haben sie ein Zuhause gefunden: die Puppen aus der Sammlung von Waldi und Karl-Heinz Ringel aus Moers. Zwar ist es schon ein paar Jahrzehnte her, dass das Ehepaar sich mit seinem liebreizenden Anhang auf den Weg in die Kurstadt gemacht hat. Aber im neuen Domizil sind die fein modellierten, zerbrechlichen Geschöpfe in Vitrinen sicher aufbewahrt. Zu besonderen Anlässen können sie besichtigt werden. Das Puppenmuseum grenzt an den Bad Breisiger Kurpark und ist zum GA-Wandertag von Mittag an geöffnet.

Zusammen mit dem ehemaligen Rathaus hatte Oscar Ferreira 2014 das Museum mit seiner Sammlung übernommen und diese teilweise ergänzt. Die Puppen sollen in Bad Breisig bleiben, und er hoffe, das alte Haus im kommenden Jahr sanieren zu können, sagt der Hausherr. Er ist vertraut mit den stillen, graziösen Geschöpfen, kennt ihre Geschichten und berichtet gern aus der Zeit, aus der sie stammen.

Hintergründig ernst schauen die alten Wachskopfpuppen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts aus ihren zierlichen, pastellfarbenen und mit Rüschen besetzten Kleidern. Massenproduktion von Spielzeug gab es damals nicht, berichtet Ferreira. Die Puppen waren nicht zum Schmusen, sondern zum Anschauen da, darum machte es wohl nichts, dass ihre Körper zunächst aus Holz waren, später auch aus Pappmaché.

Manche Köpfe wurden aus Wachs gegossen, andere bestehen aus Pappmaché, das mit Wachs beschichtet worden ist. In die Reihe der zerbrechlichen Schönheiten gehören auch Köpfe aus glasiertem Porzellan, die allerdings unnatürlich glänzen – wie ein Kaffeeservice. Puppengesichter aus nichtglasiertem Bisquitporzellan gefielen ab den 1860er Jahren besser. Die Technik kam von Paris nach Deutschland und wurde hier, etwa im Thüringer Wald, als Grundlage für eine Massenproduktion weiterentwickelt. Erst später gab es Versuche mit Zelluloid, das für die Puppen robuster gemacht werden musste. So besaßen wohl alle kleinen Mädchen Mitte des 20. Jahrhunderts eine nach der Herstellerfirma benannte „Schildkröt-Puppe“. Damit konnte man spielen. Nicht aber mit den teils bürgerlichen, teils hochherrschaftlichen Gestalten aus früheren Jahrzehnten, die viele der Museumsvitrinen füllen. Etwa mit Samt und Seide bekleidete Puppen, die als Garderobe-Muster an Fürstenhäuser geschickt wurden. Bei Gefallen wurden die Modelle in den passenden Größen hergestellt. Ein Entwurf von 1874 für die russische Zarin Maria steht im Puppenmuseum. Das anschließend gefertigte Original befinde sich im Museum in Sankt Petersburg, so Ferreira.

Puppen als Schmuck

Übrigens stellten Puppen zunächst Damen der feinen Gesellschaft dar und dienten dem Schmuck. „Sie standen in Vitrinen, wurden vor Weihnachten herausgenommen, neu eingekleidet und kamen nach dem Fest wieder hinter Glas“, so der Herr über Hunderte Puppen. Kinder- und Babypuppen zum Spielen gab es erst viel später. In Bad Breisig ist eine Vitrine mit Babypuppen gefüllt, einige lebensgroß. Meist nur zum Anschauen waren die Puppenstuben, mit allem, was zu einem gutbürgerlichen Haus gehört, etwa mit Tafelporzellan und Torten auf Spitzendeckchen. Sehr apart präsentieren sich Puppen auf einem Karussell, rustikaler geht’s auf dem Bauernhof zu. Auch Harlekinpüppchen sind dabei und eine ganze Sammlung von Trachtenpuppen. Zeigten sich die kleinen Schönheiten zunächst mit einheitlichem Blick, so wurden auf Initiative einer Künstlergruppe später auch Charakterpuppen hergestellt, etwa unter dem Seriennamen „Kleiner Liebling“.

Oscar Ferreira erzählt, wie die Puppen einst zum Ehepaar Ringel gekommen sind: Die beiden hatten vor, eine Weltreise zu machen, sahen die Puppensammlung, verliebten sich in die feinen Gestalten, kauften die Sammlung – aus der Weltreise wurde nichts mehr.

Das Puppenmuseum an der Koblenzer Straße 31 in Bad Breisig öffnet zu besonderen Anlässen wie dem GA-Wandertag und auch am Sonntag, 6. Oktober, sowie am 7./8. Dezember. Infos zu den Öffnungszeiten hat die Tourist-Info Bad Breisig. Interessenten können sich im Museum selbst umsehen oder sich führen lassen.

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